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People | 02.04.2020

Stimmen fürs Leben

Stimmige Erinnerungen made in Styria: Katharina Steiner nimmt Menschen auf, die ihre Lebensgeschichte erzählen. Zita Martus komponiert gemeinsam mit Robert Denk Namenslieder, die vor allem jungen Menschen Mut machen sollen.

Themen:
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© Beigestellt

„Soundhorn“

Zita Martus & Robert Denk

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Für die Ewigkeit: Zita Martus komponiert – gemeinsam mit Robert Denk – Namenslieder. © Mia's Photoart

Ein Geschenk, das ewig besteht – so beschreibt Zita Martus ihre personalisierten Namenslieder für Kinder. Die Musikerin bildet gemeinsam mit Robert Denk das musikalisch und pädagogisch ausgebildete Duo „Soundhorn“. Vor drei Jahren kommt der jungen Frau die Idee, Geburtslieder zu komponieren. Etwas, das es in Afrika bereits gibt: „Die Mutter schreibt für ihr Kind ein Geburtslied und bringt es dem ganzen Dorf bei. Bei jeder Zeremonie oder Krise wird das Lied dann gesungen.“ Zita kennt das aus ihrer eigenen Kindheit, denn ihr Bruder bekam ein solches Geburtslied geschenkt, und merkt: „Man ist gleich berührt, wenn der eigene Name darin vorkommt.“ Die beiden Musiker starten mit aufwendig produzierten Geburtsliedern und entscheiden bald darauf, dass sie die personalisierten Lieder jedem zugänglich machen wollen. Das Namenslied kann man ganz einfach über die Homepage von Soundhorn bestellen. Dort kann man sich das Lied aussuchen und natürlich den Namen hinzufügen. Damit der Name auch richtig ausgesprochen wird, kann man ihn direkt einsprechen. Der Name kommt im Lied dann zwischen zwei und zwölf Mal vor; die Musik kommt von klassischen Instrumenten und Instrumenten, die sich in der Musiktherapie positiv auf den Menschen auswirken. Nach einigen Tagen ist das Lied fertig und der Kunde bekommt einen Link, um das Lied Probe zu hören. Danach wird ein Holz-USB-Stick mit dem Namenslied zugeschickt. Zita Martus hätte sich selbst als Kind gewünscht, ein eigenes Lied zu haben: „Ich war ein Kind mit vielen Zweifeln und habe nicht an mich geglaubt. Ich habe mir gedacht, ich muss etwas machen, dass jedes Kind an sich glauben darf.“ Das „Mutlied“ war daher das erste Lied des Duos. Mittlerweile gibt es Lieder in neun Kategorien, wie Aufwach- oder Schlaflieder. Und wie kommen die Lieder bei den großen und kleinen Kunden an? „Wir bekommen durchwegs nur positive Rückmeldungen. Das ‚Schlaflied‘ wirkt zum Beispiel oft so, dass die Eltern dabei auch einschlafen, weil es so beruhigend wirkt“, sagt Zita Martus. Ein Erfolg für die Musiker, die sich genau überlegt haben, wie sie die Lieder aufbauen: Die Kombination aus Vokalen und Instrumenten sollen etwas bewirken und das Kind soll sich aufgehoben fühlen. Und noch vieles mehr: „Man fühlt sich durch das Namenslied wertgeschätzt und es baut eine Verbindung auf. Es kann ewig halten als Kraftspender und Anker, deshalb ist es ein gutes Geschenk.“

„2 Minuten, 2 Millionen“

Für die Zukunft haben sich die beiden Musiker jede Menge vorgenommen: Sie wollen das Repertoire auf 15 bis 20 Lieder ausweiten und irgendwann auch Namenslieder für Erwachsene komponieren. Aber auch personalisierte Lieder für den Muttertag, traurige Anlässe oder Hochzeiten stehen auf ihrem Plan. Einen ersten Schritt gingen die Musiker mit ihrer Teilnahme am TV-Format „2 Minuten, 2 Millionen“, wo sie ihre Idee vor einer Jury vorstellten. Geht es um die Namenslieder, hat Zita eines immer vor Augen: „Dass man auch als 80-jährige Frau im Schaukelstuhl sitzt und sich sein Namenslied anhört.“

www.soundhorn.at


"Herzensstimme“

Katharina Steiner

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Stimmig. Katharina Steiner zeichnet mit „Herzensstimme“ Lebensgeschichten auf. © Prontolux

Fotos bewahren Erinnerungen.

(Ton-)Aufnahmen machen sie lebendig. So ergeht es Katharina Steiner selbst, als sie durch Zufall auf alte Tonbandspuren mit Aufnahmen ihrer Großmutter stößt und nach 30 Jahren wieder ihre Stimme hört. Dieses Schlüsselerlebnis bewegt die Grazerin dazu, Lebensgeschichten von Erwachsenen und Kindern zu vertonen. Fast vier Jahre ist sie schwanger mit dieser Idee, ehe sie vor einem Jahr die „Herzensstimme“ gründet. Seither besucht sie Menschen von Alt bis Jung, um sie zu interviewen und aufzunehmen. Am Telefon bespricht sie im Vorfeld, über welches Thema erzählt werden möchte. Wenn Katharina Steiner dann mit ihren zwei Mikrofonen und ihrem Aufnahmegerät am Tisch sitzt, geht die Zeit des Erzählens auch schon los. Anfangs, sagt sie, ist die Hemmschwelle oft groß. Doch rasch öffnen sich die Menschen und beginnen zu erzählen. In ihren Aufnahmen geht es darum, das Herz sprechen zu lassen und nicht einfach einen Lebenslauf zu vertonen. So entstehen individuelle Tonaufnahmen: Eine ältere Frau etwa vertonte ihre Lebensgeschichte und formulierte einen Wunsch für jedes ihrer drei Kinder. Die Aufnahme gehört künftig zu ihrem Testament. Umgekehrt kommen aber auch Eltern mit ihren Kindern, um ihre Stimme festzuhalten, die sich bald wieder verändern wird.

Emotionale Momente.

Mit Kindern spricht die Steirerin über ihre Freunde oderdarüber, welches Buch sie gerade lesen. Die Gespräche mit Erwachsenen dauern doppelt so lange – und bewegen auch die Interviewerin: „Manchmal gehe ich zum Auto und mir laufen die Tränen über die Wangen. Die Menschen offenbaren sich mir und schenken mir ihr Vertrauen. Ich kann ein bisschen hinter die Kulissen blicken.“ Nicht selten hört Katharina Steiner nach den Aufnahmen ein „Dankeschön“ dafür, dass sie erzählen durften. Es fällt vielen leichter zu erzählen, als ihre Erinnerungen und Erlebnisse aufzuschreiben, sagt die Mutter von zwei Töchtern. Und: Es öffnet innere Türen und Tore. Dass sie die Menschen „nur“ aufnimmt und nicht filmt, war eine bewusste Entscheidung: „Ich mache nur Tondokumente, da ich denke, dass wir visuell in einer völlig überlagerten Welt leben. Es macht eine ganz andere Atmosphäre, wenn man sich nur auf das Gesprochene konzentriert.“ Wenn das Interview fertig aufgenommen ist, bearbeitet es Katharina Steiner digital und überreicht die Aufnahme dann mittels hölzernem USB-Stick. Die Geschichten, ist sich die Unternehmerin sicher, würden irgendwann vergessen werden: „Wir wissen nicht, wann wir gehen müssen. Diese Geschichten sind eine schöne Erinnerung, die wir der Nachwelt geben können.“

www.herzensstimme.net