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People | 25.01.2021

Im Paradeiser-Paradies

Jung, wild und vor allem bio. Unsere STEIRERIN AWARDS-Gewinnerin Irene Gombotz im Gespräch über die Schönheit der Regionalität.

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© Thomas Luef

Seit nun ungefähr drei Jahren verzaubern die 16 sogenannten „jungen wilden Gemüsebauern“ (djwg.at) Menschen mit den Geschmäcken ihrer Ernte. Und das darf nicht wundern. Denn was sich an einem ihrer Haupt-Höfe verbirgt, ist ein wahres Paradies für saisonales Obst und (gewisses) Fruchtgemüse. Obfrau des „djwg“-Vereins und STEIRERIN AWARDS-Lokalheldin Irene Gombotz erklärte uns bei einem Besuch, wie es zu all dem kam – vom anfänglichen Samen bis hin zur erfolgreich wachsenden Pflanze.

STEIRERIN: Wie haben sich die jungen wilden Gemüsebauern gefunden?
Wir kennen uns durch die gemeinsame Ausbildung. Wir hatten sowohl den Facharbeiter als auch den Meister in Feldgemüsebau zusammen absolviert – die meisten von uns. Da wir uns so gut verstanden, dachten wir uns: Machen wir mehr daraus. Zeigen wir den Menschen einfach, dass es auch kleinere bäuerliche Betriebe gibt. Und das auch mit jungen Nachfolgern, die den Betrieb entweder schon übernommen haben oder noch übernehmen werden. Und geben wir den Produkten dazu eben auch ein Gesicht, damit man sieht, wer produziert und wer eigentlich dahintersteht.

Was bauen Sie alles auf Ihrem Hof an? Wie sieht die Herbst- und Winterzeit aus?
Hauptsächlich baue ich Bio-Beeren an und weniger Gemüse. Insgesamt haben sich 6 von uns dem Anbau von Bio-Beeren verschrieben, die zusammen die Bauerngemeinschaft „das Beerengut“ bilden. Hochsaison und somit absolute Urlaubssperre sind die Sommermonate Juli und August. Momentan starten wir schon mit den Vorbereitungen für die kommende Saison. Ergo: Pflanzenbestellungen, Dünger-Einkauf etc. Und dann gehen wir unser System durch: Strukturieren wir etwas um? Verabschieden wir uns von einem Produkt und probieren wir etwas Neues? Was die Himbeeren betrifft, befinden wir uns momentan noch in der Ernte. Bei den Paradeisern auch – das läuft alles sozusagen noch bis zum Frost. Generell ist der Großteil von uns auf Fruchtgemüse spezialisiert: Paprika, Melanzani, Gurken, Paradeiser. Die Hauptsaison geht vom späten Frühjahr bis jetzt in den Herbst. Aber natürlich bauen ein paar von uns auch Wintergemüse an. Das heißt: Kraut, Sellerie, Karotten.

 

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© Thomas Luef

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© Thomas Luef

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© Thomas Luef

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© Thomas Luef

Woher die große Begeisterung für Bio-Beeren?
Ein paar Kollegen von mir hatten bereits mit dem Anbau von Bio-Heidelbeeren begonnen und suchten nach Sortimentserweiterung. Und da bin ich dann eingestiegen. Mir gefiel der Gedanke „Bio“ so gut. Ich bin Quereinsteigerin – zuvor war ich auf einem Weingut. Da hatte ich bereits den Umstieg auf Bio-Entwicklung mitgemacht. Zunächst habe ich Ribiseln angesetzt – im Freiland mit Hagelnetz. In weiterer Folge wurden weniger Paradeiser im Folienhaus angebaut – da haben dann die Himbeeren Einzug gefunden. Weiter ging es mit der Kiwibeeren-Anlage vor ungefähr 4 bis 5 Jahren. Bis zum Ertrag dauert es bei Ribiseln ca. 2 bis 3 Jahre, bei den Kiwibeeren tatsächlich 5 bis 6 Jahre. Ein neues gemeinsames Projekt der jungen wilden Gemüsebauern ist übrigens der Bio-Ingwer.

Wie fühlen Sie sich als betitelte „Lokalheldin“?
Alleine die Nominierung hat mich enorm überrascht – ich war wirklich sehr erfreut. Ich sehe es als eine Art Zuspruch, dass das, was ich hier tue, auch das Richtige ist. Es war auch wirklich beeindruckend, was für und wie viele Frauen am Abend der Gala anwesend waren und was sie im Grunde alles leisten. Deswegen war es für mich eigentlich kein Thema, überhaupt zu gewinnen. Ich war auch in der letzten Kategorie und dachte mir mit der Zeit schon: Nein, sicher nicht. Begeistert hat mich vor allem der positive Zuspruch nach dem Gewinn. Es ist so toll für die Region, dass die Bauern und Landwirte auch mal in so einem Rahmen präsent sind – und mit etwas Positivem behaftet. Da kommt auch das Stichwort Regionalität ins Spiel. Zusammen mit einem starken Gefühl von Motivation, Bestärkung und Wertschätzung.

Ja, Regionalität ist wichtig. Aber was bedeutet sie genau für Sie?
Ich hatte schon als Matura-Thema das steirische Vulkanland. Das hat mich damals schon so fasziniert – was unsere Region da eigentlich hergibt, was alles möglich ist. Wir vermieten auch ein Kellerstöckel bei uns im Betrieb – in den Weinbergen. Deutsche Gäste kommen her und bewundern die Schätze dieser Region: von gutem Wein angefangen, über Kulinarik, die Thermen und die ganzen Wanderrouten bei uns im Hügelland. Daher hat es mich auch nicht hinaus in die weite Welt getrieben – trotz der Tourismusschule. Als mich meine Eltern fragten, ob ich nicht doch in den landwirtschaftlichen Betrieb einsteigen möchte, dachte ich mir: Ja. Das ist eigentlich schon was Feines.