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People | 06.01.2021

Steiermark. Stärken. Bündeln

Was haben ein Ski-Ass, ein Tophotel, Kürbiskernöl, eine Tourismusexpertin und ein Trendgetränk gemeinsam? Genau – sie alle stehen für eine starke Steiermark und Solidarität in schwierigen Zeiten. Ein Talk über Zusammenhalt und Innovation.

Fotos: © Sabine Hoffmann, Dsire TeaDrink, GEPA pictures, Stefan Kristoferitsch, Shutterstock, beigestellt

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Die letzten Monate stellten viele vor große Herausforderungen. Man musste sich auf ständig ändernde Umstände einstellen, sich neu erfinden und mit innovativen Ideen der Krise trotzen. Im Vorteil waren dabei sicherlich jene, die auf Zusammenhalt und regionale Stärken setzten. Gemeinsam mit Experten aus den Bereichen Wirtschaft, Tourismus, Sport und Kulinarik wirft die STEIRERIN einen Blick zurück auf die Erfahrungen der letzten Monate und gibt einen Ausblick, wie man durch diese die Zukunft positiv gestalten kann. Im Gespräch: Hotelier Alfred Pierer, Ski-Ass Conny Hütter, Tourismus-Marketingexpertin Andrea Sajben, Dsire-TeaDrink-Gründer Bernhard Scheikl und Reinhold Zötsch, Geschäftsführer Gemeinschaft Steirisches Kürbiskernöl g.g.A.

Herr Pierer, Sie mussten heuer auf Beschluss der Regierung bereits zum zweiten Mal Ihr Hotel auf der Teichalm schließen. Wie erleben Sie die aktuelle Situation?
Alfred Pierer: Jeder Lockdown ist natürlich mit einem großen Aufwand und Ungewissheit für unsere Gäste und uns verbunden. Wir lassen uns aber nicht entmutigen, sondern versuchen, die Zeit bestens zu nutzen.

Inwiefern?
Alfred Pierer: Wir haben den ersten Lockdown für Renovierungsarbeiten genutzt, um dann im Sommer unseren Gästen noch mehr Qualität, noch mehr Regionalität und noch mehr Wohlfühlfaktor bieten zu können. Und auch jetzt im zweiten Lockdown arbeiten wir stetig an neuen Ideen und kreativen Konzepten für die kommende Wintersaison. Außerdem verwenden wir die nun zur Verfügung stehende Zeit, um unsere regionalen Kooperationen zu stärken.
Andrea Sajben: Der Stellenwert von Regionalität sowie Zusammenhalt ist durch die letzten Monate sicherlich enorm gepusht worden. Es wurde zur Ehrensache, die Region zu stärken und regionalen Produktionen zum Umsatz zu verhelfen.

Wird die kommende Wintersaison so sein, wie wir es bisher kannten?
Andrea Sajben: Sanfter Wintertourismus wird sicher sehr stark gefragt sein, kleinere Skigebiete werden profitieren. Tourismus-Unternehmen haben jetzt die Chance, sich mit kreativen Ideen neu zu positionieren – eine Chance, die jeder nutzen sollte, denn ich bin mir sicher, dass Konsumenten jetzt noch bewusster auf regionale Qualität achten werden.

Das Jahr war für Sie, Frau Hütter, zwar weniger coronabedingt schwierig, aber Sie mussten aufgrund einer Knieverletzung die Saison vorzeitig beenden. Wie starten Sie nun in die neue Saison?
Conny Hütter: Optimistisch. Ich habe viel trainiert und hoffe, dort anknüpfen zu können, wo ich aufgehört habe. Die Motivation, es mir und auch den anderen zu beweisen, ist auf jeden Fall groß. Vor allem, weil ich auch weiß, dass ich es kann.

Interview-Partner
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M.A.S. Marketing-Consulting-Geschäftsführerin Andrea Sajben

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Ski-Rennläuferin Conny Hütter

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Hotelier Alfred Pierer

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Reinhold Zötsch, Geschäftsführer Gemeinschaft Steirisches Kürbiskernöl g.g.A.

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Dsire-TeaDrink-Gründer Bernhard Scheikl

Was hat Ihnen die Kraft gegeben, sich durch diese sportliche Krise zu kämpfen?
Conny Hütter: Diesen totalen Rückhalt meines Umfeldes zu erleben, der mir auch in schwierigen Zeiten den Rücken gestärkt hat, war wirklich schön. Da spreche ich von Familie, aber auch von meinen Sponsorpartnern wie dem Hotel Pierer, Gemeinschaft Steirisches Kürbiskernöl g.g.A. oder Dsire TeaDrink, die mich trotz der Umstände immer unterstützt haben.
Alfred Pierer: In schwierigen Zeiten zusammenzuhalten, um sich dann bei Erfolgen gemeinsam freuen zu können – darin liegt die Kunst.

Eine Verbindung, die bei Ihnen beiden ja bereits weit zurückgeht.
Alfred Pierer: Ja, Conny hat bei uns auf der Teichalm Ski fahren gelernt.
Conny Hütter: Und in den Sommerferien bin ich immer mit den Pferden hinaufgeritten. Ein wunderbares Fleckerl Erde, das ich heute noch immer wieder gerne besuche.

Aber auch mit dem steirischen Kürbiskernöl verbindet Sie eine große Leidenschaft.
Conny Hütter: Salat ohne Kürbiskernöl geht einfach nicht für mich – das ist schon seit meiner Kindheit so. Durch die Kooperation mit der Gemeinschaft Steirisches Kürbiskernöl g.g.A. habe ich erst entdeckt, wie vielseitig steirisches Kürbiskernöl eigentlich einsetzbar ist.
Reinhold Zötsch: Ja, von Wraps bis Muffins sind da der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Wir merken auch ganz stark, dass unser Kernöl auch in der internationalen Haubenküche immer gefragter wird. Das stärkt wiede­rum unsere Regionen. Alleine bei der Anbaufläche haben wir heuer eine Steigerung von rund 40 Prozent verzeichnet.
Bernhard Scheikl: Diese Stärkung der Region, der Zusammenhalt und die Loyalität – dass wir uns das beibehalten, wäre ein wichtiger Schritt für die Zukunft.

Herr Zötsch, für den Tourismus waren die letzten Monate bekanntlich schwierig. Wie ging es den Kürbiskern-­Landwirten?
Reinhold Zötsch: Der Verkauf ging prinzipiell normal weiter und auch wir als Gemeinschaft Steirisches Kürbiskernöl g.g.A. konnten unsere Dienstleistungen fortführen. Deutlich wurde aber, dass sich der Ab-Hof-Verkauf und die Direktvermarkter – die schon vor der Krise gefragt waren – während der letzten Monate noch stärker positioniert haben.

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Stichwort „Zusammenhalt“ – welchen Stellenwert hat er bei den Landwirten?
Reinhold Zötsch: Einen großen. Und das war auch heuer deutlich spürbar. Aufgrund von Unwetterkapriolen wurden einige Ölkürbisfelder zerstört. Aber die Landwirte standen zusammen und halfen sich gegenseitig aus.

Ein Zusammenhalt, der auch im Bereich des Getränkemarktes zu spüren war?
Bernhard Scheikl: Absolut. Gut funktionierende Kooperationen und regionale Partnerschaften sind sicherlich ein wichtiges Standbein für jeden Unternehmer. Rein wirtschaftlich haben wir die Krise durch die Schließung der Gastronomie schon zu spüren bekommen. Aufgrund unserer beständigen Kunden, die unsere regionale und familiäre Arbeitsweise sehr schätzen, kommen wir bisher aber sehr gut durch die Krise.

Mit Ihrem Unternehmen Dsire TeaDrink, das Sie 2013 gegründet haben, setzen Sie stark auf eine steirische Verwurzelung. Welche Vorteile sehen Sie darin?
Bernhard Scheikl: Uns war es wichtig, die Wertschöpfung hier in der Region zu behalten, daher haben wir uns bewusst dazu entschlossen, den Sitz der Firmenzen­trale in der Steiermark zu belassen. Wir merken einfach, wie fruchtbar die starken, regionalen Partnerschaften sind und was für tolle Ideen daraus entstehen können. Wie zum Beispiel auch unsere Kooperation mit Conny Hütter, die durch einen Gedankenaustausch mit Antonius Gabalier, meinem Partner bei unserem „Gin-Toni“-Projekt, entstand.

Welchen Tipp würden Sie als Consulterin Unternehmen mit auf den Weg geben?
Andrea Sajben: Man sollte versuchen, die Zeit als Chance zu sehen. Mit Tiefgang vorhandene Strukturen und Prozesse hinterfragen, Schritte Richtung Zukunft setzen und nicht auf Dankbarkeit vergessen. Denn die aktuelle Zeit zeigt uns wieder einmal, wie wichtig Familie und Gesundheit sind.