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People | 15.08.2022

Die Lisa und der Liam

Es braucht mehr Kings in diesem Land! Kings, die sich gegen veraltete Rollenbilder und für Gendermainstreaming einsetzen. So wie unsere Entertainerin Lisa Schoklitsch alias Liam ChoClit.

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© Das Querformat/ Sabrina Petz und Vivienne Chabrol

Egal was für eine crazy Idee man in sich trägt, egal wie man sich ausdrücken will – man soll es einfach machen.“ Unsere STEIRERIN-Awards-Gewinnerin „Die Entertainerin“ ist dieses Jahr ein Mann – zumindest teilweise. Für Lisa „Schoko“ Schoklitsch findet das Leben jenseits von weiblich und männlich statt. Den Kampf gegen limitierende Rollenbilder bestreitet sie mit einer subkulturellen Kunstform, die mit ihrem schillernden Ausdruck bisher hauptsächlich aus dem Untergrund strahlt. Als einziger aktiver Dragking der Steiermark kritisiert sie mit ihrer Persona Liam ChoClit auf charmante Weise Stereotype in unserer binären Gesellschaft. In einer von Queens dominierten Szene zieht Liam auf den Thron.

 


Liam bei den STEIRERIN-Awards 2022 © Thomas Luef

 

STEIRERIN: Dragqueens arbeiten mit weiblichen Stereotypen. Dragkings demnach mit männlichen?
Lisa Schoklitsch: Queens werden durch ihre Präsenz in den Mainstream Medien und das überzeichnete Darstellen von Frauenrollen tendenziell eher so wahrgenommen, als würde es hauptsächlich um die Show gehen. Kings werden oft politischer wahrgenommen, weil sie durch ihr Auftreten als Mann gegen das Aufdrücken von starren Strukturen und Genderrollen stehen. Die Mission ist hier extrem wichtig.

Was ist deine Mission?
Dass der Ausdruck und die soziale Rolle mit unserem biologischen Geschlecht in Einklang stehen müssen, habe ich schon als Kind nicht verstanden. Mit Liam setze ich mich dafür ein, dass Strukturen aufgebrochen und Geschlechter fließend werden.

Wie hast du Genderrollen als Kind wahrgenommen?
Ich habe immer gemacht, was mir taugt – wie Fußball und Puppen. Ich habe gerne gerangelt; definitiv nichts, das Mädchen zugeschrieben wurde. Es hat mir sauer aufgestoßen, dass in der Pause die Mädchen drinnen blieben und die Jungs draußen im Gatsch spielten. Mich trafen Kommentare wie „Tomboy“ oder „Mannsweib“, weil ich Kampfsport machte. Das war eben männlich.

 


Entertainerin Lisa Schoklitsch alias Liam ChoClit © beigestellt

 

Hast du je versucht, dich anzupassen?
Ich war die ganze Schulzeit völlig unangepasst und habe echt mein Ding durchgezogen. Natürlich habe ich auch darunter gelitten, aber ich hatte nie das Bedürfnis, mich zu ändern. Eher habe ich immer versucht, den anderen aufzuzeigen, warum ihr Verhalten nicht okay war.

Sind Rollenbilder immer schlecht?
Menschen können gar nicht anders, als in Schubladen zu denken. Es ist wichtig, dass es Rollen gibt – aber man sollte sich diese frei aussuchen können. Ich will nicht blöd angeschaut werden, wenn ich einem Mann die Tür aufhalte. Es sollte egal sein, wer wem die Tür öffnet.

 


"Es ist wichtig, dass es Rollen gibt – aber man sollte sie sich frei aussuchen können." © Das Querformat/ Sabrina Petz und Vivienne Chabrol

 

Wieso hast du dich für Drag als deine Form des Protestes entschieden?
Ich wurde oft als grantige Feministin wahrgenommen, weil man schnell belehrend wirkt, wenn man auf Kritisches aufmerksam macht. Also habe ich eine Leidenschaft von mir als Kind – mich zu verkleiden – genutzt, um auf subtile Weise über eine Kunstform Kritik zu üben. Kings überzeichnen nicht nur parodisch, sie zeigen auf, was falsch läuft. Wenn du dich als Frau so verhältst wie ein Mann, fällt es anderen erst auf, was sie selbst als männlich definieren.

Siehst du Gender bei dir auch fließend?
Ja, zu 100 %. Ich identifiziere mich gleichermaßen als Mann und Frau, fühle mich mit er und sie angesprochen – nur nicht mit they/them. Der Doppelpunkt beim Gendern ist wichtig für das Bewusstsein, ich persönlich brauche ihn nicht. Gerade das ist der springende Punkt: Wenn die Gesellschaft diese Genderrollen nicht kreieren würde, müsste ich mich gar nicht männlich oder weiblich fühlen – dann wäre ich einfach Mensch.