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People | 01.10.2018

Mein Zuhause

In neuem Umfeld Fuß gefasst!

Talida Anabel Talpas, 32, aus Bistrita, Rumänien

Weitblick. Ihre Mutter kam vor über 20 Jahren nach Österreich, um hier ein besseres Leben zu finden, und holte Talida, die bei der Oma in Rumänien war, nach, als diese fünf Jahre war. Heimat ist für Talida, die heute als Art Director arbeitet, dort, wo man sich gerne niederlässt. Das kann auf der ganzen Welt sein. Ihre große Liebe ist Kalifornien, wo sie drei Monate verbrachte, aktuell bezeichnet sie als ihre Heimat Graz und Bistrita, wohin sie regelmäßig fährt. An den Geschmack ihrer Kindheit erinnert sie sich gern, den Polenta mit Sauerrahm und Speck oder den selbst gemachten Schafskäse bei der Oma. Leben möchte sie in Rumänien allerdings nicht, das monatliche Einkommen liegt bei rund 300 Euro, die Lebensmittel kosten nahezu gleich viel wie in Österreich. Die meisten Menschen dort haben mehrere Jobs gleichzeitig. Kritisch sieht Talida die politischen Strömungen in Österreich. Sie würde sich wünschen, dass die Menschen mehr über ihren Tellerrand blickten und andere Kulturen nicht immer als Bedrohung sähen. 


Pelin Polat, 18, aus Konya in der türkei

Toleranz. Mit fünf Jahren folgten Pelin Polat und ihre Mutter dem Vater, der schon zuvor in die Steiermark gezogen war. In der Türkei, woher die Familie stammt, war ihr Leben als kurdische Minderheit nicht immer einfach. Die deutsche Sprache lernte Pelin in der Volksschule, in der sie von ihrer Lehrerin unterstützt wurde. So richtig angekommen in ihrer neuen Heimat ist sie erst mit dem vollständigen Spracherwerb mit etwa acht Jahren. Pelin lernt bei der Bäckerei Martin Auer Einzelhandels- und Systemgastronomiefachfrau. Kopftuch trägt sie, seit sie zehn Jahre ist, auch wenn ihre Mutter fand, sie sei dafür noch zu jung. Rund 60 Kopftücher hat Pelin zuhause. Ihr Bruder arbeitet als Elektriker, die Schwester geht noch zur Schule. In die Türkei fährt die Familie regelmäßig, ihre Zukunft sieht Pelin eher in Graz. Ihr Traum: ein eigenes Lokal eröffnen. Was sie sich wünschen würde? Toleranz und die Erkenntnis, dass alle Menschen sind, wie sie sind, egal, was sie an- oder aufhaben. Denn letztlich gibt es keine Unterschiede.


Sally Babusek, 58, aus Spalding, Großbritannien

Europa. 1978, zwischen Schulabschluss und Universität, kam die Britin Sally nach Österreich. Sie wollte in ein Land, dessen Sprache sie nicht konnte, und fand eine Au-pair-Stelle in Bruck. Mit ihrem ersten Mann zog sie nach Innsbruck, mit drei kleinen Kindern kam das Paar nach Bruck zurück, die Ehe scheiterte. Sally heiratete 1996 erneut. Geprägt hat sie ihre Kindheit in Großbritannien, ihre Heimat ist da und dort, mehr vielleicht in Österreich, auch wenn sie nach wie vor den britischen Pass besitzt. Vor EU-Zeiten musste sie mühsam um Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung ansuchen, nicht nur deshalb ist für die Englischtrainerin die EU ein „schöner Gedanke“. Den Brexit kann sie nicht nachvollziehen, immerhin halten die ausländischen Bürger dort die Wirtschaft auf Trab. Was mit ihnen wird, ist ungewiss. In Sachen Multikulturalität sei Großbritannien gefestigter als Österreich, die Bürger aus anderen Kulturen seien in der Gesellschaft angekommen und aufgestiegen. Hier wie dort sorgt sie der Rechtsruck und der zunehmende Nationalismus.