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People | 12.07.2022

Warum braucht es in der Politik mehr Frauen?

Diese Frage beantwortet Stadtrat Kurt Hohensinner mit einer klaren Antwort: Weil sie der Politik guttun. Wie der neue Obmann der Grazer Volkspartei Frauen in politischen Funktionen fördern will, erklärt er im Interview.

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© Stephan Friesinger

STEIRERIN: Um gleich bei der Einstiegsfrage zu starten: Warum braucht es deiner Meinung nach in der Politik mehr Frauen?
Kurt Hohensinner: Ich bin der Meinung, dass es für jede Partei ganz wichtig ist, Frauen in verantwortungsvollen Positionen zu fördern. Frauen bringen einen ganz wichtigen gesellschaftlichen Blick ein – eine Perspektive, die Männer oft nicht einnehmen können. Deshalb kann und darf die Politik nicht auf Frauen verzichten. Ich bin fest davon überzeugt, dass Frauen einer der Erfolgsfaktoren für eine gute Politik sind.

Wie sieht es innerhalb der Grazer Volkspartei mit der im Allgemeinen oft kritisch beäugten Frauenquote aus?
Quoten sind ein Mittel zum Zweck. Prinzipiell würde ich mir wünschen, dass ausgeglichene Verhältnisse so selbstverständlich sind, dass wir in keinem Bereich mehr eine Frauenquote bräuchten. Als Grazer Volkspartei haben wir in den letzten Jahren schon sehr viele Maßnahmen in diese Richtung gesetzt, die sich jetzt bezahlt machen. Wir haben nicht nur eine Parität im Grazer Gemeinderat. Nein, bei uns sind von 13 Gemeinderatsplätzen sogar acht von Frauen besetzt.

Welche Maßnahmen waren und sind das?
Das reicht von Sitzungen, die nicht mehr abends stattfinden, über Kinderbetreuung bei Veranstaltungen bis zu speziellen Mentoring-Programmen für Frauen. Klubobfrau Barbara Riener und die VP Frauen haben diesbezüglich auch eine Analyse durchgeführt, um zu erörtern, welche Faktoren eine Partei braucht, damit sie für Frauen attraktiv ist. Das ist eine wichtige Orientierungshilfe.

 

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Foto © Stephan Friesinger

Du bist seit 2003 in der Politik. Wann konntest du zuletzt von einer jungen Politikerin etwas lernen?
Ich lerne jeden Tag dazu, und das sehr oft von den vielen engagierten Frauen bei uns. Wer mich kennt, weiß, dass ich eine sehr bürgernahe Politik lebe. Auf einen Vorschlag von Gemeinderätin Cornelia Leban-Ibrakovic hin haben wir bei dem aktuell so wichtigen Thema des Pädagog:innen- und Betreuer:innennotstands in der Kinderbetreuung zusätzliche Sprechstunden eingerichtet, um noch tiefere Einblicke in die Praxis zu bekommen. Das Feedback war enorm. Durch über 100 Gespräche mit Pädagog:innen und Betreuer:innen konnten wir unseren Blickwinkel diesbezüglich noch einmal enorm erweitern mit dem Resultat, dass wir im Gemeinderat ein dringend notwendiges Handlungspaket vorgelegt haben. Jetzt liegt es an der Regierung, die Vorschläge umzusetzen. Und genau so wollen wir die Politik in Zukunft auch anlegen. Unsere Idee mit möglichst vielen Menschen rückkoppeln.

Hat sich deiner Erfahrung nach das Interesse der Frauen an Politik verstärkt?
Ich denke, das Interesse war früher schon groß, aber die Rahmenbedingungen haben das Ganze erschwert. Am Anfang meiner politischen Karriere war die Politik noch sehr männerlastig. Das hat sich extrem gewandelt.

Warum sind trotzdem immer noch viele Frauen abgeschreckt, den Weg in die Politik zu gehen?
Die Politik leidet prinzipiell an einem Vertrauensproblem. Er ist in den letzten Monaten und Jahren sehr viel passiert. Jetzt gilt es daran zu arbeiten, dieses Vertrauen wiederherzustellen und ins Tun zu kommen. Frauen fühlen sich gerade dann angesprochen, wenn weniger geredet wird, sondern dafür die Ideen, die geboren werden, auch realisiert werden. Sie sind Umsetzerinnen.

Wie würdest du deine Politik beschreiben?
Drei Punkte sind mir besonders wichtig. Erstens, eine bürgernahe und direkte Politik zu leben. Zweitens, und das ist das Gebot der Stunde, eine transparente Politik zu machen. Als ich die Partei übernommen habe, habe ich zuerst die Klubfinanzen sowie die Wahlkampfkostenabrechnung öffentlich gemacht. Das ist gesetzlich nicht erforderlich, aber diese Transparenz ist mir einfach wichtig. Und drittens, dass wir eine zukunftsorientierte Politik machen. Genau deshalb wird es uns im Rathaus auch brauchen. Es braucht Entscheidungen, die alle Seiten miteinbeziehen, auch die Wirtschaft und Unternehmer der Stadt. Wenn ich das Geld auf der einen Seite für wichtige soziale Projekte verwende, muss man gleichzeitig schauen, dass eine starke Wirtschaft Arbeitsplätze sichert und das Budget mit Steuern stützt. 

 

Politik zum Angreifen:


© 
Stephan Friesinger

Wer kennt nicht die Miniaturen von Rathaus, Uhrturm oder Kunsthaus, die auch sehbehinderten Menschen bedeutende Grazer Bauwerke erlebbar machen? Die Idee zur Initiative geht zurück auf eine Reise Kurt Hohensinners nach Amerika im Rahmen seiner Ausbildung als Behindertenpädagoge. Der Grazer Dom sowie das Schloss Eggenberg sind auch bereits als Miniaturen in Planung.