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People | 26.05.2022

Hinter den Zahlen stehen Schicksale

Brücken schlagen ist das Ziel der Steirischen Arbeitsförderungsgesellschaft m.b.H. Ein Gespräch über Herausforderungen und Chancen am heimischen Arbeitsmarkt.

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Doris Kampus und Regina Geiger im Interview. © Erwin Scheriau

Mit Ende Jänner 2022 waren 40.568 Menschen in der Steiermark als arbeitslos beim AMS registriert, 10.863 davon langzeitbeschäftigungslose Menschen. Davon rund 42 % Frauen. Als langzeitbeschäftigungslos gelten Menschen mit einer Geschäftsfalldauer von mehr als einem Jahr. In anderen Worten: arbeitslos, in einer Schulung oder auf Lehrstellensuche. Langzeitbeschäftigungslosigkeit hängt oftmals mit gesundheitlichen Problemen, dem Alter, aber auch dem Geschlecht zusammen. Ein erklärtes Ziel der StAF – die Steirische Arbeitsförderungsgesellschaft m.b.H. – ist es, genau diesen Menschen mit Qualifikation eine neue Chance auf dem Arbeitsmarkt zu geben, gerade in Zeiten des wachsenden Fachkräftemangels ein Muss. Wie diese Win-win-Situation erreicht werden soll, erklären Landesrätin Doris Kampus und StAF-Geschäftsführerin Regina Geiger.

Frau Landesrätin, Sie haben im familiären Kreis selbst schon miterlebt, was es bedeutet, langzeitarbeitslos zu sein.
Doris Kampus: Ja, mein Vater verlor aufgrund einer Werksschließung mit Anfang 50 seinen Job und konnte danach auch keinen mehr finden. Es war schlimm zu sehen, was das mit einem Menschen macht, dieses Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden. Eine Arbeit bedeutet natürlich Einkommen, ist aber noch viel mehr und einfach wichtig für den Selbstwert.

Der Arbeitsmarkt hat sich nach der Krise stark erholt, warum ist es dennoch wichtig, gerade jetzt noch verstärkt Maßnahmen zu setzen?
Kampus: Wir haben zum Glück so wenig arbeitslose Menschen wie seit Jahrzehnten nicht mehr und viele offene Stellen. Jetzt wäre es verführerisch zu sagen: Es ist alles super. Wir brauchen nichts mehr machen. Das ist aber der falsche Weg.
Regina Geiger: Wir haben noch immer über 40.000 Menschen in der Steiermark ohne Job. Das ist eine Gruppe von Menschen, die wir nicht einfach vergessen können. Auf der anderen Seite haben wir das Phänomen, dass uns die Arbeitskräfte ausgehen, vor allem die Facharbeiter. Um hier gegenzusteuern, setzen wir aktuell ganz gezielte Maßnahmen im Bereich der Langzeitbeschäftigungslosen.
Kampus: Jetzt haben Menschen erstmalig wieder Chancen auf einen Job, wo man vielleicht vor drei Jahren noch gesagt hätte, dass es am Arbeitsmarkt keine Chancen mehr gibt.

Doris Kampus 
Landesrätin für Soziales, Arbeit und Integration

© Erwin Scheriau

 

 

Welche Maßnahmen werden gesetzt?
Geiger: Die Qualifikation hat oberste Priorität. Das geschieht mit Stiftungen in den unterschiedlichsten Bereichen, wie etwa Digitalisierung oder Klima. Wir schauen uns dabei vor allem ganz genau die individuellen Schicksale hinter den Menschen an und welche Bedürfnisse sie haben. Nur so kann ein optimales Qualifizierungspaket zusammengestellt werden.

Was genau versteht man unter einer Stiftung?
Geiger: Das sind umfangreiche Finanzierungsprogramme, die durch passgenaue Qualifizierungsmaßnahmen dazu beitragen, Arbeitsuchende in ihre berufliche Zukunft zu begleiten und steirische Unternehmen dabei zu unterstützen, Fachkräfte zu erhalten.

Das Thema Frauen und Arbeit liegt Ihnen besonders am Herzen. Warum ist es so wichtig, Frauen am Arbeitsmarkt zu stärken?
Kampus: Von allen in Beschäftigung befindlichen Frauen arbeiten 50 % in Teilzeit, bei den Männern sind es nur 10 %. Oft sind die typischen Frauenberufe wie etwa in der Pflege schlechter bezahlt als typische Männerberufe. Das alles führt langfristig dazu, dass Frauen öfter als Männer finanziell abhängig sind oder in der Pension von Altersarmut betroffen sind. Hier muss ein Umdenken stattfinden.

Wie viele Personen werden pro Jahr von der StAF begleitet, wie viele davon sind Frauen?
Geiger: Aktuell betreuen wir rund 600 Personen, davon sind sicher mehr als die Hälfte Frauen. Wichtige Partner bei unserer Arbeit sind das AMS und die Sozialpartner.

Können sich auch Unternehmen bei der StAF melden?
Kampus: Natürlich. Unternehmen, die auf der Suche nach Fachkräften sind, können sich jederzeit gerne melden.

 


Regina Geiger
Geschäftsführerin StAF
© 
Erwin Scheriau

 

 

 

Was ist StAF?

Arbeit fördern. Die Steirische Arbeitsförderungsgesellschaft m.b.H. (StAF) setzt als Gesellschaft im 100%igen Eigentum des Landes Steiermark gezielt Maßnahmen im arbeitsmarktpolitischen Kontext und ist gemeinnützig für die Steirer*innen tätig. Die Zuständigkeit liegt in der Abteilung Soziales, Arbeit und Integration. www.staf.steiermark.at