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People | 09.11.2018

Porno Paar

Der steirische Pornodarsteller Mick Blue und das US-Erotik­starlet Anikka Albrite sind prämierte Pornostars – und miteinander verheiratet. Mit uns haben sie über Job, Sex und Ehe gesprochen. Kein dirty Talk, dafür tiefe Einblicke!

Fotos: Allan Amato, Christian Miller, Jeff Koga, privat

Mick Blue ist Grazer, lebt im sonnigen Los Angeles und den Traum vieler Männer: Porno! Zusammen mit seiner Ehefrau Anikka Albrite. Denn die ist ebenfalls bekannte US-Erotikdarstellerin. Doch als dunkle Wahrheit der Gesellschaft sehen sie ihren Beruf nicht, vielmehr als Entertainment, das einfach dazugehöre. Zusammen drehen sie Pornos und räumen bei den AVN- oder XBIZ-Awards (jährliche Filmpreise der US-Erotikbranche) als beste Pornodarsteller ab. Hinter den Kulissen jedoch leben sie ein treues Familienleben. Und zeigen auf: Porno ist zum Anschauen da, nicht zum Nachmachen!

 

Bei euch in L.A. ist es bereits Abend. Wie sah euer Tag als Pornostar aus?

Anikka: Zur Zeit mache ich als Pornodarstellerin eine Pause und arbeite im Büro einer Arztpraxis. Ich habe gerade mein Studium in Biologie und Wirtschaft abgeschlossen. Als weibliche Erotikdarstellerin arbeite ich sonst 15 bis 20 Tage im Monat.

Mick: Wir haben einen straffen Zeitplan, bei uns gibt es keine Wochenenden. In Los Angeles wird fortwährend produziert. Erst zur Weihnachtszeit wird es etwas ruhiger, dann bereitet sich die Branche auf die Preisverleihungen vor.

 

Also ein fast normales Ehepaar. Passen da Liebe und Porno überhaupt zusammen?

Anikka: Natürlich! Wir sind der beste Beweis dafür. Wenn du deinen Seelen-verwandten findest, ist es egal, was er oder sie beruflich macht.

Mick: Vor fünf Jahren haben wir uns in der Branche kennengelernt. Aber nicht beim Dreh, sondern im Flugzeug, als wir beide beruflich nach San Francisco geflogen sind. Da habe ich mir schon gedacht, dass sie eventuell eine Kollegin sein könnte, und sie angesprochen. Bald darauf hatten wir unseren ersten gemeinsamen Dreh.

 

Während des Drehs habt ihr eure Gefühle also erst auf Eis gelegt – oder wie macht man das beim Porno?

Mick: Ja, zunächst handelt man das professionell ab. Ich mache diesen Job schon seit 18 Jahren, wenn ich mich bei jedem Dreh mit Gefühlen auseinandersetzen müsste, würde ich überschnappen. Tatsächlich ist es so, dass guter Sex auch ohne Gefühle funktionieren kann. Was körperliche Leistung sowie Gefühle angeht, machen die Jahre die Erfahrung.

Anikka: Die Liebe entwickelte sich natürlich erst. Arbeitet Mick mit anderen Frauen zusammen, bin ich auch nicht eifersüchtig, ich mache es doch auch. Wir genießen Sex und nach dem Dreh auch miteinander.

 

Das heißt, es gibt keine Grenzen für euch beim Pornodreh?

Anikka: Mick darf im Job machen, was er will. Damit habe ich kein Problem. Wenn ich bei einem Dreh bin, wird immer abgesprochen, was ich machen will und was nicht. Ich darf also mitreden und muss nichts gezwungen spielen. 

Mick: Es wird natürlich immer da-rauf geachtet, dass sich weibliche Darstellerinnen auch wohlfühlen. Man produziert den Pornodreh immer gemeinsam, sodass sich beide Darsteller damit arrangieren und auch ihre Fantasien einbringen können.

 

Es gibt schon viele
Pornos für Frauen,
in denen sie selbstbestimmt
und keine „Sklavinnen“
sind.

- Anikka Albright, Pornostar

 

War das immer so oder hat sich das im Porno-Business erst entwickelt, speziell für Frauen? Beim klassischen Porno hat man ja den Eindruck, dass die Frau nur willige Sklavin ist

Anikka: Das Business hat sich verändert, es gibt immer mehr Frauen, die Pornos für Frauen drehen, was ich sehr liebe! Da gibt es natürlich eine andere Storyline, weg von diesem „Sklavenbild“, es geht mehr in Richtung Fashion. Viele Frauen schauen sich mittlerweile solche Pornos an.

 

Porno beeinflusst die Sicht auf das eigene Sexleben. Sieht Sex bei euch privat auch so aus?

Mick: Wenn wir von unseren Jobs wieder zu Hause sind, kann es sehr wohl sein, dass wir in die zweite Runde gehen und Sex miteinander haben. Dieser Sex ist dann natürlich anders. Generell reicht bei uns ein zehnminütiger Sex, der dafür richtig gut ist. Ich liebe zum Beispiel die normale Missionarsstellung, die bei einem Pornodreh eher unvorteilhaft wäre. Pornosex ist also nicht mit privatem Sex vergleichbar. Im Job mag ich es, wenn ich wieder neue sexuelle Erlebnisse habe.

Anikka: Zu Hause kommen Gefühle hinzu und man muss nicht ständig auf Licht und Kameraeinstellung achten. Und natürlich hebt man sich ein paar Dinge für zu Hause auf, die man im Job nicht sexuell auslebt. 

 

Ist eure Ehe aus beruflichen Gründen eine offene Beziehung?

Anikka: Nein, wir führen keine offene Beziehung. Privat sind wir sehr treu.

Mick: Und hätten wir Lust auf andere Sexualpartner, würden wir es erst wieder zusammen ausleben.

 

Was sagten eure Eltern zur Jobwahl?

Anikka: Meine Mutter fand es selbst heraus, sie reagierte recht gelassen und meinte sogar: ,Glaubst du, dass ich das auch kann?‘ Sie steht da voll hinter mir. Mein Dad war etwas enttäuscht. Ich sagte es ihm, als mir klar wurde, dass ich Mick heiraten möchte. Abgesehen davon hätte er nur seinen Namen googeln müssen und er hätte es erfahren. Heute haben wir aber ein sehr gutes Verhältnis, weil wir keine Geheimnisse voreinander haben. Mit Mick versteht sich Dad prima.

 

War euch da immer klar, dass der Partner ebenfalls aus der Erotik-Branche stammen wird?

Anikka: Ich habe erst einen Mann gedatet, der nicht aus der Branche stammte. Das war noch zu Schulzeiten. Für ihn war mein Job aber kein Problem.

Mick: Ich habe beides probiert, die einen waren aus der Branche, andere wiederum nicht. Eines hatten sie alle gemeinsam: Eifersucht! Es kommt also auf den Charakter an und nicht auf die Erotikbranche. Anikka und ich sprechen über alles, haben keine Geheimnisse und deshalb funktioniert es zwischen uns.

 

Was sagt ihr zu der Tatsache, dass mit dem Internet schon Kinder Zugang zu Pornografie haben?

Anikka: Es braucht klare Regeln, um Kinder von der Pornografie fernzuhalten und ihnen einen gesunden Zugang zu Sex zu lehren, am besten durch die Eltern oder Familie. In einem Porno wird Sex ja nur gespielt, und wenn schon Erwachsene nicht unterscheiden können, was Pornosex und was privater Sex ist, wie sollen das dann Kinder wissen?

Mick: Ich bin ganz bei Anikka. Hier ist das Internet wirklich ein Problem, über die moderne Technologie und über Youporn oder Pornhub kann jedes Kind Pornos konsumieren. Aber die Politiker weltweit unterschätzen das nach wie vor. Hier hinken wir Jahre hinterher, was die Kontrolle betrifft. Es ist längst an der Zeit, dass sich die Politik Regulierungen überlegt, etwa eine Gebühr von nur einem Euro oder Dollar, womit Kinder und Minderjährige einen erschwerten Zugang hätten.

 

Und wann wäre für euch Schluss mit Porno?

Mick: Mir macht es Spaß, in dieser Branche zu arbeiten, und wir beide lieben die Freiheiten, die dieser Job mit sich bringt. Deshalb denke ich nicht allzu viel darüber nach. Sehr wohl ist aber Pension und die Vorsorge im Alter ein Thema. Daher ist bestenfalls eine eigene Produktionsfirma, die später weiterhin Profit macht, eine Option.

Anikka: Wenn ich einmal Mutter werde, dann lege ich eine Pause ein.