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People | 29.12.2020

Große Liebe zur Großfamilie

Familie erweist sich für viele als ein schwieriges Thema in fast jeder Hinsicht. Nicht so bei Großfamilien- und Pflegevater Gottfried Hofmann-Wellenhof. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, was eine Familie ausmacht.

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© Gottfried Hofmann-Wellenhof

In seiner wöchentlichen Kolumne in der Kleinen Zeitung, „Notizen eines Vaters“, liest man des Öfteren über seine Beziehung zur Familie – seiner im heutigen Sinne vielleicht gar schon als unkonventionell geltenden Familie. Ein Status, den sie aus vielen Gründen haben könnte. Doch fragt man Gottfried Hofmann-Wellenhof nach ihnen, so ergibt sich der Eindruck, als wäre jeder Einzelne davon, damals wie jetzt, ein geradezu selbstverständlicher Akt der Liebe. Dies inkludiert natürlich seine acht leiblichen Wunschkinder, seinen Pflegesohn, seine drei Enkelkinder und seine liebevolle Frau und Partnerin.

Erhoffte und unverhoffte Geschenke. Wenn auch nicht sein erstes Kind, so markiert Hofmann-Wellenhofs Pflegesohn doch einen entscheidenden Punkt in seinem Leben. Der Einblick in sein Leben als Großfamilienvater sollte also hier beginnen: „Einer unserer Söhne hat Don(atien) damals beim Fußballspielen kennengelernt – Don war ein Riesen-Fußballer – und hat ihn sonntags mit zu uns genommen. Er (Don) kam mit 14 Jahren als unbegleiteter Flüchtling von Kamerun nach Österreich.“ Wie der Vater auf die Notwendigkeit einer familiären Unterkunft des damals 14-Jährigen reagierte? Ganz einfach: „Ich dachte mir: Wir haben doch ein Bett frei. Da kann er doch auch bei uns bleiben, nicht?“

10 Jahre Wartezeit. Erst dann war es der Familie aus legaler Sicht möglich, Don offiziell zu adoptieren, war er doch inzwischen sonst auch bereits ganz klar ein festes Familienmitglied. Zuvor musste 9 Jahre auf einen Asylbescheid gewartet werden. „Mein Adoptiv­sohn war er allerdings nicht lange“, erzählt Hofmann-Wellenhof. Denn während besagter Wartezeit nahm die Geschichte eine unerwartete und dennoch erfreuliche Wendung: Adoptivkind Don und die älteste Tochter der Familie verliebten sich ineinander. Inzwischen sind die beiden verlobt – der Grund, aus dem die Adoption aufgelöst werden musste – und haben gemeinsam eine zweijährige Tochter. „Er kam zu uns, als wir biologisch nicht mehr wirklich hätten Kinder zeugen können. Ich könnte mit dem jetzigen Stand der Dinge nicht glücklicher sein. Nun ist er eben nicht mehr mein Adoptivsohn, sondern mein Schwiegersohn in spe.“

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© Gottfried Hofmann-Wellenhof

Familienarbeit ist harte Arbeit. Ein Fakt, dessen sich entweder viele nicht bewusst sind, oder einer, der dennoch zu wenig geschätzt wird, so Hofmann-Wellenhof. Die Entscheidung, eine Familie zu gründen, noch dazu eine so große Familie, darf nicht leichtfertig gefällt werden. Denn trifft man sie halbherzig und/oder unüberlegt, leiden im Endeffekt beide Enden darunter. Auch für die glückliche Großfamilie hatte dies einige Herausforderungen zu bedeuten. „Die gehören aber dazu und wir haben es immer gerne gemacht.“ Bei einer so hohen Kopfzahl können eine Tag und Nacht laufende Waschmaschine, ein kaum je enden wollender Haufen Geschirr und viel Zeit zu Hause mit den Kindern dazugezählt werden. Letzteres sei jedoch Mentalitätssache, so Hofmann-Wellenhof. Verfügt man über die Ressourcen, eine so große Familie gut über Wasser zu halten, sei viel Zeit zu Hause statt in der Arbeit im Grunde ein Geschenk. „Man muss sich schon entscheiden. Beides, Karriere und Familienleben, ist ein Job. Und letztendlich muss man die Zeit vermehrt in ein Ziel investieren. Schließlich geht es ja um die gemeinsam verbrachte Lebenszeit. Wollen Sie diese mit Ihren Kindern verbringen oder wollen Sie die Kinder in eine ganztägige Unterkunft stecken? Dann sind alle geschlaucht und am Abend spielen wir Familie. Die sogenannte 1-Stunden-Familie. Da entsteht weder Bindung, noch ist irgendjemand der Beteiligten wirklich zufrieden.“ Worte, die sich immerhin in dieser Familie bewähren konnten, denn keines der Kinder, die im Hause Hofmann-Wellenhof aufwuchsen, ging je in den Kindergarten. „Wir waren unser eigener kleiner Kindergarten. Für die Kinder waren das die schönsten und reichsten Jahre.“

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"Wir waren unser eigener kleiner Kindergarten." © Gottfried Hofmann-Wellenhof

Wenn man will, dann kann es sehr schön sein. „Heutzutage wird Familienarbeit nicht nur zu wenig wertgeschätzt, sie wird auch als etwas Negatives dargestellt. Das ist sie nicht.“ Es sei eine Arbeit, die sich lohnt, und eine Zeit, die es auszukosten gilt, so der Großfamilienvater. Es hat mit Geben und Nehmen zu tun – die gute Beziehung, die im Zuge der vergangenen Jahrzehnte zu seinen Kindern aufgebaut werden konnte, hat sich solide gehalten. Rituale, die zu jener Zeit entstanden sind, werden auch jetzt noch von allen Seiten gerne aufrechterhalten. „Als Sophie, unsere Jüngste, 3 Jahre alt war, hat meine Frau nach knapp 16 Jahren Karenz wieder begonnen, als Lehrerin zu arbeiten. Das hat sie danach auch noch 20 Jahre gemacht. Zeitlich hat das auch so gepasst. Wenn der Letzte zu Hause war, gab es immer einen gemeinsamen Mittagstisch, bei dem wir zusammen gegessen und uns ausgetauscht haben.“ Besagter, der Größe der Familie entsprechender Mittagstisch wird auch heute noch zu eben diesem Zweck genutzt, nur eben am Wochenende. „Obwohl sich das durch Corona logischerweise verändert hat. Nun teilen wir die Besuche eben auf.“

Der Ton, der gar nicht so unterschwellig über das Leben innerhalb einer Großfamilie schwärmt, hat sich ebenfalls gehalten – das gesamte Gespräch hindurch. Nicht ein Zweifel tut sich auf. Fragt man Hofmann-Wellenhof also nach seiner Zufriedenheit, ob er denn alles noch mal so machen würde, so hört man die Antwort bereits kommen, bevor auch nur ein weiteres Wort gesprochen wird: „Absolut. Ich wollte immer schon eine große Familie haben. Es hätten auch noch mehr sein können.“