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People | 17.07.2019

Für eine gute weibliche Zukunft

Empowerment, Hilfe zur Selbsthilfe und Bestärkung in aller Welt: über Frauenprojekte und Frauenleben in anderen Kulturen, die Steirerinnen und Steirer mit viel Engagement unterstützen und begleiten.

Themen:

Wir könnenes schaffen

Nina Herdey
Projektassistenz Jane Goodall Institut – Austria, „Clever Girls“/Uganda

Die Menstruation ist in Uganda nicht nur ein Tabuthema, sie wirkt sich auch unmittelbar auf die soziale Situation der Mädchen dort aus. Weil fließendes Wasser und sanitäre Einrichtungen in den Schulen vielfach fehlen, bleiben junge Frauen während ihrer Periode zumeist daheim, versäumen den Unterricht und brechen die Schule oft frühzeitig ab. Ein höherer Bildungsabschluss bleibt ihnen verwehrt, Wissen zur Familienplanung fehlt, frühe Schwangerschaften sind die Regel. Uganda hat mit einem Wert von knapp unter sechs die höchste Fruchtbarkeitsrate der Welt.

Mit Bildungsprojekten, die das Jane Goodall Institut – Austria in Kooperation mit seiner ugandischen Schwesterneinrichtung umsetzt, will man den Mädchen neue Möglichkeiten und damit auch alternative Lebenswege eröffnen. Die Grazerin Nina Herdey, die im Jane Goodall Institut – Austria mit Afrika-Projekten und Fundraising betraut ist, war früh von den holistischen Ansätzen der britischen Verhaltensforscherin und UN-Friedensbotschafterin Jane Goodall fasziniert. Die ganzheitlichen Projekte für Mensch, Tier und Natur sollen die jeweilige lokale Gemeinschaft darin bestärken, neue Strategien für bessere Lebensbedingungen zu entwickeln und umzusetzen. „Jane Goodall hat die Gabe, mit ihren Worten in einem Menschen unglaublich viel auszulösen, ohne ihn zu belehren“, beschreibt Herdey die Strahlkraft der Initiatorin, „wir sind zwar in der derzeitigen globalen Situation an einem dramatischen, traurigen Punkt angelangt, aber sie macht uns glauben, dass wir es noch schaffen können. Wir sind überzeugt davon, dass man globale Probleme lokal lösen muss.“

Peer Education. „Die Einbeziehung der lokalen Bevölkerung und ihrer Bedürfnisse ist in diesem Zusammenhang extrem wichtig. Frauen spielen da eine ganz wesentliche Rolle“, hat Herdey immer auch den größeren Zusammenhang im Blick, „denn sie sind es meistens, die nachhaltige Lebensweisen wirklich leben. Gerade junge Frauen haben ein unfassbares Potenzial, um einen Beitrag für das so fragile Gleichgewicht von Mensch, Tier und Natur zu leisten“, so Herdey. Nicht umsonst heißt es: „If you educate a girl, you educate a family.“

Ganz bewusst sind es nicht weiße, europäische Frauen, die in Uganda Bildungsarbeit leisten. Die Workshops des „Clever Girls“-Projektes, das es seit 2008 gibt, beruhen auf einem Peer-­Education-Programm. „Wir wollen die Schülerinnen vor Ort gezielt fördern. Junge Frauen werden von Einheimischen zu Trainerinnen ausgebildet, um wiederum in ihren lokalen Gemeinden zu informieren, aufzuklären und Unterstützung zu geben. Es ist gewissermaßen Hilfe zur Selbsthilfe.“ Wissen über die in dem Alter vielfach noch unbekannten Abläufe im weiblichen Körper und die zu übertragbaren Krankheiten, aber auch Beratung in der Lebensplanung sowie eine Stärkung des Frauenbildes und des Selbstwertgefühls sind in den Workshops ein großes Thema.“ Die Mädchen lernen, wiederverwendbare Hygieneartikel aus lokalen Ressourcen herzustellen. Sie erhalten ein Menstruationsset mit Unterwäsche und können die Fertigung desselben anderen Frauen und Mädchen beibringen, „es haben sich auch Gruppen zusammengefunden, die die Binden herstellen und verkaufen“.

 

Wir sind davon überzeugt, dass man
globale Probleme lokal lösen muss.

Nina Herdey

 

500 Mädchen, die die Schule bereits abgebrochen hatten, haben seitdem wieder mit der Ausbildung begonnen. Allein im Jahr 2018 nahmen 300 Mädchen und Frauen an den Workshops und 900 Personen an den Schulungs- und Aufklärungsveranstaltungen in den jeweiligen Gemeinden teil.. „Es ist uns ein großes Anliegen, Frauen darin zu bestärken, unabhängig zu sein. Sind sie besser ausgebildet, können sie eine wichtige Rolle für die Gemeinde übernehmen. Es stehen Berufswege offen und sie werden nicht an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Denn gerade die steigende Anzahl der Bevölkerung führt zu einer zusätzlichen Verknappung der Ressourcen, die Armut steigt weiter.“ Herdey weiß wohl, dass darüber hinaus ein gesellschaftlicher Paradigmenwechsel notwendig ist, „auch Männer müssen verstehen, dass eine bessere Ausbildung mehr Einkommen und mehr Wohlstand für die gesamte Familie bedeutet“. Das steirische Unternehmen Sorger unterstützt übrigens das Projekt als Hauptsponsor und spendet seit zwei Jahren 5 Cent jedes verkauften Bio-Dinkel-Vollkornsterns.

Spiegel. Das Management-Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien war für Nina Herdey eine eindrückliche Schule, ja ein brutaler Spiegel, welchen Weg sie nicht einschlagen will. Schon früh setzte sie sich mit Non-Profit-Management auseinander und wurde oft gefragt, wie sie damit überhaupt Geld verdienen will. Wissen im betriebswirtschaftlichen Bereich war ihr aber überaus wichtig. Bei ihren Volontariaten in Namibia wurde der 27-Jährigen klar, „dass man nur ein winziger Teil in einem unfassbar mächtigen System ist, ein Partikel im riesigen Kosmos, der sehr fragil ist. Da nimmt man sich automatisch und schnell selbst zurück.“

Spenden:

Empfänger: Jane Goodall Institut – Austria
IBAN: AT24 2011 1826 8610 2000 Bank: Erste Bank
Verwendungszweck: Clever Girls

www.janegoodall.at