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People | 14.03.2020

Geschichten ohne Worte

Die bekannte steirische Cellistin Sophie Abraham hebt Storytelling ohne Worte auf ein neues Niveau. Erleben kann man das bei der Ladies Gala von „Graz erzählt“ am 27. Mai.

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© Thomas Luef

Ein Abend, der vieles veränderte. Vor zwölf Jahren stand Sophie Abraham mit der Weltmusikband „Scurdia“ rund um den bekannten Pianisten Markus Schirmer auf der Bühne der Oper Graz. Im Publikum damals Folke Tegetthoff, seines Zeichens vielfach ausgezeichneter Schriftsteller und Märchenerzähler. Ihm gefiel, was er sah oder besser gesagt hörte, und fragte die Steirerin, ob sie nicht auf einer seiner Veranstaltungen auftreten wolle. Ein Angebot, das die damals 21-Jährige gerne annahm. „Ich kann mich noch sehr gut an die Veranstaltung erinnern. Es war ein Literaturabend. Folke gab mir nur stichwortartige Anweisungen und ließ mir alle Freiheiten zu performen. Das ist eine große Stärke von ihm. Und der Abend war dann einfach magisch.“ Seitdem ist die Cellistin ein gern gesehener Gast auf einer Vielzahl der beliebten Storytelling-Festivals von Tegetthoff.

Ohne Worte. Die Geschichten, die Sophie Abraham erzählt, kommen ohne Worte aus, was vielleicht ungewöhnlich für ein Geschichtenfestival sein mag. Das sieht die Musikerin aber ganz anders. „Es gibt viele Arten von Erzählen – mit Händen, Pantomime, Füßen, Puppentheater oder klassische Geschichten. Ich mache Musik, die Geschichten in sich trägt. Ich erzähle ohne Worte und wenn ich doch Worte verwende, dann ist das in Form von Liedtexten. Wenn man sich auf die Musik einlässt, kann man wunderbar sein eigenes Kopfkino spielen lassen.“ Inhalt der musikalischen Geschichten sind meist Themen, die die Künstlerin aktuell beschäftigen – sehr oft Leben und Tod. „Das hat viel mit meinen Brüdern zu tun. Wir waren sechs Kinder. Meine beiden Brüder sind 1993 bei einem Lawinenunglück gestorben. Da war ich sechs Jahre alt. Das hat uns als Familie sehr geprägt – wie wir sind und wie wir über Dinge reden.“ So schwer der Umgang mit dem Tod der beiden Brüder war, so sehr hat die Familie mit der Zeit das Leben zu schätzen gelernt. „Eine Stärke meiner Familie ist es sicherlich, dass wir Dinge sehr offen ansprechen. Zu Weihnachten zum Beispiel, wo meist die heile Welt propagiert wird, kommt die ganze Familie aus den unterschiedlichsten Ecken Europas bei meiner Mama in Wörschach im Ennstal zusammen, da hocken wir zwei Wochen quasi aufeinander und reden über das Leben und all seine Facetten.“

Musik im Blut. Und facettenreich war das junge Leben von Sophie Abraham bisher unbestritten. Geboren in den Niederlanden als Tochter zweier Österreicher, wuchs sie in der Nähe von Groningen auf – eine Studentenstadt, die einerseits sehr übersichtlich war, aber mit einer sehr lebendigen Kultur aufwarten konnte. Schon als Kind lernte sie Cello. „Meine Eltern waren sehr musikalisch, die gesamte Familie hat oft gemeinsam musiziert.“ Der Kulturschock kam dann mit 14, als es die Familie ins steirische Ennstal zog. „Obwohl ich zweisprachig erzogen wurde, verstand ich anfangs nicht einmal die Lehrer an meiner Schule.“ Der Anfang in der neuen Heimat war nicht immer leicht. Je mehr sich Abraham aber einlebte, desto mehr litt die Leidenschaft für das Cello. „Ich habe beim Milchbauern gearbeitet, hatte eigene Pferde und war nur draußen unterwegs. Ich habe einfach lieber im Dreck geschaufelt, als drinnen Cello gespielt. Das war aber trotzdem auch eine sehr wichtige Phase in meinem Leben.“ Die Leidenschaft für die Musik fand dann mit dem Studium auf der Kunstuni Graz ein Revival. Seitdem ist die Cellistin von Amerika über den Irak bis nach Japan auf den Bühnen der Welt präsent – eine steile Karriere, die sie für ihre dreijährige Tochter Frida jetzt ein wenig zurückgeschraubt hat. „Meine Frau war die ersten Lebensjahre unserer Tochter vermehrt daheim und ermöglichte mir so, viel unterwegs zu sein. Jetzt genieße ich es, mehr Zeit mit Frida zu verbringen. Und es ist so schön zu sehen, dass sie sowohl meine Liebe zur Natur als auch die zur Musik jetzt schon teilt.“


Zum Festival:

Zum nunmehr 33. Mal präsentiert Folke Tegetthoff vom 15. Mai bis 14. Juni 2020 das Internationale Storytelling Festival in der Steiermark, Niederösterreich sowie Wien. „Graz erzählt“ findet vom 15. Mai bis 3. Juni statt.

Gewinnen!

„Erzähl uns DEINE Geschichte“

Egal ob Alltagsgeschichte, Berufserfahrung oder Schicksalsschläge – jede Geschichte ist spannend. Gemeinsam mit dem Storytelling-Festival ruft die STEIRERIN zu „Erzähl uns DEINE Geschichte“ auf. Interessierte können ihre Geschichten an [email protected] senden. Eine Gewinnerin darf ihre Geschichte dann live bei der Ladies Only Gala am 27. Mai bei Kastner & Öhler präsentieren oder von Festivalinitiator Folke Tegetthoff anonym vortragen lassen. Die Gewinnerin bekommt außerdem 1 x 2 Karten für die Gala.

www.storytellingfestival.at