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People | 30.03.2022

Unabhängig sein

Finanzen sind Frauensache. Oder sollten es zumindest sein. Warum Frauen für ihre finanzielle Gesundheit sorgen müssen, erklärt Steiermärkische-Sparkasse-Vorstandsmitglied Walburga Seidl.

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Walburga Seidl im Interview. © Thomas Luef

Alle reden von Gleichberechtigung. Aber gerade beim Thema Finanzen hört diese meist auf. Frauen verdienen oft weniger als gleichgestellte männliche Kollegen und auch daheim kümmern sich häufig die Männer um die finanziellen Angelegenheiten. Eine neue Studie der Erste Bank und Sparkassen, die anlässlich des Weltfrauentag am 8. März in Auftrag gegeben wurde, bestätigt, dass Frauen ihre finanzielle Unabhängigkeit (81 %) zwar sehr wichtig ist, das Interesse an Finanzthemen (16 %) aber verhältnismäßig niedrig ausfällt. Hier wäre dringend ein Umdenken nötig.

STEIRERIN: Am 8. März ist Internationaler Frauentag. Warum ist es auch heutzutage noch immer so wichtig, auf die Gleichberechtigung aufmerksam zu machen?
Walburga Seidl: Ja, es sind Fortschritte in puncto Gleichberechtigung zu beobachten. Es gibt aber immer noch Lebensbereiche – in der Wirtschaft, in der Politik, in der Familie –, wo es de facto zu wenig Gleichberechtigung gibt. Das sind Muster und Rollenbilder, die sich über Jahrhunderte gefestigt haben, und dann kann man nicht erwarten, dass sich das von einem Tag auf den anderen oder von einem Jahr auf das andere komplett ändert. Ein stetiges Daran-Arbeiten ist wichtig.

Wie wird das Thema Gleichbehandlung in der Steiermärkischen Sparkasse gehandhabt?
Gleichberechtigung ist bei uns eine von allen Kolleginnen und Kollegen gelebte Praxis. Das passiert unter anderem mit einem völlig transparenten Gehalts- und Karrieremodell. Das heißt, es gibt für die gleichen Jobs die gleiche Bezahlung, völlig unabhängig vom Geschlecht. Außerdem unterstützen wir sehr gezielt in den Bereichen Wiedereinstieg in den Job nach der Karenz sowie in puncto Vereinbarkeit von Arbeit und Familie. 

Eine von der Erste Bank und Sparkassen anlässlich des Weltfrauentags in Auftrag gegebene Studie zeigt auf, dass bei Frauen das Interesse an Finanzthemen mit 16 % weniger stark ausgeprägt ist als bei Männern (25 %). Warum herrscht bei Frauen in puncto Finanzen noch immer weniger Bereitschaft, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen?
Sich mit den eigenen Finanzen auseinanderzusetzen braucht Zeit. Frauen sind traditionell viel beschäftigt und ausgelastet und tendieren daher dazu, diese Themen den Männern zu überlassen. Das muss sich dringend ändern. Ohne finanzielle Unabhängigkeit – und so ehrlich muss man sein – gibt es keine Unabhängigkeit. Der Punkt ist, um unabhängig zu sein, für die Zukunft vorzusorgen und in weiterer Folge Alters­armut zu verhindern, muss man jetzt handeln!

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"Ohne finanzielle Unabhängigkeit – und so ehrlich muss man sein – gibt es keine Unabhängigkeit.", so Walburga Seidl. © Thomas Luef

Was raten Sie also?
Man muss sich jetzt damit auseinandersetzen. Am besten schon in ganz jungen Tagen. Das beginnt schon bei Mädchen und natürlich Burschen. Die Steiermärkische Sparkasse versucht mit zahlreichen Initiativen wie zum Beispiel Lernvideos oder unserem FLiP2Go-Bus bereits im Kindes- und Jugendalter Bewusstsein für die Wichtigkeit der eigenen Finanzen zu schaffen.

22 % aller Frauen in Österreich, die noch nicht in Pension sind, denken häufig über eine Pensions- bzw. Altersvorsorge nach. Wie sollte Frau vorsorgen, um im Alter abgesichert zu sein?
Das ist natürlich ein sehr individuelles Thema. Aber im Generellen gibt es in der Vorsorge drei Säulen, die man gleichwertig berücksichtigen sollte: Das Sparbuch für den schnellen Notgroschen, Versicherungen und Wertpapiere. Bei letzterem Punkt ist man zum Beispiel bereits mit 50 Euro pro Monat bei einer Fond-Ansparvariante dabei.
Stichwort „Wertpapiere“ – viele wagen sich an diese nicht heran.

Frauen sollten ganz und gar nicht davor zurückschrecken. Auch wenn man sich bisher damit noch nicht beschäftigt hat, ist es nie zu spät einzusteigen. Für eine umfassende Aufklärung und Beratung stehen wir auch bei der Steiermärkischen Sparkasse immer sehr gerne zur Verfügung.

Gehen Frauen anders an das Thema Investieren heran als Männer?
Studien sagen uns tatsächlich, dass Frauen tendenziell weniger risikobereit sind als Männer. Aber auf der anderen Seite sagen uns Studien auch, dass Frauen an sich das bessere Händchen für Veranlagungen haben und letztendlich höhere Anlage­erträge erzielen als Männer. Das liegt vielleicht daran, dass Frauen sich prinzipiell lieber langfristig und nachhaltig orientieren. 

Ihre persönlichen Top-3-Tipps in puncto Frauen und Finanzen?
Erstens, die eigene finanzielle Gesundheit ist Voraussetzung, um wirklich unabhängig und selbstständig zu sein. Auch wenn man in manchen Phasen des Lebens glaubt, dass die Unabhängigkeit nicht so wichtig ist. Es gibt Phasen im Leben, wo sie das Wichtigste überhaupt ist. Zweitens, man muss sich mit seiner finanziellen Gesundheit aktiv beschäftigen. Dazu stehen wir als Partnerin sehr gerne zur Verfügung. Drittens, wenn man in einem Beratungsgespräch einen Weg zur Verbesserung der finanziellen Gesundheit erarbeitet hat, dann ist es natürlich immens von Bedeutung, an diesem Plan dranzubleiben, denn das ist letztendlich das, was Früchte tragen wird.


Daten & Fakten

Die Erste Bank und Sparkassen hat anlässlich des Weltfrauentags am 8. März eine exklusive Umfrage in Auftrag gegeben.

 

Ein Auszug aus den Ergebnissen:

  • Die überwiegende Mehrheit von je 46 % der Frauen und Männer gab an, dass das Thema „Finanzen“ weder Frauen- noch Männersache ist.
  • Das Interesse für Finanzthemen im Allgemeinen ist bei Frauen weniger stark ausgeprägt als bei Männern. Während 25 % der Männer sich „sehr“ dafür interessieren, liegt dieser Anteil bei Frauen nur bei 16 %.
  • Im Vergleich geben mehr Männer (18 %) an, „sehr gut“ über Finanzthemen informiert zu sein, als Frauen (11 %).
  • Finanzielle Unabhängigkeit ist der überwiegenden Mehrheit in Österreich „sehr wichtig“, Frauen (81 %) aber noch deutlich wichtiger als Männern (66 %).
  • Während bei den Frauen 24 % angeben, auf eine finanzielle Unterstützung durch ihr enges familiäres Umfeld angewiesen zu sein, sind es bei den Männern nur 13 %. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich dieser Umstand bei Frauen jedoch merklich verringert.
  • Mit dem Thema „finanzielle Gesundheit“ verbunden werden unter anderem Schuldenfreiheit, finanzielle Unabhängigkeit, finanzielle Rücklagen, aber auch Gesundheitsvorsorge – neben „sich das Leben leisten zu können“.
  • Frauen (23 %) ist der Begriff „finanzielle Gesundheit“ weniger häufig bekannt als Männern (31 %).
  • Sparen ist für Frauen tendenziell etwas wichtiger als für Männer. So geben 54 % der Frauen an, dass ihnen Sparen „sehr wichtig“ ist. Bei den Männern geben dies nur 47 % an.
  • Am meisten legen Personen in Österreich Geld für sich selbst (89 %) und ihre Kinder (51 %) zurück.
  • Frauen (8 %) gehen bei Investitionen deutlich weniger Risiko ein als Männer (17 %).
  • Von Personen, die noch nicht in Pension sind, denken Frauen (ca. 73 %) deutlich mehr über Pensions- und Altersvorsorge nach als Männer (ca. 64 %).
  • Etwa ein Viertel aller Frauen in Österreich, die noch nicht in Pension sind, sind davon überzeugt, dass ihre Pension ausreichen wird, um sich den in ihrem Alter angestrebten Lebensstandard leisten zu können. Bei Männern trifft dies auf 28 % zu.

 

Quelle: IMAS International, Jänner 2022