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People | 27.02.2018

Mittendrin im Leben

Elke und Karin gehen seit 39 Jahren durch dick und dünn. Mit der STEIRERIN plauderten die beiden Freundinnen über Frausein, Lust und ihr Lebensgefühl mit 50+. Was wir dabei gelernt haben: zulassen, dankbar sein und dabei ganz viel lachen!

War der „50er“ ein Problem für euch?

Elke: Anfangs schon. Ich habe groß mit Familie und Freunden gefeiert, dann ist es mir leichter gefallen. Jetzt habe ich kein Problem mehr, meinen 52er im Vorjahr habe ich ignoriert.
Karin: Zu meinem 50er habe ich meine Freundinnen nach Rovinj eingeladen. Dort habe ich ein Haus gemietet und das Motto Piratenparty ausgegeben. Im Internet habe ich eine Piratenflagge bestellt, die wir im Garten aufgezogen haben. So verkleidet sind wir durch die Stadt gezogen.

 

Was heißt es für euch, 50 zu sein?

Karin: Alter ist für mich etwas Positives, es hat sich von der Lebenseinstellung her viel geändert.

 

Inwiefern?

Karin: Weil ich das wunderbare Gefühl der Gelassenheit verinnerlicht habe. Das war plötzlich da, das kann man nicht lernen. Ich wünschte, ich hätte dieses coole Gefühl schon in jungen Jahren gehabt.
Elke: Dass sich 50-Jährige heute wie 30 fühlen, liegt wahrscheinlich auch an der Mode. Die gab es bei unseren Großmüttern und Müttern nicht, abgesehen davon hätten sie nicht die finanziellen Mittel gehabt. Mit Kleiderschürze ohne Schminke schaue ich auch älter aus. Mir gefällt das gleiche wie meiner Tochter und sie berät mich auch beim Einkaufen.
Karin: Für mich ist es die Lebensfreude, die ich in mir habe und genieße. Ich brauche weder mir noch jemand anderem mehr etwas beweisen.
Elke: Das ist alles schön. Aber ich spüre das Alter schon körperlich. Im Wechsel hat sich die Figur geändert, mir tun Kreuz und Schulter weh. Alles ist auch nicht lustig ab 50.

 

„Mit 20 will man im Bett nur dem Mann gefallen. Das ist mit 50 nicht mehr der Fall.“

Karin Ladler und Elke Schaffler

 

 

Ihr habt beide Kinder. Wie haben die euch verändert?

Karin: Ich bin mit meinem Sohn Philipp allein, seit er acht ist. Wir haben ein sehr inniges Verhältnis zueinander. Als er mir eröffnete, er wolle ausziehen, habe ich ihn unterstützt. Ich war nie eine Glucke, habe vielmehr versucht, ihm Selbstvertrauen zu geben. Nachdem er ausgezogen war, dachte ich mir: Jetzt bin ich wieder dran. Trotzdem ist mein Sohn alles für mich.
Elke: Durch meine Tochter wurde ich als Frau stärker, sensibler, aber auch ängstlicher. Meine Tochter Laura hat mit 16 Jahren gesagt, sie werde mit 18 ausziehen, und zwar ganz allein in eine Wohnung. Das ist mir sehr schwer gefallen, mittlerweile wird sie 22 und ich habe mich daran gewöhnt. Wir haben jeden Tag Kontakt und sehen uns mehrmals die Woche.
Karin: Manchmal denke ich mir, dass ich schon viel richtig gemacht habe. Vor zwei Jahren, da war er 23, haben wir telefoniert, er war mit Freunden mit dem Auto unterwegs. Er sagte vor allen: „Ich hab dich lieb, Mama.“ Es freut mich, dass er fähig ist, Gefühle zu zeigen und auszudrücken. Ich finde, Loslassen gehört dazu, wenn man es zulässt, kommen die Kinder zurück.

 

Was habt ihr gelernt von ihnen?

Beide: Viel!
Karin: Geduld vor allem.
Elke: Das kann man nicht lernen! (lacht) Ich bin der Meinung, dass man von Kindern extrem viel lernen kann, sie sind offen und ehrlich bis zu einem bestimmten Alter. Und niemandem gegenüber kann man so viel Liebe empfinden wie dem eigenen Kind. Ja, Liebe macht einen sensibler, milder. Sie hält jung.
Karin: Die Liebe zum Kind ist die absolute Liebe. Ich finde aber auch Selbstliebe wichtig.
Elke: Also, ich kann das von mir nicht behaupten! (Anm.: Elke beteuerte anfangs, dass sie sich selten auf Fotos gefalle. Unsere Fotografin hat das letztlich widerlegt.)

 

Welche Rolle spielt Sexualität?

Elke: Für meinen Partner und mich spielt Sex eine große Rolle. Ich glaube auch, dass das jung hält. Und damit meine ich nicht einmal im Monat Hausfrauensex, sondern sich Dinge einfallen zu lassen.
Karin: Sexualität ist für mich ganz wichtig, heute weiß ich, was ich will und was ich nicht will. Meine Sexualität ist über die Jahre immer besser geworden. Bevor ich schlechten Sex habe, brauche ich gar keinen. Dann lasse ich es lieber bleiben.
Elke: Wie sagst du da? Schluss, ich mag nicht mehr? (lacht)

 

Steht man ab 50 über Problemen mit allfälligen Problemzonen?

Karin: Ach, man arbeitet mit Tricks, etwa Kerzenlicht (lacht).
Elke: Wenn du einen Mann hast, der dich liebt und Weiblichkeit mag, ist das alles egal. Ich war nie ganz dünn. Früher habe ich mir deswegen Stress gemacht und meinem Körper die Schuld gegeben, wenn ich einem Mann nicht gefiel. Ab 40 habe ich begonnen, zu akzeptieren, dass sich gewisse Dinge nicht ändern lassen. Wenn ich heute zwei Kilo abnehmen will, ist das jetzt viel schwerer möglich.
Karin: Früher habe ich viel mehr Makel an mir kritisiert als heute. Das Thema perfekter Körper wird halt auch durch die Medien hochstilisiert. Wenn du richtig guten Sex hast, sind diese Makel doch völlig egal, da geht es um Verlangen und Hingabe, man ist in einem Gefühl drinnen, wie in einer Blase.
Elke: Wenn man sich wirklich liebt, wäre es ja sehr oberflächlich, würde das eine Rolle spielen.

 

Wenn ihr zurückdenkt, sagen wir Mitte 20. Was unterscheidet den Sex zu heute?

Beide: Mit 20 will man nur dem Mann im Bett gefallen. Das ist mit 50 nicht mehr der Fall.

 

Wo liegen bei euch eigentlich die Grenzen bei Schönheits-OPs?

Elke: Botox käme für mich nicht infrage, aber die Schlupflider würde ich mir gegebenenfalls operieren lassen.
Karin: Es gibt viele Möglichkeiten, warum also nicht. Aber die Natürlichkeit muss erhalten bleiben.

 

Symbiose

Habt ihr schon Angst vor dem 60er?

Karin: Dass ich mich jetzt wohlfühle, ist eine Momentaufnahme. Mit dem 50er hatte ich kein Problem, ich weiß nicht, wie das mit 60 sein wird.
Elke: Ich habe schon ein Problem mit dem Altwerden. Ich möchte keine 20 oder 30 mehr sein, 40 aber schon … Dazu kommt, dass mein Vater mit nur 60 Jahren verstorben ist. Ich habe schon Angst davor, krank zu werden. Noch dazu, weil ich meinem Vater in so vielen Dingen ähnlich bin.

 

Wie gehst du damit um?

Elke: Ich gehe regelmäßig zu Untersuchungen. Doch diese Angst ist irgendwie immer im Unterbewusstsein.

 

Wechseln wir zu Positivem. Was macht euch Spaß im Leben?

Elke: Arbeiten, die Kinder, gute Freunde, unser Haus in Griechenland. Auch wenn Letzteres etwas ist, das sehr einnimmt und viel Geld und Urlaub verschlingt. Für mich ist Zufriedenheit im Leben das Um und Auf. Menschen, die krank sind und Sorgen haben, sehen vieles vermutlich anders.
Karin: Naja, ich war lange Jahre sehr krank. Nach all den Schicksalsschlägen kann ich sagen: Ich bin sehr froh, dass ich noch da bin. Ich bin nicht gram darüber, was ich alles durchleben musste. Ich lebe schon länger allein, bin aber gesegnet mit Freundeskreis und Familie.

 

Karin, wie wäre dein Traummann?

Karin: Ich lebe schon länger glücklich allein, bin aber nicht abgeneigt, dem Richtigen zu begegnen. Ich erwarte mir Wertschätzung, Respekt, Ehrlichkeit und Authentizität. Der Mann sollte „fertig“ sein und niemandem mehr etwas beweisen müssen.

 

Wie hat sich für euch das Thema Freundschaft verändert?

Elke: Sehr. Im Laufe des Lebens kommen und gehen Freunde. Die, die gehen, waren vermutlich nie richtige Freunde. Ich glaube, dass man in jungen Jahren mehr Freundschaften hat und nur wenige davon ein Leben lang halten. Karin und ich sind seit 39 Jahren befreundet, diese Freundschaft übersteht alles.
Karin: Ja, wir sind Freundinnen, auch wenn wir eine Zeit lang keinen Kontakt hatten.
Elke: … und wir können streiten und lassen es auch zu …
Elke: Das geht aber nur, wenn man auf derselben Wellenlänge ist.
Karin: Manchmal kommen Freunde, bei denen man glaubt, dass sie welche sind. Und plötzlich sind sie weg und die Freundschaft ist zu Ende. Man muss Dinge nehmen, wie sie kommen. Das ist auch eine Eigenschaft, die mit dem Alter gekommen ist: Ich bin brutal ehrlich.
Elke: Das war ich schon immer. Jetzt habe ich aber nicht mehr das Bedürfnis, gefallen zu wollen.
Karin: Ich mag nichts mehr sagen, von dem ich weiß, dass es mein Gegenüber gern hören würde. Wenn man mich nicht mag, ist es okay. Ich mag ja auch nicht jeden.

 

 

 

 

Karin Ladler, 52, 

arbeitet im Familienbetrieb Ladler Eisstöcke. Sohn Philipp ist 25 Jahre. Karin ist Single. Kraft holt sie in der Natur, und das auch gern alleine.

 

Elke Schaffler, 52,
arbeitet bei der Energie Steiermark. Sie ist in zweiter Ehe verheiratet und hat eine Tochter sowie drei Stieftöchter. Sie bezeichnet sich als Familienmensch.

 

(v.l.)