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People | 16.02.2021

Yes, we plan

Die österreichischen Ziviltechnikerinnen und ihre Arbeiten vor den Vorhang zu holen, ist das Ziel der Grazer Architektin Bettina Dreier. Wie das gelingen soll, erklärt sie im Interview.

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© Marija Kanizaj

STEIRERIN: Als ehrenamtliche Funktionärin der Kammer der ZiviltechnikerInnen vertreten Sie selbstständige ArchitektInnen sowie ZivilingenieurInnen. Warum ist Female Empowerment gerade in diesem Bereich so wichtig?
Leider müssen wir noch immer plakativ zeigen, was Frauen auch im technischen Bereich alles leisten können, um so etwa junge Uniabsolventinnen für den Schritt in die Selbstständigkeit zu motivieren. In der Mitgliederliste der Kammer spiegelt sich das Missverhältnis zwischen den Geschlechtern extrem wider. Der Frauenanteil der knapp 7.700 Mitglieder liegt bei gerade einmal 13 Prozent – und dies, obwohl die Zahl der Absolventinnen von technischen Studien in den vergangenen Jahren in Österreich deutlich gestiegen ist. Das sollte so nicht weitergehen.

Was ist der Gedanke hinter der Wanderausstellung „Yes, we plan!“?
Wir holen im Rahmen dieser digitalen Ausstellung Ziviltechnikerinnen und ihre Leistungen mittels einer Diashow vor den Vorhang. Unsere Wanderausstellung macht überall dort Station, wo man uns lässt. Das war natürlich gerade heuer nicht immer einfach, aber wir wussten uns zu helfen. In Graz durften wir etwa die Auslage der früheren Stefanel-Filiale nutzen, nachdem diese ausgezogen war. In Klagenfurt ist die Ausstellung derzeit im zt:haus in der Bahnhofstraße zu sehen. 

Wie können Hürden abgebaut werden?
Gemeinsam mit den anderen Funktionärinnen wollen wir den Frauenanteil in der Kammer erhöhen und ihnen den Schritt in die Selbstständigkeit erleichtern. Das Thema Kinderbetreuung spielt in die Tatsache, dass so wenige Frauen Planungsbüros gründen, wie in fast jeder anderen Branche hinein. Fehlende weibliche Vorbilder sind ebenso ein Thema wie zu wenig Vernetzung und stereotype Aufgabenverteilung zwischen Männern und Frauen.

Vernetzung ist ein wichtiger Bestandteil Ihrer Arbeit – wie begegnet man sich in Zeiten von Covid-19?
Natürlich soweit es geht digital. Wir setzen verstärkt auf neue Wege der Kommunikation und versuchen, unsere Mitglieder und NetzwerkpartnerInnen zeitnah mit wichtigen Informationen zu versorgen.

Haben Sie selbst als Frau viele Hürden in Ihrer beruflichen Laufbahn überwinden müssen?
In einem männlich dominierten Berufsfeld passiert es einem als Frau immer wieder, dass man mit Vorurteilen konfrontiert wird – manchmal direkt, manchmal versteckt in subtilen Randbemerkungen. Und dann gibt es Dinge, die ein Mann einer Frau naturgemäß nicht abnehmen kann – wie das Kinderkriegen oder Stillen. Aber mein Mann und ich mussten damals auch darum kämpfen, dass eine geringere Arbeitszeit seinerseits akzeptiert wurde und wir uns so die Kinderbetreuung besser einteilen konnten.

Welchen Tipp würden Sie jungen interessierten Frauen mitgeben?
Mut zu haben und sich nicht aufhalten zu lassen. Ein ZiviltechnikerInnenberuf kann ein sehr schöner und erfüllender sein. Und wir konnten schon einige der Hürden beim Eintritt in die Branche abbauen. Die Eintragungsgebühr ist gesenkt oder in einigen Bundesländern sogar abgeschafft worden, zudem können Ziviltechnikerinnen, die Mütter geworden sind, sich von der Kammerumlage befreien lassen.