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People | 29.10.2018

So ist das mit der Glockenblume

Als Kind im Nachkriegsösterreich verstand Gundl Kutschera nicht, warum sie die Engländer nicht mögen durfte. Das war der Grundstein für ihr Lebensthema: Resonanz und gute Kommunikation.

Gundl Kutschera ist Marke. Und ihre beste Botschafterin. Die 77-Jährige zeigt in erfrischender und unaufgeregter Weise, wie Jugendlichkeit und Lust auf Leben im reiferen Alter geht. In ihrem gleichnamigen Institut in Wien lehrt die gebürtige Grazerin und frühere Ski-Rennläuferin gesunde Kommunikation, die sie so beschreibt: „Eine Birke ist eine Birke, eine Glockenblume ist eine Glockenblume.“ Das meint: Wir sind, was wir sind.

Ihr Lebensthema poppte schon in der Kindheit auf. Nach dem Krieg aus Graz vertrieben, fand die Familie in St. Lambrechten eine neue Bleibe. Dort passten spanische Kriegsgefangene auf die Kinder auf, später kamen die Briten, die sie mit ihren Panzern mitfahren ließen. Alles fürchterlich nette Menschen, erinnert sich Kutschera. Nur: Es waren Feinde, die man eigentlich nicht mögen dürfte. Das war die Initialzündung für ihren Wunsch, sich mit Kommunikation und einem wohlwollenden Inverbindungsetzen mit sich und der Umwelt zu beschäftigen. Denn: „Wenn Menschen nicht Neues lernen, werden sie immer dasselbe tun, im schlimmsten Fall den anderen bekämpfen.“ Sie studierte Soziologie, und dort fasste sie den Entschluss, den vielen Theorien ihre eigene hinzuzufügen. Resonanz sollte dabei das Thema werden. Ein Impuls kam von ihrem Ehemann, einem Physiker, der erklärte, alles in der Natur habe seine natürliche Resonanz, alles stehe miteinander in Schwingung. Ihre persönliche Resonanz-Theorie besagt im Grunde, dass jeder Mensch eine natürliche Resonanz hat – die Glockenblume wird keine Birke werden können. Es geht darum, sich anzunehmen, wie man ist, und nicht etwas anderes sein zu wollen. Dazu gehört auch, die Resonanz zu anderen Menschen, zur Gesellschaft zu finden. Jemand, der perfekt Geige spielen könne, erklärt sie, müsse in Resonanz mit dem Orchester und mit dem Publikum gehen. So funktioniere Musik und so komplex seien Beziehungen, sagt sie schmunzelnd.

Prägend war für Gundl Kutschera die Zeit nach der Geburt ihrer Tochter Stefanie, die laut medizinischer Meinung nie würde sprechen oder gehen können. Die Kämpferin und heutige 14-fache Großmutter ignorierte die Prognose der Ärzte, nahm die Sache selbst in die Hand, zerlegte jede Bewegungseinheit in kleine Schritte und übte jeden Tag stundenlang mit der Tochter, so lange, bis andere Teile des Gehirns die Aufgabe übernommen hatten, und Stefanie mit zehn Monaten gehen und mit sechs Jahren sprechen konnte. Heute ist sie einer ihrer besten Trainerinnen.

Kutschera arbeitete während ihres Aufenthalts in den USA mit den Mitgründern der Neurolinguistischen Programmierung (NLP) zusammen und war in Österreich die erste NLP-Trainerin. 1982 hob sie ihr Institut aus der Taufe, um ihre Resonanz-Theorie, basierend auf neurologischen Erkenntnissen, umzusetzen. Ein Leben in Schwingung schütze vor Krankheit, schaffe Zufriedenheit und diene letztlich der Gesellschaft, betont sie. Aus diesem Grund ist ihr die Förderung von Kindern und Jugendlichen sehr wichtig. Viele gesellschaftliche Probleme entstünden nicht, wenn Kinder schon früh lernten, über wichtige Themen zu reden. Ihre Projekte in Brennpunktschulen zielen darauf ab, Jugendliche zu Bestleistungen zu animieren, voneinander zu lernen und Verantwortung zu übernehmen. Oft seien es nur zwei, drei Jugendliche, die Unruhe in Klassen brächten, erklärt sie. Diese erhalten ein Einzelcoaching und werden – gemeinsam mit strebsamen Schülern – zu „Klassensprechern“ gemacht, die gemeinsam Aufgaben lösen müssen. Denn nur wenn Menschen „miteinander schwingen und klingen, entsteht Neues und Gutes“, betont Kutschera.      


Beziehung lernen

Am 22. November startet in Graz der Ausbildungskurs zum Kutschera-Resonanz-Practitioner. Die Teilnehmer lernen dabei die Grundlagen für respektvolle, erfolgreiche Gesprächsführung und finden den Zugang zu ihren verborgenen Potenzialen und Wege, um diese erfolgreich im Privat- und Berufsleben einzubringen.

www.kutschera.org