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People | 27.04.2021

Leben ohne Gewalt

Ein eigenständiges, wirtschaftlich unabhängiges Leben zu führen, hilft Frauen, aus der Gewaltspirale auszubrechen. Wie dies in der Steiermark gefördert wird, erklärt Soziallandesrätin Doris Kampus.

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Soziallandesrätin Doris Kampus. © Thomas Luef

Gut und schlecht zugleich. Die Gewaltschutz-Projekte in der Steiermark werden gebraucht wie nie. Gut, weil die Angebote von betroffenen Frauen angenommen werden. Schlecht, weil es leider überhaupt notwendig ist, solche Projekte zu betreiben und auch noch auszubauen.
Das Sozialressort des Landes Steiermark gibt jährlich rund 6,5 Millionen Euro für den Gewaltschutz aus. Hilfe, die ankommt und dem Leben vieler Frauen neue Perspektiven gibt.

STEIRERIN: Frau Landesrätin, das Thema Gewaltschutz an Frauen liegt Ihnen sehr am Herzen. Warum waren gerade die letzten Monate besonders herausfordernd?
Doris Kampus: Gerade in einer Zeit, wo sich so vieles aus der Öffentlichkeit in die jeweils „eigenen vier Wände“ verlagert hat, war die Herausforderung noch größer, aufzuzeigen, dass Gewalt eben NICHT Privatsache ist. Häusliche Gewalt geht uns alle an – die gesamte Gesellschaft. Deswegen waren auch die Bemühungen so groß, öffentlichkeitswirksame Kampagnen zu erstellen, um einerseits Opfer von häuslicher Gewalt noch besser zu erreichen und andererseits die Öffentlichkeit auf die Thematik zu sensibilisieren.

Eine dieser Kampagnen war die Kooperation mit Spar Steiermark, bei der im Vorjahr unter anderem auf Tausenden Kassabons die Nummer des Gewaltschutzzentrums aufgedruckt wurde. Wie wurde die Aktion angenommen?
Sehr gut. Es war ein sehr niederschwelliger Zugang, um von Gewalt betroffene Frauen zu informieren, wohin sie sich um Rat und Hilfe wenden können.

Wird es eine Fortsetzung der Aktion geben?
Bestimmt. Wir setzen die Aktion mit Spar Steiermark mittlerweile auch bereits in anderen Bereichen, unter anderem gemeinsam mit der Ärztekammer, um. Zusätzlich wollen wir damit stark in die steirischen Regionen gehen.

Die Regionalisierung der Angebote ist einer der Schwerpunkte. Wieso ist das so wichtig für betroffene Frauen?
Einerseits soll jede Frau, egal wo sie wohnt, sofort wissen, wohin sie sich um Hilfe und Unterstützung wenden kann. Andererseits braucht es regional die Möglichkeit, im Notfall eine Unterkunft zu haben – daher auch unser Fokus auf Krisenwohnungen in allen Regionen. So haben Frauen und Kinder die Chance, Hilfe und Unterkunft zu erhalten, ohne in dieser ohnehin schwierigen und aufwühlenden Zeit auch noch einen örtlichen Wechsel vollziehen zu müssen. Das ist besonders für Kinder, die in Kindergarten und Schule gehen, essenziell.

Um aus der Gewaltspirale auszubrechen, plädieren Sie für die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen.
Einer der Hauptgründe, warum Frauen immer wieder in das gewalttätige Umfeld zurückkehren, ist ihre wirtschaftliche und soziale Abhängigkeit vom Mann. Dies gilt es zu durchbrechen. Genau hier setzt das Projekt „Perspektive.Arbeit“ gemeinsam mit dem Gewaltschutzzentrum an.

Welche Schritte werden dabei gesetzt?
Das Projekt bringt genau das zum Ausdruck: wirtschaftlich unabhängig sein. Zu Beginn geht es um Stabilisation. Wohnen, die persönliche Sicherheit und der gesundheitliche Faktor werden gecheckt. Im zweiten Schritt wird mit den Frauen an den Bildungsabschlüssen und Qualifizierungen gearbeitet. Schritt 3 betrifft die Jobsuche und den Weg Richtung wirklicher Unabhängigkeit. Der ganze Prozess findet unter ständiger Begleitung von Experten, unter anderem vom Arbeitsmarktservice Steiermark, statt.

Was wäre Ihr Wunsch für die Zukunft?
Am besten wäre es natürlich, wir würden all diese Kampagnen gar nicht mehr brauchen, weil wir häusliche Gewalt beseitigen konnten. Aber Gewaltschutz wird leider auch in Zukunft notwendig sein. Dennoch bin ich zuversichtlich, dass unsere Initiativen wirken und sich die Situation bessern wird. Mein Appell lautet: Helfen wir allen, die Hilfe brauchen. Sorgen wir gemeinsam für eine möglichst gewaltfreie Steiermark.

Projekt „Perspektive:Arbeit“

Ziel des Projekts ist es, gewaltbetroffene Frauen persönlich und wirtschaftlich dahingehend zu stärken, dass sie erfolgreich in eine existenzsichernde Beschäftigung vermittelt werden können und diese auch halten. Marina Sorgo, GF des Gewaltschutzzentrums Steiermark, dazu: „Gemeinsam mit dem Frauenhaus und dem AMS ermöglichen wir Frauen den Weg in die Unabhängigkeit – und das ohne Druck. Die Erleichterung der teilnehmenden Frauen darüber, in Ruhe ihr Leben neu orientieren zu können, ist deutlich spürbar.“

Tel.: 0316/922 690
[email protected]
www.gewaltschutzzentrum-steiermark.at