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People | 26.02.2018

Weg und Ziel zugleich

Elisabeth Krautinger hat nach Jahren in der Bekleidungsindustrie einen neuen Weg eingeschlagen: Im Haus ihrer Oma in Passail hat sie Raum für Yoga und Kreativität geschaffen. Therapieeinheiten, Auszeiten und Nähstunden stehen dort auf dem Programm.

Es ist ein Platz, der Kindheitserinnerungen beherbergt – mitten in Passail, das in einem malerischen Becken im Almenland liegt. Eigentlich wollte Elisabeth Krautinger das Haus ihrer Oma, die 102 Jahre alt wurde, verkaufen. Im Zuge von Räumungsarbeiten in dem Haus verspürte sie aber einmal mehr die emotionale Nähe und die positive Energie, die sie mit diesem Platz verbindet, und behielt das Haus doch.

Hier laufen nun seit Herbst die Fäden zusammen, die sich in den vergangenen Jahren in ihrem Leben aufgetan haben. 30 Jahre lang war Elisabeth Krautinger, die an der Universität für angewandte Kunst in Wien Modedesign studiert hat, in der nationalen und internationalen Bekleidungsindustrie tätig. Sie hat unter anderem Kollektionen für Lodenfrey, Salko, Allwerk und Licona erstellt und unter ihrem eigenen Label >krautinger-wien> Damen- und Herrenmode produziert.

 

Kreativer Prozess.
Später, als Leiterin der Designabteilung der Superfit-Kinderschuhe in Graz, gestaltete sie mit Kindern in Kreativworkshops deren Lieblingsschuhe, um die Bedürfnisse von kleinen Kunden aus erster Hand zu erfahren: „In welchem Alter sind welche Farben und Motive gefragt, wann fangen Buben an, sich mit den drei Streifen zu identifizieren, wann mögen sie kein Rosarot mehr – all das war interessant. Wirklich in den Bann gezogen hat mich allerdings, was der kreative Prozess mit den Kindern macht und wie gut er ihnen tut. Manche von ihnen waren drei Stunden lang wie gefesselt von unserem gemeinsamen Tun.“

Die Ausbildung zur Kunsttherapeutin war für die Grazerin daher ein weiterer Schritt. Die Abschlussarbeit führte sie für ein Kreativprojekt mit Kindern nach Kenia. „Diese jungen Menschen dort haben mir gezeigt, wie wichtig die Körperebene sein kann. Ich habe Yogaübungen mit ihnen gemacht, obwohl ich das ursprünglich gar nicht vorhatte. Aber genau auf diesem Weg habe ich sie erreicht. Es war einfach unglaublich, wie sie sich auf Imaginationsreisen eingelassen und sich geöffnet haben.“ Selbst war die zweifache Mutter erstmals vor 19 Jahren in ihrer ersten Schwangerschaft mit Yoga in Berührung gekommen, lange Zeit praktizierte sie aber nur für sich selbst, bevor sie sich dann in Spanien und Indien zur Yogalehrerin ausbilden ließ.

 

Beitrag.
Im lichtdurchfluteten Wintergarten des Yoga- und Kreativhauses in Passail hat Vishnu, eine der drei Gottheiten im Hinduismus, einen festen Platz. Vishnu kommt der Religionslehre nach immer wieder auf die Erde zurück, wenn es Unfrieden gibt, um einen ausgleichenden Beitrag zu leisten. Einen persönlichen Beitrag leisten, das will auch Elisabeth Krautinger. In ihrer Tätigkeit inmitten großer Konzerne war diese Möglichkeit wenig zufriedenstellend, berufliche Selbstständigkeit war für sie die authentische Konsequenz. „Ein Jahr lang habe ich gedacht, ich muss mich zwischen Design sowie Yoga- und Kunsttherapie entscheiden. Aber dann wurde mir klar, dass ich auch alles miteinander verbinden kann. Und das verbindende Element war narayana.“ Narayana ist einer der 1.000 Namen, die Vishnu trägt, und der Name des Labels ihrer Yogamode, das sie 2016 gegründet hat. „Die indische Philosophie, die Haltung, die Farben, die Muster, die Druckmotive Indiens inspirieren mich sehr.“

Weg zu sich selbst.
Das Haus ihrer Oma hat sie nicht nur für Yogaeinheiten adaptiert, gleich an den Wintergarten schließt das Kreativ-Atelier an. Hier entwirft Elisabeth Krautinger Yogamode, nach Wunsch auch als Maßanfertigung. Dafür und für die Sitzkissen verwendet sie ausschließlich ökozertifizierte Materialien. Sitzkissen sind mit regionalen Dinkelspelzen aus biologischen Anbau gefüllt. „Das alles gehört für mich gewissermaßen zu meinem Beitrag.“ Noch entwirft, fertigt und finalisiert sie alles selbst, in Nähworkshops will sie ihr Wissen künftig auch an Interessierte weitergeben.
Fernab urbaner Lifestyle-Studios sagt sie: „Yoga ist zu einer Lebenshaltung für mich geworden. Yoga bedeutet für mich Wertschätzung für sich selbst und für unsere Umwelt. Die Übungen auf der Matte sind natürlich ein Teil davon. Yoga bringt den Geist zur Ruhe und führt von der Dichte der Außenwelt wieder mehr zu sich selbst. Es ist ein Wort für Weg und Ziel zugleich.“ In ihren Yogakursen und auch yogatherapeutischen Einzelstunden stehen die Bedürfnisse der Praktizierenden im Mittelpunkt, um Begleitung und Unterstützung bei individuellen Anliegen, körperlich und auch seelisch, bieten zu können. „Jedes Asana hat seine Wirksamkeit, der Kopfstand bringt beispielsweise Stabilität und verändert Blickwinkel und Sichtweise. Und mein Lieblingsasana „Krieger II“ stärkt unsere Mitte, Kraft und Vision.“

Eindrücke