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Lifestyle | 21.09.2022

Essenzielle Nebensache

Beim Kauf einer Immobilie ist mit mehr Kosten als dem Kaufpreis zu rechnen. Was man beim Erwerb der Wunschimmobilie unbedingt beachten sollte, erklärt Rechtsexpertin Anna Lindner.

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© Shutterstock

Der Wunsch nach einem Eigenheim ist auch in der jetzigen Zeit groß. Wer sich diesen Wunsch verwirklichen möchte, nimmt dafür meist hohe Summen Geld in die Hand. Oft ist es Käufern aber nicht bewusst, dass sie neben dem Kaufpreis auch noch mit weiteren Kosten rechnen müssen. Mit welchen Nebenkosten zu rechnen ist, erklären wir hier im großen „Alles rund ums Eigenheim“-Spezial.

STEIRERIN: Eine Frage vorweg, ist der Kauf einer Immobilie ohne rechtliche Unterstützung überhaupt möglich?
Anna Lindner: Ein Rechtsanwalt ist in der Beratung und Abwicklung von Immobiliengeschäften eine kaum mehr wegzudenkende Komponente und darum würde ich sagen: nein. Es empfiehlt sich, auf rechtliche Unterstützung beim Kauf einer Immobilie zu setzen. Die eingesetzten Summen sind ja meist nicht gerade gering. Da ist Vorsicht besser als Nachsicht.

Was sollte man vorab beim Kauf einer Immobilie beachten?
Unter anderem sollte Basis eines jeden bevorstehenden Immobilienkaufes eine korrekte und überschaubare Kalkulation aller jetzigen und zukünftigen Kosten sein; denn nur dann, wenn man die tatsächlichen Kosten vorab im Blick hat und eine entsprechende Kalkulation vornimmt, kann abgeschätzt werden, welcher Immobilienkauf tatsächlich dauerhaft möglich ist. Daher gilt es, sämtliche Kosten, die neben dem Kaufpreis selbst anfallen, beim Kauf des Eigenheimes vorab zu bedenken.

Was meinen Sie mit jetzigen und zukünftigen Kosten?
Die meisten Kosten beim Immobilienkauf fallen rund um die Vertragsunterzeichnung an. Neben der Kaufpreiszahlung müssen eben auch die Nebenkosten bedacht werden. Manche Nebenkosten sind unvermeidbar, andere hingegen können optimiert werden. Jedenfalls sollten für die Abdeckung der Nebenkosten rund 10 bis 15 % vom Kaufpreis zusätzlich eingerechnet werden.


© Conversory

Anna Lindner
www.lindner-rock.at

 

 

Stichwort: unvermeidbare Nebenkosten. Um welche handelt es sich hierbei?
Der Käufer hat zum Beispiel jedenfalls die Grunderwerbsteuer zu zahlen, die grundsätzlich 3,5 % vom Kaufpreis beträgt. Für die Eintragung des Eigentums ins Grundbuch ist eine Gebühr von 1,1 % des Kaufpreises zu entrichten. Sollte das Kaufobjekt durch eine Hypothek belastet werden, fallen nochmals 1,2 % vom Wert des Pfandrechts für dessen Eintragung an. Hinzu kommt die gerichtliche Pauschalgebühr für die Verbücherung, welche tarifmäßig bestimmt ist.

Oft wird der Immobilienkauf auch über einen Makler abgewickelt, gibt es hier Besonderheiten?
Wird eine Immobilie verkauft, kann der Immobilien­makler in der Regel sowohl mit dem Verkäufer als auch mit dem Käufer eine Provision vereinbaren. In der Praxis ist es jedoch üblich, dass die Maklerprovision zwischen Käufer und Verkäufer zu gleichen Anteilen getragen wird. Die Höhe der Provision richtet sich dabei nach der Höhe des Kaufpreises. Die maximale Höhe der Maklerprovision ist in Österreich gesetzlich geregelt.

Mit welchen Kosten muss man für die Vertragserrichtung bei einem Rechtsanwalt rechnen?
Die Höhe der Rechtsanwaltskosten betragen grundsätzlich ungefähr 1 bis 3 % des Kaufpreises. Darüber hinaus besteht aber die Möglichkeit, ein Pauschalhonorar zu vereinbaren. Für die Eintragung des Eigentumsrechts ist es aber auch notwendig, dass die Unterschriften auf der Vertragsurkunde notariell beglaubigt sind, wofür der Notar gesondert Kosten in Rechnung stellt, welche sich nach dem Kammertarif richten.

Welche zukünftigen Kosten muss der Käufer beim Immobilienkauf beachten?
Zusätzlich zu den erwähnten Nebenkosten sollten auch die laufenden Betriebskosten für die Immobilie bei der Anschaffung berücksichtigt bzw. geprüft werden. Dazu zählen beispielsweise: Wasser-, Strom- und Heizkosten, Rücklagen für die Instandhaltung (z. B. Terrasse, Garten, Sanierung der Fassade), Gemeindeabgaben (z. B. für Müll­entsorgung), Rauchfangkehrer, GIS-Gebühren und Internet. Denn es können nach dem Immobilienkauf immer noch überraschende Ausgaben auftreten und es sollte für solche Ausgaben, z. B. zusätzliche Reparaturen, ein finanzieller Spielraum vorhanden sein.

Welche Nebenkosten gibt es?

Grunderwerbsteuer: 3,5 % des Kaufpreises

Erstellung des Kaufvertrages: 1 bis 3 % des Kaufpreises

Grundbuchseintragung: 1,1 % des Kaufpreises

Eintragung der Hypothek im Grundbuch: 1,2 % des Hypothekbetrags

Provision des Immobilienmaklers: abhängig vom Kaufpreis