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People | 25.11.2020

Die Freiheit kam nach dem Mut

Eine ausweglose Suche nach dem Ausweg? Im Gespräch mit der STEIRERIN hat Bianca Jantscher über die Wichtigkeit von Mut, Selbstverantwortung und Selbstvertrauen gesprochen.

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© Maria Ferro

Die Haut ist einer der wichtigsten Bausteine unseres Körpers. Doch was tun, wenn wir eines Tages eine Kriegserklärung unseres eigenen Körpers auf ihr ablesen können? Bianca Jantscher, die Frau hinter dem Blog „haut.gefluester“ und unsere STEIRERIN AWARDS-Trendsetterin des Jahres 2020, führt eben diesen Krieg seit Jahren. Und beharrt inzwischen darauf: „Man ist mehr als seine Haut.“ 

Die erste Kampfansage. Im Oktober 2018 fasste sie den Entschluss, die Anti-Baby-Pille nach einer 10-jährigen Einnahme abzusetzen. Als Folge kamen – wie es von vielen Frauen aufgrund hormoneller Veränderungen im Körper erwartet wird – starke Hautveränderungen zum Vorschein. Doch was sich bei vielen oft schnell wieder in den Griff bekommen lässt, entwickelte sich bei ihr zu einem ausgewachsenen Problem – im Grunde buchstäblich. Denn Bianca Jantschers Haut wies in einem Zeitraum von drei Monaten nicht etwa Entwicklungen ins Positive, sondern deutlich ins Negative auf. „Ich wollte das alles nicht so richtig wahrhaben.“
12 Wochen, 4 Behandlungen, 2 Ärzte. Im März 2019, nach einigen Versuchen der Selbstbehandlung mit diversen Hausmitteln, führte sie ihr Weg zum ersten Mal zu einem Dermatologen. „Weil ich einfach eingesehen habe, dass ich das alleine nicht hinbekomme. Ich hatte mehrere Unterlagerungen, mein komplettes Gesicht war verformt. Es waren im Grunde riesige Beulen.“ Bis Juli 2019 wurde dann versucht, diese mit Cortison-Tabletten und diversen Antibiotika zu behandeln, aber „es half nix“. Das Resultat schien ein wahrer Tiefpunkt in ihrer Hautlandschaft zu sein, mit noch stärkeren Schmerzen.

„Also setzte ich sie ab.“ Natürlich musste auch diese medikamentöse Behandlung, wie so viele, ausschleichend und langsam abgesetzt werden. Doch die Hoffnung auf Besserung blieb aus. „Das Schlimme war: Als ich mich gegen die Schulmedizin entschieden habe, stand ich alleine da.“ Ein tatsächlich nur sehr kurzer Hoffnungsschimmer schien auf, als sie von dem Akne-Wirkstoff schlechthin hörte: Ciscutan Isotretinoin. Warum so kurz? Weil die Liste der möglichen Nebenwirkungen mitunter Organversagen, Suizidgedanken und – im Falle einer Schwangerschaft – Fehlbildungen beinhaltete. Letzteres hätte eine Wiedereinnahme der Anti-Baby-Pille vorausgesetzt.
Der natürliche Weg – letztendlich schlug Bian-ca Jantscher dann einen Weg abseits ein. Nach dem Besuch einer Hautexpertin in Salzburg im Herbst 2019 wagte sie sich in die Bereiche der Akupunktur und der traditionell chinesischen Medizin. Und tatsächlich – bereits innerhalb des ersten Monats schien die Behandlung auf natürlichem Wege anzuschlagen, die Haut wurde etwas besser. „Ich habe meine Ernährung an die dreimal umgestellt.“ Zunächst orientierte sie sich an der traditionellen indischen Heilkunst „Ayurveda“. „Dann kam der Anthony-Williams-Selleriesaft, dann war ich vegan, dann probierte ich die TCM-Ernährung.“ Auf Empfehlung hin ließ sie schlussendlich Milchprodukte und Weizen weg, aß möglichst glutenfrei, mied den üblichen Haushaltszucker und begann damit, sich aufgrund von Kältesymptomen im Körper wärmer zu ernähren.

Viele Frauen nehmen die Pille, viele setzen sie danach wieder ab. Mitunter, weil sie sich im Zuge einer langjährigen Anwendung zum Problem entwickelt hat. „Im letzten Jahr der Einnahme hatte ich nicht mehr das Gefühl, ich selbst zu sein. Ich hatte starke Stimmungsschwankungen, fühlte mich wie in einer Blase gefangen.“ Verschrieben wurde sie ihr schon im Alter von 15 Jahren. „Ich hatte zwei, drei Wimmerl im Gesicht. Das hat meinem Frauenarzt wohl gereicht, um mir die damals stärkste Pille für die Haut zu verschreiben. Ich habe nicht darum gebeten. Und das passierte ohne Bluttest.“

Der lange Weg hat sich gelohnt. „Das Versteckspiel hat mich belastet. Ich kann nicht auf Pause drücken und mein Leben anhalten.“ Im April 2019 entstand daher erstmals ihr Instagram-Account. „Für mich ist es wie eine Art Tagebuch, das ich nebenberuflich führe. Aber ich habe das Gefühl, anderen jungen Frauen Mut zu geben. Dass ich dafür den STEIRERIN-Award als Trendsetterin gewonnen habe, kann ich ehrlich gesagt noch immer nicht ganz glauben. Es hat sich gelohnt, mutig zu sein und das alles öffentlich zu machen.“ Auf die Frage, was sie eventuell betroffenen LeserInnen denn noch gerne mitgeben würde, sagt sie: „Dass man die Hoffnung nicht verlieren soll. Dass es wichtig ist, sich und dem eigenen Körper zu vertrauen und den Mut zu haben, gewisse Meinungen zu hinterfragen, Selbstverantwortung ein Stück weit zu übernehmen. Und: Man ist mehr als seine Haut.“