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People | 23.02.2021

Frauen helfen Frauen

Mathilde Unterrieder, STEIRERIN-AWARDS-Gewinnerin in der Kategorie „Die Helferin“ und VinziHelp-Obfrau, über ihren unermüdlichen Einsatz für Frauen in Not.

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© Thomas Luef

Wenn man sieht, dass es geht wieder aufwärts geht – das empfindet Mathilde Unterrieder als das Schönste ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit. Doch bevor es bergauf geht, stehen die Frauen, denen zu helfen die Grazerin sich zur Herzensaufgabe gemacht hat, meist an einem Tiefpunkt in ihrem Leben, von dem sie ohne Hilfe nicht mehr wegkommen. Diese Hilfe leistet Mathilde Unterrieder. Seit 2004 leitet sie ehrenamtlich VinziHelp, eine Anlaufstelle, deren Ziel es ist, Frauen in Not zu unterstützen. Im Zeichen von „Frauen helfen Frauen“ engagieren sich dabei die ehrenamtlichen Mitglieder unter der Obfrauenschaft von Unterrieder und kämpfen gegen weibliche Armut.

 

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Menschen, die Hilfe brauchen, auf Augenhöhe zu begegnen, ist das Ziel von VinziHelp-Leiterin Mathilde Unterrieder. © Thomas Luef

Hilferuf. „Kein Schwein hilft mir.“ Mit diesem verzweifelten Hilferuf einer Frau, der eines Tages durch den Pfarrsaal von St. Vinzenz hallte, begann alles. Ein Ruf, den Pfarrer Wolfgang Pucher, Gründer der Vinzenzgemeinschaft Eggenberg und der 40 VinziWerke, nicht überhören konnte. Unterrieder weiß: „Frauenobdachlosigkeit ist selten sichtbar. Im Gegensatz zu Männern wird man im öffentlichen Raum kaum Frauen sehen, die auf Parkbänken schlafen. Sie schlupfen in Notsituationen eher bei Freundinnen unter, bleiben in Zweckbeziehungen, wo sie sexuell ausgenutzt werden, oder halten es doch noch etwas länger zu Hause in meist unerträglichen Situationen aus.“ Aber der Bedarf an Unterstützung war da. Und so wurde gehandelt.
Unterrieder, damals schon als Sekretärin für Pfarrer Pucher tätig, war von Anfang an in die Entwicklungen eingebunden. Als sie dann gefragt wurde, ob sie die Leitung der neu gegründeten Frauengruppe „VinziHelp“ übernehmen möchte, gab es für die zweifache Mutter nur eine Antwort: Ja!
Nach dem Startschuss 2004 wurde engagiert gearbeitet. Schon 2005 wurde mit der Frauennotschlafstelle, dem „Haus Rosalie“ in der Babenbergerstraße, ein Haus gefunden, das bis heute Frauen eine sichere Anlaufstelle bietet. 2007 folgte die Wohnbetreuung im kleinen Rahmen, 2010 die Eröffnung von VinziLife in Unterpremstätten und 2014 die Übersiedlung mit dieser Einrichtung nach Graz.

 

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© Thomas Luef

Situation nicht verschlimmert. 2020 war für alle ein spannendes Jahr. Aufgrund von Covid-19 verloren viele ihre Jobs oder mussten finanzielle Einbußen akzeptieren. Eine Entwicklung, die sich auch bei VinziHelp bemerkbar macht? „Die Vinzenzgemeinschaft ist grundsätzlich dort tätig, wo das Leben schon sehr schwierig ist. Das hat sich durch Corona jetzt nicht verändert – noch nicht.“ Corona ist aktuell eher eine Begleiterscheinung, die die Umstände zu helfen erschwert. „Es wird natürlich komplizierter, Arbeit zu finden. Auch die Behördengänge, für die man nun vorab einen Termin ausmachen muss, stellen viele vor Hürden. Einige haben gar nicht die Möglichkeit dazu.“
Das Jahr 2020 hat für die engagierte Frau aber auch schöne Momente. So konnte sie sich im September über die Auszeichnung „Die Helferin“ im Rahmen der großen STEIRERIN-AWARDS--Gala freuen – eine Auszeichnung, die ihr langjähriges Engagement noch einmal bestätigt. „Mit meiner Aufgabe bei VinziHelp habe ich das gefunden, was mich nachhaltig prägt und erfüllt.“

Wunsch frei? Wenn die Steirerin einen Wunsch frei hätte, welcher wäre das? Vielleicht, dass ihr Einsatz nicht mehr notwendig wäre. „Nein, zu glauben, dass es Frauenarmut eines Tages nicht mehr geben wird, ist illusorisch. Man kann ein soziales Netz noch so engmaschig knüpfen – und wir haben ein gut geknüpftes soziales Netz in der Steiermark –, es wird immer Menschen geben, die da durchfallen. Ich würde mir einfach wünschen, dass wir auch in Zukunft gut helfen können.“

 

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Spendenkonto

Vinzenzgemeinschaft
Soeur Rosalie – VinziHelp
AT76 2081 5022 0060 0811