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People | 15.01.2021

Alles ist Musik

Dalal Bruchmann ist eine Ausnahmekünstlerin. In der Steiermark geboren, ging sie 2011 in die USA und gleich ihr Debütwerk schaffte es in die Billboard Breakout Charts. Nun wurde sie für den Hollywood Music in Media Award nominiert.

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"Ich liebe die ständige Herausforderung, neu zu denken.", Dalal Bruchmann. © Charlie Steffens & Hamid Moslehi

Geboren wurde Dalal Bruchmann in einer Walpurgisnacht, die Nacht, die den kommenden Frühling feiert. „Ich bin auf dem Land aufgewachsen, in einer Familie, die Natur, Tiere und Kunst liebt. Meine Mutter ist Malerin und Wissenschaftlerin und meine größte Mentorin. Sie hat mir beigebracht, mir selbst zu vertrauen, schnelle Entscheidungen im Leben zu treffen, denn es ist egal, ob sie sich als falsch herausstellen, man kann sie genauso schnell ändern.“ Sie sagte auch, dass man am besten etwas über seine unmittelbare Welt lernt, wenn man sie hinter sich lässt und sie aus einem anderen Blickwinkel betrachtet – „und genau das habe ich getan. Ich packte meine Geige und zog 2011 in den Big Apple.“

Karrierestart in den USA. Während ihr Debütwerk „Taste The Night“ es dort in die Billboard Breakout Charts schaffte, machte sie ihren Bachelor of Arts in Animation, VFX und Film. Nach einer schlimmen Kohlenmonoxid-Vergiftung durch einen defekten Heizkessel zog sie nach Los Angeles und kehrte, wie sie sagt, zu ihren Wurzeln zurück und begann, klassische Musik zu komponieren. Mit dem Plattenproduzenten Nate „Impact“ Jolley gründete sie „Dalal and the Impact Band“. 2017 entstand ihr erstes klassisches Debüt „The Quiet He art“ (The Orchard) und sie begann, Filmmusik zu schreiben. Als Solokünstlerin veröffentlichte sie zwei Alben und sechs Singles, 2018 und 2019 mit Klavierkompositionen des Komponisten Ludovico Einaudi für Warner Classics. Romantische Klavierstücke haben für Dalal eine besondere Bedeutung, war ihr Vorfahr Franz von Bruchmann doch Freund und Förderer von Franz Schubert, der einige Gedichte aus seiner Feder vertonte.

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Gemeinsam mit Singer und Songwriter Maesa Pullman komponierte Dalal Bruchmann die Filmmusik für das Psychodrama „Indigo Valley“. © Charlie Steffens & Hamid Moslehi

Liebe zu Herausforderungen. Der Komponistin und Sängerin ist es wichtig, immer wieder Neues zu machen. „Ich liebe die Abwechslung und die ständige Herausforderung, neu zu denken. Bei ‚Beyond Moving‘ zum Beispiel durfte ich in die afrikanische Welt der Musik eintauchen und hatte die Möglichkeit, die klassische Musik mit afrikanischen Ins­trumenten und Rhythmen zu untermalen. ‚Hurt By Paradise‘ war wunderbar, da ich mit meinem guten Freund Jeff Franzel den Solo-Piano-Soundtrack schrieb. Genial war auch ‚The Shot‘, da ich Geschichte liebe und sich eine besondere Freundschaft mit dem Regisseur und seiner Frau entwickelte. Die Musik dafür wurde auf Dolby Digital 7.1 Surround Sound für die Kinos gemischt und es war unglaublich, das dann so zu erleben. Und ‚Braided‘ war toll, da wir das Video auf Super 8 mit echtem Film drehten.“ Entspannen kann die erfolgreiche und vielseitige Künstlerin, die sich sehr für Astronomie interessiert und Geschichte liebt, beim Reiten und auch bei Gartenarbeit. Und manchmal bekommt sie auch ein paar Stunden Schlaf, wie sie schmunzelnd meint.

Durch die Filmemacherin Jaclyn Be­thany lernte Dalal die Künstlerin Maesa Pullman kennen. Gemeinsam schrieben sie den Soundtrack für Bethany’s Psychodrama ‚Indigo Valley‘ und arbeiten an der Filmmusik ihres zweiten Spielfilms ‚Highway One‘. „Maesa und ich verstehen uns extrem gut, kochen gerne gemeinsam und mittlerweile backen wir sogar unser eigenes Brot“, verrät Dalal.

Für die Vertonung von „Indigo Valley“ erhielten Dalal und Maesa eine Nominierung der Hollywood Music in Media Awards für die beste Originalmusik. „Wir kreieren nicht für den Award, aber es ist eine große Ehre und schöne Bestätigung. Und es ist immer toll, einen Grund für eine kleine Feier und ein Stückchen Torte zu haben“, ergänzt Dalal schmunzelnd.

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© Charlie Steffens & Hamid Moslehi

Lockdown und neue Projekte. Auch für sie war der plötzliche Lockdown ein schlimmer Einschnitt. „An diesem Tag hatten Maesa und ich die letzte Session für das Projekt ‚Under The Lantern Lit Sky‘ und hatten schon mit ‚Highway One‘ begonnen. Alle Sessions und Recordings fanden dann über Zoom statt und wir mussten vom Ensemble-Setup zum Solo-­Setup umsteigen. Ich persönlich finde, dass der Lockdown ein völliger Nonsens mit gravierenden nachhaltigen Veränderungen war.“ Jetzt arbeiten sie weiter an „Highway One“, einem  Film mit 35 original kreierten Songs und Stücken. „Danach beginnen wir unsere Arbeit für den Film ‚Before The World Set On Fire‘. Mit meinem Produzenten Nate Jolley arbeite ich an einem Jazz-R&B-Pop-Album mit dem Titel ‚Synthesis‘ und auch an einer EP im Genre Electronic Dance.“ 

Jeder Kunst ihre Freiheit. Ihre steirische Heimat wird Dalal wohl noch länger nicht besuchen können, obwohl sie ihre Großeltern sehr vermisst. Die weltweite Situation ist für sie sehr beunruhigend. „Wenn der Irrtum zur eigenen Falle wird, hat das drastische Auswirkungen für die Menschheit und die Natur. Unsere soziale Währung hat einen schweren Schlag erlitten, und in vielerlei Hinsicht ist die Demokratie zu einem Luxus geworden. Aber ich denke, dass immer lauter werdende kritische Stimmen systematische Veränderungen fordern, und ich freue mich auf einen Wandel in unserer individuellen, wie auch dann als Resultat davon kollektiven Denkweise. Die Welt und die Kunst werden voranschreiten, aber es liegt an uns allen, wie dies geschehen wird. Ich stehe fest in meinem Glauben an eine Zukunft mit weniger politischem Einfluss, mehr Selbstverantwortung und Ethik. In Österreich hatten wir in den 1900er-Jahren eine Bewegung namens Sezessionistische Kunstbewegung, die ich sehr schätze. Ihr Motto klingt heute wahrhaftiger als je zuvor: ‚Jeder Zeit ihre Kunst, jeder Kunst ihre Freiheit‘.“

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Auch in der Ferne mit der Heimat verbunden: Dalal Bruchmann in einem Outfit von Mothwurf. © Charlie Steffens & Hamid Moslehi

Zur Person

Geburtsdatum: 30. April

Geboren in: Bad Waltersdorf

Wichtige Ereignisse: 2011 nach New York, lebt seit Ende 2013 in Los Angeles

Größte Erfolge: Austrian Actor’s Award, 2014 und 2019 Nominierungen für den Hollywood Music in Media Award

Instagram: www.instagram.com/dalalmusic

www.dalal-music.com