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People | 24.01.2023

Handeln, bevor es notwendig ist

Was haben Wertschätzung, Prophylaxe und Gesetzesentwürfe miteinander zu tun? Genau, sie sollen die Pflegesituation in der Steiermark verbessern. Wie, erklärt Barbara Riener, Klubobfrau des Landtagsklubs der Steirischen Volkspartei.

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© Thomas Luef

Sie ist Sprecherin für Pflege, Sozialhilfe und Kinder- und Jugendhilfe. Bereiche, für die sich Barbara Riener schon früh – lang vor ihrem politischen Engagement – eingesetzt hat. Der Wunsch, etwas zu verändern, ja zu verbessern, führte sie schließlich in die Politik. Als Klubobfrau des Landtagsklubs der Steirischen Volkspartei setzt sie sich mit viel Tatendrang dafür ein, das System von Grund auf zu verbessern und nicht nur im Nachhinein Symptome zu kurieren. Einer der Hotspots dabei: der Pflegebereich.

 

STEIRERIN: Ihre berufliche Laufbahn startete im Sozialbereich. Was war der Grund, sich aktiv für Ihre Mitmenschen zu engagieren?
Barbara Riener: Hier ein familiärer. Mein Vater war Leiter im SOS-Kinderdorf in Stübing. Damals war es Vorgabe, dass die Familie direkt vor Ort wohnen musste, wodurch ich viele Kinder und Jugendliche und deren Familiengeschichten kennenlernte. Zu erfahren, was da oft im Vorfeld alles passiert ist, hat mich geprägt. In mir ist der Wunsch gereift, Kinder und Jugendliche sowie deren Familien zu unterstützen, damit es gar nicht so weit kommen muss, dass man sie trennt. Das war der ausschlaggebende Grund für mich, in die behördliche Sozialarbeit zu gehen.

Dieser Gedanke der Prophylaxe lässt sich auch auf andere Bereiche anwenden.
Dieser Gedanke sollte auch im Gesundheitsbereich vorrangig sein. Die Kosten für das Gesundheitssystem betrachtend, sind wir im europäischen Raum Spitzenreiter. Bei der gesunden Lebenserwartung liegen wir aber im Mittelfeld. Das muss uns doch zu denken geben.

Worin sehen Sie die großen Vorteile der prophylaktischen Herangehensweise?
Abgesehen vom persönlichen Wohlbefinden jeder und jedes Einzelnen würde dies das gesamte Pflege- und Gesundheitssystem entlasten. Die demografische Entwicklung zeigt es eindeutig: Wir werden immer älter, der Pflegebedarf steigt. Alleine mit ausreichend Bewegung und der richtigen Ernährung könnte man unter anderem das Herzinfarktrisiko deutlich reduzieren. Schritte in die richtige Richtung wurden dabei schon gesetzt. Maßnahmen wie die Betriebliche Gesundheitsförderung sowie dass das Arbeitnehmerschutzgesetz auch die psychische Gesundheit bei der Überprüfung des Arbeitsplatzes miteinbezieht, waren essenziell. Aber das alleine reicht nicht mehr.

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Barbara Riener im Gespräch mit STEIRERIN-Chefredakteurin Lissi Stoimaier © Thomas Luef

Vorbeugend zu wirken ist wichtig, dennoch mangelt es akut schon an Pflegepersonal. Ist der Job nicht attraktiv genug?
Natürlich ist es ein Beruf, der oftmals auch Nacht- und Wochenddienste beinhaltet. Darüber hinaus ist es schwierig, wenn in der öffentlichen Debatte immer alles als Riesenskandal dargestellt wird und nur die Problematik hervorgehoben wird. Dass es in der Pflege Jobs gibt, die persönlich sehr erfüllend sind und zusätzlich tolle Möglichkeiten bieten, davon redet in diesem Diskurs kaum jemand. Hier würde ich mir ein Umdenken wünschen, genauso wie in vielen anderen Bereichen die Pflege betreffend. 

In welchen genau?
Seit Jahren steht für mich schon das Thema „Mobil vor stationär“ im Fokus. Das ist ja etwas, was sich jeder Mensch wünscht – so lang wie möglich in den eigenen vier Wänden leben zu können. Die skandinavischen Länder sind hier Vorreiter. Dort ist das Pflegesystem prinzipiell so aufgebaut, dass es nicht heißt „letzte Wohnung Pflegeheim“. Dort wird regelmäßig überprüft, ob es für eine Person im Pflegeheim nach guter Mobilisierung nicht doch möglich ist, wieder ein Leben daheim zu führen.

Betreuung daheim bedeutet aber oftmals auch mehr Belastung für die Familienangehörigen.
Deshalb haben wir beispielsweise die Förderungen für die mobile Hauskrankenpflege verbessert, veranlasst, dass die Stundenkontingente der Träger erhöht werden sowie die Alltagsentlastung ausgebaut wird. Aber weitere Maßnahmen müssen natürlich folgen.

Was sind die nächsten Schritte?
Es braucht ein Pflege- und Betreuungsgesetz, das die gesamte Materie, die wir auf der Landesebene haben, in einem Gesetz zusammenfasst. Denn wir brauchen keine Schnittstellen, sondern Nahtstellen, wo niemand mehr durchrutschen kann. Dieses Gesetz ist aktuell in Erarbeitung und ich bin davon überzeugt, dass es im Endeffekt auch beschlossen wird, da es ein wirklich essenzieller Schritt wäre.

ZUR PERSON

Geboren 1962 in Wien, besuchte Barbara Riener die Volksschule in Deutschfeistritz. Nach dem Gymnasium besuchte sie die Akademie für Sozialarbeit in Graz. Berufliche Tätigkeit: Dipl.-Sozialarbeiterin, Psychotherapeutin und Mediatorin. Verschiedene politische Funktionen seit 2009.

Seit Jänner 2019 ist sie als ÖVP-Klubvorsitzende im Landtag sowie Sprecherin für Pflege, Sozialhilfe und Kinder- und Jugendhilfe.