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People | 21.01.2022

Von Pionierinnen und Alltagsheldinnen

Mit ihrem Podcast inspirieren die STEIRERIN-AWARD-Gewinnerinnen Raffaela Lackner und Elisabeth Leitner andere Frauen, bejahen das Landleben und erheben sich gegen weibliche Landflucht.

Bild 2112_ST_FR_Lokalheldin-1.jpg
© Helga Rader

Inspiration hat viele Gesichter. Viele unterschiedliche Frauengesichter, um genau zu sein. Manchmal ist es ein Wort, das man aufschnappt und einem nicht mehr aus dem Kopf gehen mag, dann wieder eine Stimme, die einen direkt in der Seele trifft und bleiben will. Beides hat Botschaft, gibt Kraft, Mut und Motivation weiter. Weil man vielleicht darin Antworten findet, die einem das Leben gerade stellt. Wenn Frauen zu Frauen sprechen, dann stellt sich schnell heraus: Female Empowerment gibt es. Wir müssen nur miteinander reden und offen gegenüber neuen Sichtweisen sein.

Das ist auch die Intention der beiden Podcast-Gründerinnen und aktuellen STEIRERIN-Award-Gewinnerinnen in der Kategorie „Lokalheldinnen“, Raffaela Lackner und Elisabeth Leitner, die mit ihrer Sendung „Mutige Frauen braucht das Land“ der Abwanderung junger Frauenpower entgegenwirken, zu mehr Mut motivieren und inspirieren möchten. Was es dazu lediglich braucht: Frauen vom Land, die mutige Geschichten zu erzählen haben und Bewegung in das Leben abseits des urbanen Raums bringen.

Selbst sind Raffaela Lackner und Elisabeth Leitner als Landkinder aufgewachsen und arbeiten heute als Architektinnen in leitenden Positionen. „Der Podcast ist ein Herzensprojekt, das wir in unserer Freizeit umsetzen. Wir möchten uns so auch selbst auf einer anderen Ebene weiterbilden und weiterbringen“, erklärt Raffaela Lackner. Als Frauen in Führungspositionen haben sich die beiden kennengelernt, gegenseitig gestärkt und Feedback gegeben – ein Verhalten im Berufsleben, das Frauen leider nicht immer leben. Ein weiterer Grund, warum die Architektinnen schon immer Frauenpower vor den Vorhang holen wollten. Dieses gemeinsame Projekt, das dabei genauso der stark zunehmenden Landflucht entgegenwirken sollte, war beim Wandern 2020 schnell gefasst. Die ersten vier Folgen gingen gleich darauf  2021 online. Seither erscheint an jedem ersten des Monats eine neue Folge. „Wir sehen immer öfter mutige Frauen, die ihr Leben und die Arbeit bewundernswert meistern. Interessant sind für uns die Alltagsheldinnen, die meist still und bescheiden sind“, so Elisabeth Leitner. „Die Gespräche geben uns enorm viel Kraft und jedes Gespräch ist auf seine Weise Inspiration für weitere.“

Gefahr „Landflucht“

Landflucht ist stark weiblich geprägt. Bessere Jobchancen sind Motivationsgrund, gefolgt von besseren Aus- und Weiterbildungschancen, besserer Infrastruktur sowie Kinderbetreuung. Dies geht aus dem „Dorf-leben Report 2020“ hervor. Auch Raffaela Lackner und Elisabeth Leitner sind als junge Frauen in Städte gezogen und kennen die Vor- und Nachteile beider Welten. Dass es auch anders am Land laufen kann, hört man in ihrem Podcast „Mutige Frauen braucht das Land“, wo Landfrauen durch berufliches, aber auch privates Wirken einen Beitrag zur Lebendigkeit des ländlichen Raumes beitragen. So erfährt man beispielsweise, wie Theresa Mai mit ihrer Firma von Wien aufs Land gezogen ist und dort auch gleich noch ein Dorf gründen will. Von Bernadette Schöny, der jüngsten Bürgermeisterin Österreichs, hört man, wie es ist, am Tag vor der Wahl zu hören, dass sie für den Job ungeeignet sei. Und von Bezirkspolizeikommandantin Katrin Horn erfährt man, dass sie in jungen Jahren ohne Rückflugticket am Flughafen stand, um Amerika zu erobern.

Was weiblicher Mut ist?

„Das kann eine alleinerziehende Mutter sein, die ihren Weg geht, eine Frau, die einen privaten oder beruflichen Neustart hinlegt, ebenso wie eine Frau, die sich (gesellschafts-)politisch engagiert und sich in einer männerdominierten Welt behauptet. Jede ist für sich mutig“, sind sich die beiden Podcast-Gründerinnen einig. Neben den Erfolgsgeschichten sind natürlich auch Fehler, Schicksalsschläge, Lebensentscheidungen, schwierige Phasen für ZuhörerInnen interessant. „Waren wir doch jede selbst schon in gewissen Situationen gefangen und haben uns da-raus befreit. Da hilft es noch mehr, wenn wir von anderen Frauen hören, denen es genauso erging“, weiß Raffaela Lackner. „Interessant sind die Zugänge und die Kraft, die dabei in jeder einzelnen Frau entsteht“, ergänzt Elisabeth Leitner. Das Resultat: Aus der Fülle an Antworten ihrer Podcast-Interviewpartnerinnen ergibt sich am Ende ein Gesamtbild, was „weiblichen Mut“ per se ausmacht.

Bild 2112_ST_FR_Lokalheldin-2.jpg
© Helga Rader