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People | 01.04.2020

Seelenverwandt

Freundinnen fürs Leben: Marlies Schmidt und Brigitte Rieger gehen seit mehr als 50 Jahren gemeinsam durch dick und dünn.

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© Thomas Luef

Man braucht nur eine Handvoll, aber die sollten gute sein: So lautet das Credo der beiden Steirerinnen Marlies Schmidt und Brigitte Rieger zum Thema „Freundinnen“. Die beiden sind seit mehr als 50 Jahren eng verbunden; schon Marlies’ Schwiegermutter und Brigittes Mutter waren Kindergartenfreundinnen und trafen sich bis ins hohe Alter regelmäßig; und auch die Töchter der beiden pflegen regen Kontakt. Doch worauf kommt es an, damit das zarte Pflänzchen der Freundschaft über Generationen so gut gedeihen kann?
„Brigitte ist diejenige, die alles zusammenhält“, meint Marlies. Fünf Jahre musste ihr Mann ab 1974 berufsbedingt nach Deutschland, die Familie war selbstverständlich dabei. „Brigitte hat in dieser Zeit immer wieder geschrieben und den Kontakt gehalten; ich hab allerdings fast nie zurückgeschrieben, weil mich meine Familie sehr in Anspruch genommen hat“, erinnert sich Marlies. 

Gemeinsames Lachen. Humor dürfte jedenfalls eine große Rolle spielen. Wie Teenager kichern die beiden, als sie von ihrer ersten Begegnung im Jahr 1968 erzählen: „Das war eine Faschingsparty mit dem Motto ,König Artus’ Tafelrunde‘“, erzählt Brigitte. „Da hab ich dem Dieter ein Kettenhemd aus grauer Wolle gestrickt und ich ging als Burgfräulein“, lacht Marlies und hat dazu passend auch gleich einen Spruch parat: „Mit einer Freundin zu lachen, stärkt Seele und Immunsystem!“
Gemeinsam mit ihren Männern unternehmen die beiden auch heute noch viel, nicht zu kurz dürfen dabei aber auch die reinen Damenrunden kommen. „Ich denke, Frauenfreundschaften sind anders als Männerfreundschaften – wir reden über alles, unterstützen uns gegenseitig und akzeptieren die andere so, wie sie ist. Männer würden sich nie einfach so zum Plaudern anrufen“, meint Brigitte. Während die Männer gemeinsam Sport machten, drehte sich bei den Damen früher sehr viel um die Kinder. Jeweils drei haben die beiden; dass man wechselseitig auf den Nachwuchs aufpasste, war Ehrensache – und bescherte der Freundschaft auch eine der härtesten Prüfungen.
So kümmerte sich Marlies in ihrem halbfertigen Haus um Brigittes Kinder, weil diese mit dem Umzug aus Deutschland beschäftigt war; dabei stürzte deren sechsjähriger Sohn Philipp über eine noch nicht abgesicherte Treppe ein Stockwerk nach unten. „Zum Glück ist er mit dem Schrecken davongekommen; aber das war für mich der größte Schock, da hatte ich schon ein furchtbar schlechtes Gewissen. Noch heute läuft es mir kalt über den Rücken, wenn ich an diesen Moment denke“, erinnert sich Marlies. „So etwas stellt eine Freundschaft schon auf die Probe. Doch Brigitte hat mir nie einen Vorwurf gemacht.“ – „Aber geh, das war doch nicht deine Schuld – und es ist ja gar nichts passiert“, winkt die andere nur ab.
Viel wichtiger seien die schönen Zeiten, die man miteinander verbracht habe. So wurden viele rauschende Feste ebenso wie kleine, gemütliche Feiern zelebriert, aber auch gemeinsame Radtouren unternommen.

Immer für die andere da. Die beiden sind gemeinsam schon durch dick und dünn gegangen, das spürt man. Und sie sind jederzeit füreinander da: So auch, als Marlies’ Schwiegermutter während eines Italien-Urlaubs fast ertrunken ist und dort in ein Spital eingeliefert wurde. „Ich hab Brigitte verzweifelt angerufen, weil sie Italienisch konnte und wir alle nicht.“ Die fackelte nicht lange, setzte sich ins Auto und war wenige Stunden später vor Ort, um den Dolmetscher zu spielen. Ein Freundschaftsdienst, den Marlies und ihre Familie wohl nie vergessen werden.

Netzwerk. „Während der Zeit in Deutschland sind mir meine Grazer Freundinnen sehr abgegangen“, berichtet Brigitte. Zwar habe sie auch in Deutschland Kontakte geknüpft, aber das sei nicht das selbe gewesen. Ihre Tochter Margit hat sich daran offenbar ein Beispiel genommen: Sie ist mit ihrem Ehemann und ihrem Sohn für einige Jahre nach New York übersiedelt – und auch sie hat großen Wert darauf gelegt, ihre Freundschaften in der alten Heimat zu pflegen.
Brigitte trifft auch eine Runde von sechs ehemaligen Schulfreundinnen noch regelmäßig einmal pro Monat. „Natürlich findet man nicht alles an den anderen toll – aber das akzeptiert man einfach, weil man sich ewig kennt und gern hat. Und weil es einem wichtig ist, den Kontakt zu halten.“
Durch Brigitte ist Marlies zum Tennisspiel gekommen. „Und dadurch habe ich eine weitere ihrer Freundesrunden kennengelernt. Und die sind mittlerweile auch ganz liebe und wichtige Freundinnen für mich geworden“, so Marlies. Ein Ausrichten hinter dem Rücken der anderen oder Eifersucht gäbe es in keiner der Runden. „Wir reden nicht über die anderen – höchstens ein bisserl“, zwinkern die Damen.

Geheimrezept. „Vertrauen ist wohl das Allerwichtigste, damit eine Freundschaft so lange hält“, meinen beide unisono. Füreinander da zu sein und sich aufeinander verlassen zu können, das sei essenziell. Aber auch der Spaß darf nie zu kurz kommen. „Wenn wir beisammen sind, ist es immer lustig, und wir können einfach über alles sprechen – natürlich auch über Probleme. Aber im Großen und Ganzen versuchen wir immer, dankbar zu sein und die Dinge positiv zu sehen“, erzählt Brigitte. „Wenn man jung ist, schließt man leicht Freundschaften – und wenn sie eine Zeit halten, dann hat man sie sein Leben lang. Neue, wirklich enge Freundinnen findet man später im Leben nicht mehr so oft.“ Das liege wohl auch daran, dass man gemeinsam viel erlebt habe, gemeinsame Erfahrungen schweißen einfach zusammen.
Marlies hat sich für unser Gespräch extra ein passendes Zitat herausgesucht: „Freundschaft, das ist wie eine einzige Seele, die in zwei Körpern wohnt. Freunde sind Lebenselixiere, Glücksbringer, Schutzimpfung, Seelentröster und Partnerersatz.“