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People | 09.06.2021

Mamas & Macherinnen

Wo die Pandemie einige in die Knie gezwungen hat, lernten diese zwei Frauen auf eigenen Beinen zu stehen. Bianca Müller und Sandra Kollegger sprechen über ihr Leben in der Selbstständigkeit.

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Das Foto-Shooting zum Interview fand im ESKOLE Küchenstudio in Graz statt. © Thomas Luef

Der Schritt in die Selbstständigkeit ist für viele ein nicht zu unterschätzender – das ist bekannt. Doch selbst hierbei stechen Bianca Müller und Sandra Kollegger aus der Masse hervor. Denn die beiden Schwestern, Nachbarinnen und Mütter haben nicht nur gegründet – sie haben in der Krise gegründet.

Wer nicht wagt … Mit dem Gedanken zu spielen, ist das eine. Den Sprung tatsächlich zu wagen, das andere. Doch es zeigt sich: Entschlossenheit kann so manches Rad in Bewegung setzen. „Die Krise konnte mich dann auch nicht aufhalten“, erzählt Sandra Kollegger, die sich gleich drei Standbeine als Stütze für ihre Selbstständigkeit gebaut hat: Food-Stylistin, Privatköchin und Kochkurs-Leiterin. Wieso abwarten, dachte sich Bianca Müller, als ihr klar wurde, dass die Coronakrise noch länger andauern wird. „Der Sprung ins kalte Wasser ist wahrscheinlich härter und anstrengender – und dennoch hat es sich für mich richtig angefühlt“, so die nun selbstständige Produkt- und Businessfotografin. 

Herausforderungen gibt es immer. „Vorurteile sind immer noch Teil unserer Gesellschaft“, so Kollegger. Doch es liegt nicht an den Verurteilenden, zu entscheiden, wann und wie eine Mutter arbeiten darf. Tatsächlich schaffe Müller zufolge gerade die Arbeit den guten Ausgleich zum Mama-Alltag: „Und glückliche Mütter haben glückliche Kinder.“ Eine Herausforderung war es eher, einen passenden Kinderbetreuungsplatz zu finden, meint die Food-Stylistin. Ein Problem, mit dem sie nicht alleine war: „Die geschlossenen Kindergärten und die fehlende Möglichkeit, die Großeltern um Hilfe zu bitten, haben es mir am Anfang unmöglich gemacht, meiner Arbeit ‚richtig‘ nachzugehen“, so Müller. Der Gedanke, ohnehin zu Hause zu sein, sei es, der die Fotografin so lange vom Entschluss zur Fremdbetreuung abgehalten habe.


© Thomas Luef

Sandra Kollegger
Mit ihrer 22-jährigen beruflichen Erfahrung bietet die gelernte Köchin, Restaurantfachfrau und Mutter von zwei Kindern in ihrer hart erarbeiteten Selbstständigkeit ihre Fähigkeiten in Form von Food-Styling, Kochkursen sowie als Privatköchin an.

 

 


© Thomas Luef

Bianca Müller
Ursprünglich aus der Architektur kommend, genießt die ausgebildete Berufsfotografin und zweifache Mutter inzwischen ihre Selbstständigkeit. Neben ihren Spezialgebieten, Produkt-, Food- und Werbefotografie, bietet sie auch professionelle Bildbearbeitung an.

 

 

Die Vorteile überwiegen. So mancher mag seine Routine. Doch für Feinde der Monotonie mag es sich schon manchmal auszahlen, ins kalte Wasser zu springen, wenn es Abwechslung und Kreativität sind, die auf der anderen Seite auf einen warten. Und so genießen inzwischen beide Schwestern die Früchte ihrer kreativen Jobs. „Es wird nie langweilig oder eintönig. Jeder Auftrag, jeder Kunde, jedes Projekt ist anders und es ist immer ein Nervenkitzel dabei“, so Kollegger. Weiter sagt Müller: „Meiner kreativen Ader freien Lauf zu lassen, entspannt mich, egal wie stressig ein Shootingtag auch sein mag.“

Kinder versus Arbeit? Die selbstständigere Zeiteinteilung mag natürlich die Freiheit geben, dem Familienleben ebenfalls etwas mehr Zeit zu widmen. „Es hat klar Vorteile, wenn man viel von zu Hause arbeiten kann, aber meine Kinder verstehen das nicht immer. Vieles bleibt dann auch mal liegen und wird erledigt, wenn die Kinder schlafen“, erzählt Kollegger. Für Fotografin Müller bedeutet ihr Leben in der Selbstständigkeit vor allem Flexibilität – vor allem in Bezug auf ihre Kinder: „Ich möchte für sie dann da sein können, wenn sie es brauchen.“ Inzwischen fällt das schlechte Gewissen um den Pflegeurlaub im Fall der Fälle weg. Ein Familien-Stundenplan sei allerdings ein hilfreiches Tool, um die Zeit zwischen Arbeit, Familie und Zeit für sich selbst gut aufteilen zu können – Time-Management ist eben alles. „Würden wir diese Zeit nicht fix einteilen, würden unsere eigenen Interessen im Berufs- und Familienalltag total untergehen“, so Müller. 

Arbeit soll sich lohnen. Als Mutter wieder ins Berufsleben einzusteigen, ist nicht leicht. Schon gar nicht in die Selbstständigkeit. Auf das eigene Bauchgefühl zu vertrauen, ist daher umso wichtiger – da sind sich die beiden Schwestern einig. Große Entscheidungen wie diese erfordern Mut. Doch: „Lieber etwas riskieren, als ewig zu bereuen, sich nicht getraut zu haben!“, spricht Müller entschlossen.  
Ein Tipp für berufstätige Mamas: Kinder sind in gewisser Hinsicht unsere Spiegel. In der Familie Kollegger wird daher darauf geachtet, den Kindern vorzuleben, dass Arbeit nicht bloß eine Pflicht ist, sondern Leidenschaft und Erfüllung sein kann. Doch auch die ruhigen Momente ohne Kinder und ohne Arbeit sollte man als selbstständige Mama genießen können – und das ohne schlechtes Gewissen. „Eine ausgewogene Work-Life-­Balance macht einen selbst nicht nur produktiver, sondern auch glücklicher und ausgeglichener“, schließt Müller ab.