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People | 09.04.2018

Kocht doch WILD!

Fleischmesser gegen Rührbesen, Emotion trifft Emotion: Wir baten Österreichs bekannteste Patissière Eveline Wild und ihren 2-Hauben-Koch Stefan Eder zu einem Koch-Duell.

Eveline Wild, die bekannteste Patissière Österreichs, hat es vor einiger Zeit ins idyllische St. Kathrein am Offen-egg verschlagen. Gemeinsam mit ihrem Partner, dem 2-Hauben-Koch Stefan Eder, führt sie das kürzlich umbenannte Hotel „Der WildeEder“. Wir baten sie zu einem Küchengespräch und gemeinsamen Kochen. Stefan macht Zitronenhuhn mit Risotto und Eveline Eclairs, übersetzt Liebesknochen, die sie bei ihrer letzten Paris-Reise entdeckt hat. Wenn das kein guter Anfang ist …

 

STEIRERIN: Wie dürfen wir uns euren freien Tag im Hause Wild-Eder vorstellen? Eveline und Stefan kochen gemeinsam?
Eveline: Haha! Wenn wir einmal gemeinsam frei haben, drückt sich Stefan vor dem Kochen. Letztens ließ er sich sogar Heilfasten einfallen!
Stefan: Das war super! Und ich ziehe das auch durch.
Eveline: Ja, auf unsere Kosten!

Und wenn ihr mal gemeinsam kocht – verläuft das friedlich?
Eveline: Das kannst ruhig du beantworten.
Stefan (zupft Kräuter): Ich habe nicht aufgepasst.
Eveline (dreht grinsend die Augen über): Also, wenn wir gemeinsam kochen, dann nicht so, wie man sich das gemeinhin vorstellt. Stefan kocht etwas und plant das Gericht zugleich für die Karte. Oder er kocht mit seinem Team. Ich probiere dann beim Anrichten herum, mache quasi das Feintuning und gebe meinen Senf in Sachen Geschmack dazu.

Werden Sie gehört?
Eveline: Über Umwege.
Stefan: Stimmt nicht, ich frage dich ja um deine Meinung …
Eveline: … aber nicht immer willst du sie hören.
Stefan (will ablenken): Ich hole jetzt mal Zwiebel und Knoblauch und dann können wir starten.
Eveline: Ich tu das für dich, Schatz.
Stefan: Ich freue mich (ein Kuss fliegt der Hinausgehenden nach).

 

 

Könnt ihr gemeinsam kochen, ohne euch beim anderen einzumischen?
Eveline: Sagen wir so: Stefan zerbricht sich gerne meinen Kopf.
Stefan: Ich bin dir ja nur behilflich!
Eveline: Wenn ich mir wünsche, dass du den Wäschekorb zur Waschmaschine bringst, wird das elegant ausgeblendet und stattdessen entwirfst du im Kopf Produktpackages für meine Pralinen.
Stefan: … was ja auch super ist, wenn ich mir für dich etwas ausdenke. Ich erwähne nur den Tiefziehapparat, den ich dir gemacht habe …
Eveline: Ja eh, und diese Eigenschaft habe ich mittlerweile schon verstanden und sehe sie auch positiv: Getriebenheit, etwas Neues anzugehen, bedeutet Fortschritt. Doch manchmal kommen die Schlagzeilen deiner neuen Ideen zum falschen Zeitpunkt (lacht).
Stefan: Für die Presse zusammengefasst: Ich muss halt alles ausprobieren.

 

Während Stefan die Marinade für das Zitronenhuhn anrührt, erzählt Eveline von der legendären Schokoladekrippe, die sich Stefan als Attraktion für St. Kathrein einfallen hat lassen. Obwohl Eveline der Idee eine Abfuhr erteilte, weil im Herbst die stärkste Zeit sei, hielten Stefan und sein Vater daran fest. Letztlich wurde die Krippe mit lebensgroßen Schokoladefiguren realisiert und sei ein „Mördererfolg“ geworden.

 

Womit bringt ihr euch auf die Palme?
Eveline: Wenn sich der eine beim anderen dauernd einmischt. In ausgeglichenem Zustand ist das ja kein Problem, im Stress wird das meistens als Kritik verstanden. Es gibt Zeiten, da wünsche ich mir, dass wir aus verschiedenen Branchen kämen.
Stefan: Wir sind es aber auch nicht anders gewohnt. Das Problem ist, dass man sich am Abend vom Job relativ wenig erzählen kann.
Eveline: Ab fünf Uhr verabschiede ich mich aus dem Betrieb und bin für unseren Sohn Kilian (5, Anm.) da. Da bin ich schon entschleunigt, wenn Stefan am späten Abend kommt. Wie die Laune ist, merke ich spätestens, wenn die Tür aufgeht und er hereinkommt (Eveline trampelt eine Runde um den Herd). Da ist’s mit meiner Entschleunigung auch vorbei.

 

Wie habt ihr euch kennengelernt?
Eveline: Ich war mit einer Freundin, die uns letztlich miteinander verkuppelt hat, inkognito im Hotel. Und war entzückt, wie gut das Abendessen war. Nur der Chefkoch hatte nicht wirklich Augen für mich gehabt.
Stefan: Stimmt nicht! Ich wusste sehr wohl, dass die Konditorweltmeisterin bei uns zu Gast ist. 

Wie ging es weiter?
Eveline: Wir haben uns hin und wieder gesehen, ließen Grüße ausrichten und trafen uns bei einer Hochzeit, auf der wir beide eingeladen waren – das hat unsere Kupplerin so arrangiert. Sie hat sogar vorsätzlich den Brautstrauß auf mich geworfen! Dann kam der Brautwalzer und nachdem ich niemanden kannte, tanzte ich mit Stefan. Und der Rest ist Geschichte. Der Eder ist wild geworden …
Stefan (grinst in das Risotto hinein): … aber wenn Eveline nicht da ist, bin ich weniger wild …

Apropos: Welche Lebensmittel sind für euch aphrodisierend?
Eveline (winkt ab): Ich glaube nicht, dass Lebensmittel aphrodisierende Wirkung haben. Es kommt immer auf die Dosis an. Manchmal ist der „Sekt in die Bauchnabel“ (sie imitiert eine bekannte Sektwerbung) anregender als der, den man trinkt …
Stefan (protestiert): Also, das kommt schon auf den Bauchnabel an!
Eveline: Sinnlich finde ich, kurz die „guten Vorsätze“ auszublenden und das Achterl Wein oder das Stückerl Schokolade bewusst zu genießen.

Was schmeckt euch gar nicht?
Eveline: Blattkoriander, Fenchel, Anis, Staudensellerie, da habe ich eine Sperre.

Stefan?
Stefan (konzentriert sich auf sein Huhn und antwortet nicht).
Eveline: Stefan isst alles. In rauen Mengen (lacht).
Stefan (klinkt sich wieder ins Gespräch ein): Dafür habe ich mich beim Süßen schneller sattgegessen. (Und schon fliegt ein Grinser und ein Busserl in Richtung Eclairs.)
Eveline: (grinst) Mhm … Wer’s glaubt …

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