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People | 10.07.2019

Für eine gute weibliche Zukunft

Empowerment, Hilfe zur Selbsthilfe und Bestärkung in aller Welt: über Frauenprojekte und Frauenleben in anderen Kulturen, die Steirerinnen und Steirer mit viel Engagement unterstützen und begleiten.

Themen:

Im Kleinen Großes bewirken

Lara Kainrath
Freiwilligenarbeit für die Organisation CEMVA in Sucre, Bolivien

Lebensbedingungen, die man sich in Österreich kaum vorstellen kann, die aber in Bolivien zum Alltag gehören: Familien, die zu zehnt in einem Ein-Zimmer-Haus ohne Fenster, Türen, Elektrizität oder Wasseranschluss leben. Die vielen Geschwister teilen sich oft eine dünne Matratze auf dem Boden. Betten gibt es keine. Teilweise müssen die Kinder arbeiten, obwohl das „erst“ im Alter von zehn Jahren offiziell erlaubt ist. So wie die 6-jährige Viviana. Am Wochenende putzt sie mit ihrem Bruder Lino kleine Busse, die sogenannten Micros, oder  sie führen Kunststücke am Zebrastreifen vor roten Ampeln auf. Wenn man Viviana fragt, was sie später werden will, sagt sie: „Ärztin“.

Die Welt dieser Familien ein klein wenig besser machen, das wollte die Grazerin Lara Kainrath. „Nachdem ich im Frühling 2018 meine Matura abgeschlossen habe, wusste ich nicht genau, was ich studieren wollte. Meine Cousine Magi hatte sich fünf Jahre zuvor für ein freiwilliges soziales Jahr in Bolivien entschieden und bei CEMVA gearbeitet. Durch ihre Erzählungen und ihr Engagement bekam ich auch Lust, freiwillig zu arbeiten.“ Gesagt, getan.
CEMVA (Centro Educativo Multifunctional Villa Armonía) ist eine seit mehr als 25 Jahren bestehende Organisation, die mit Unterstützung aus Deutschland und Österreich mehrere Kindergärten und Nachmittagsbetreuungen für bedürftige Kinder sowie Alphabetisierungs- und Kochkurse für deren Mütter in Sucre anbietet.
Vormittags verbringt die heute 19-Jährige ihre Zeit in einem der Kindergärten, wo sie gemeinsam mit einer ausgebildeten Erzieherin mit den Kindern spielt, bastelt, singt, tanzt und mit ihnen Vokale und Zahlen beibringt. Ihre Nachmittage widmet sie der Schul-
unterstützung in Alegría. „Alegría ist eines der äußersten und ärmsten Stadtviertel Sucres. Dort leben Familien, die erst vor wenigen Jahren vom Land in die Stadt gezogen sind. Nachdem die sechs- bis 13-Jährigen ein Mittagessen bekommen haben, animieren wir sie, ihre Aufgaben zu machen, und helfen ihnen, wenn sie Schwierigkeiten haben.“

Die andere Kindheit. Der größte Unterschied zu Österreich ist wohl die Armut in Bolivien. Vor allem in den äußeren Stadtvierteln, wo auch die Grazerin lebt und arbeitet, merkt man das. Wenige Häuser sind verputzt und wenige Straßen asphaltiert. Es gibt kaum große Supermärkte, dafür umso schönere Straßenmärkte. Alles läuft  langsamer und unorganisierter ab. „Kinder in Österreich haben meist eine ganz andere Kindheit als bolivianische Kinder. Hier müssen sie viel schneller erwachsen werden. Ab zehn Jahren ist Kinderarbeit in Bolivien legal. Aber auch schon um einiges jüngere Kinder müssen helfen, Geld für die Familie zu verdienen. Ganz viele werden auch extrem jung Eltern und haben schon mit Anfang 20 mehr als ein Kind.“

Mit CEMVAs Sozialarbeiterin Constantina haben die Freiwilligen die Möglichkeit, Hausbesuche zu begleiten, für Lara und andere Freiwillige ist es oft nicht leicht, was da erlebt wird. „Es ist schockierend zu sehen, wie die Familien teilweise leben. Außerdem war es schwer für mich, wenn Kinder mit blauen Flecken oder Kratzern im Gesicht zu uns kamen und mir nicht erzählen wollten, wie das passiert ist. Es ist leider keine Seltenheit, dass Kinder von ihren Eltern geschlagen oder misshandelt werden. Ohne Beweise habe ich mich da deswegen oft sehr hilflos gefühlt.“

Klingt nach einer großen Herausforderung, trotzdem hat die Arbeit auch viele schöne Seiten. „Das Schönste sind auf jeden Fall die Kinder. Von Klein bis Groß habe ich sie wirklich sehr ins Herz geschlossen. Ich freue mich jeden Tag darauf, mit ihnen zu spielen, zu tratschen und zu lachen.“

Vorbild sein. CEMVA hat auch Projekte speziell für Frauen und Mütter, ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der bolivianischen Gesellschaft. Denn der Machismus ist in Bolivien noch ziemlich ausgeprägt. Vor allem Gewalt gegen Frauen kommt häufig vor und wird selten bestraft. Auch mit Kindern haben viele Frauen sehr gute Jobs. Es gibt Ärztinnen, Anwältinnen und Professorinnen. „In CEMVAs Einrichtungen gibt es beispielsweise ausschließlich Erzieherinnen und Lehrerinnen. Es ist so wichtig, Frauen zu stärken, damit sie das auch ihren Kindern und Schülern weitergeben können.“
Die Zeit in Bolivien geht für Lara nun zu Ende. Was sie machen wird, wenn sie wieder in Graz ist, steht noch nicht hundertprozentig fest, aber eines ist sicher: „Auf jeden Fall sollte es am Ende eine Arbeit mit Kindern sein.“

Spenden:

Empfänger: Gemeinschaftsstiftung Bolivianisches Kinderhilfswerk
IBAN: DE98611500200007481048
Bank: Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen
Verwendungszweck: Comedor und Apoyo Escolar Alegría Lara

www.cemva-sucre.org