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People | 06.05.2021

Reden ist Gold

Warum in Beziehungen Kommunikation so wichtig ist und wann es vielleicht besser ist, nicht mehr zu kommunizieren, erklärt die bekannte Grazer Scheidungsanwältin Maria Christina Kolar-Syrmas im Gespräch.

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Gerade in Ihrem Beruf erleben Sie oft, wozu zu wenig Kommunikation oder falsche Kommunikation führen kann.
Maria Christina Kolar-Syrmas: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es in den Beziehungen meiner KlientInnen vor der Trennung meist null Kommunikation oder eine sehr aggressive Kommunikation gab. Eine kultivierte Kommunikation ist da eher die Ausnahme – manchen gelingt dies aber doch.

Ist oft ein Mangel an Kommunikation der Grund für Eheprobleme?
Das spielt da natürlich mit hinein. In einer Beziehung muss man sich dem Partner stellen, sich die Zeit für ihn nehmen und nicht erlauben, dass der Alltag sich vor die Beziehung drängt. 

Wie könnte man dieses Vordrängen des Alltags vermeiden?
Ganz einfach: etwas miteinander unternehmen. Das fördert auch die Kommunikation. Diese Paar-Zeit ist besonders wichtig, gerade wenn man Kinder hat. Da sprechen manche Paare ja über nichts anderes mehr als über die typischen Kinderthemen. Beruf, Kinder und Co. – natürlich ist man oft müde. Trotzdem sollte man sich diese Auszeiten nehmen, um miteinander zu kommunizieren, sonst kann man ja auch nicht verstehen, was den anderen bewegt.

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Maria Christina Kolar-Syrmas im Gespräch. © beigestellt

Gibt es auch Fälle, in denen KlientInnen mit dem Wunsch der Scheidung zu Ihnen kommen und Sie eine Paartherapie empfehlen?  
Gerade bei Erstberatungen kommt es immer wieder vor, dass ich eine Paar­therapie empfehle, vor allem wenn ich noch einen Funken Hoffnung für die Beziehung sehe. Ich bin die Letzte, die jemanden bestärkt, sich scheiden zu lassen. Aber auch Einzeltherapien zur Selbstreflexion können sehr spannend und hilfreich sein. Ich arbeite in diesen Fällen seit Jahren mit der Psychotherapeutin Barbara Bacher-Newole hervorragend zusammen.

Gibt es auch Situationen, in denen Sie raten, nicht mehr miteinander zu kommunizieren?
Es gibt Situationen, in denen – meist Mandantinnen – während einer Scheidung verstärkt unter Druck gesetzt und manipuliert werden, damit sie Vereinbarungen zustimmen, die im Endeffekt aber nachteilig für sie wären. In solchen Fällen rate ich, nicht mehr persönlich zu kommunizieren, sondern nur noch über die Anwälte. Zumindest nicht, was den Inhalt des beabsichtigten Scheidungsvergleichs angeht. Über Alltagssituation oder Themen, die die Kinder betreffen, kann und soll natürlich weiterhin gesprochen werden.

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