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Lifestyle | 20.09.2022

„Pommes für alle“

Am 20. September ist Weltkindertag. Ein Tag, der sich um die dreht, die zwar schon viel zu sagen haben – aber nicht so oft gehört werden, wie sie es verdienen. Stellvertretend haben wir daher Raffael zum Gespräch gebeten.

Text: Stephanie Gaberle, Fotos: © Privat, Erwin Scheriau

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Raffael Rötzer ist sechs Jahre alt – ein aufgeweckter, weltbegeisterter Bub, der während des Gesprächs immer wieder mit seinem Rollstuhl quer durchs Parks Café in Graz flitzt, bevor er wieder zum Tisch mit Mama Martina kommt und ein, zwei Pommes in seinem Mund verschwinden lässt. „Ich sitze im Rolli, weil ich eine Muskelerkrankung habe“, erzählt er. Wie es so ist, damit herumzufahren? „Jetzt gerade ist der Rollstuhl im Sportmodus, also richtig schnell.“ Das andere Modell zu Hause sei nicht ansatzweise so flott unterwegs – Raffael bezeichnet die Geschwindigkeit eher als „Schneckenmodus“ und hat auch gleich eine Geschichte parat. „Einmal bin ich mit meinem alten, richtig schnellen Rollstuhl, dem Skippy, im Teich untergegangen, dann war der Motor kaputt. Leider nicht wasserdicht.” Das sei lebensgefährlich gewesen - und auch sehr traurig, mit Skippy wäre er beispielsweise bei seinem heutigen Ausflug auf den Schöckl noch schneller gewesen als seine Betreuerin Stephi.

Im August 2022 war gerade erst der internationale SMA Awareness Month. Mit der Erbkrankheit Spinale Muskel­atrophie – einem Muskelschwund, bedingt durch das Absterben motorischer Nervenzellen – ist das tägliche Leben eine Herausforderung für Raffael und seine Familie, erklärt Mama Martina: „Man hat mit vielem zu kämpfen. Bewilligungen für Unterstützungen, der barrierefreie Zugang zu vielen Spielplätzen, anderen Einrichtungen oder Veranstaltungen ist oft noch immer nicht gegeben. Das muss irgendwann überall kommen.“ Der Besuch des Kindergartens, seine Physiotherapie und andere Hürden – Raffaels Alltag sei anders als der anderer Kinder.

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Raffael Rötzer mit Mama Martina

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Raffael Rötzer mit Mama Martina

Der Geschichtenerzähler

Der aktuelle farbenfrohe Rolli des 6-Jährigen ist mit vielen Dinosaurier- und Drachenstickern geschmückt, die Räder ziert ein Orca-Wal-Motiv, das Raffael selbst ausgesucht hat. Auf Reha hat er Dinge gelernt wie Schwimmen und Tauchen, was er heute gern mit seinem Papa Robert macht – oder gar einen Rolli-Dance zu Hip-Hop-Musik. „Da haben wir mit der Trainerin einen eigenen Tanz geübt“, strahlt er – und mit seiner Mama an der Hand tanzt er uns direkt etwas vor.

Als großer Tierfan mit Hang zum Detailwissen und einem breiten Know-how zu Flora und Fauna hat er jederzeit viel Interesse daran, etwas Neues zu lernen und seine Expertise zu teilen. Auch der großartige Geschichtenerzähler in ihm kommt zum Vorschein. „Ich habe eine Landschildkröte namens Drachileini. Die spaziert manchmal zum Nachbarn, letztes Mal war sie sogar drei ganze Tage weg auf ihren Abenteuern und man findet sie schwer, weil sie nur so groß ist wie meine Hand. Sie verträgt auch kein Gemüse – am liebsten frisst sie Löwenzahn, Klee, Breit- und Spitzwegerich oder Kornblumen.“ Als größeres Haustier sei eines Tages ein lieber Begleithund mit therapeutischer Ausbildung geplant – ein Wunsch, der hoffentlich in Erfüllung gehen wird. „Da gibt es natürlich viel zu beachten und zu organisieren, damit wir den richtigen Hund finden, der gute Unterstützung bieten kann“, sagt Mama Martina. „Aber ja, das ist ein Ziel von uns, hoffentlich können wir es erreichen.“

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Mit Mama, Papa, seinen Geschwistern oder Betreuerin Stephie – Raffael genießt das Leben. Schade findet er nur, dass es in echt keine Drachen gibt.

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Mit Mama, Papa, seinen Geschwistern oder Betreuerin Stephie – Raffael genießt das Leben. Schade findet er nur, dass es in echt keine Drachen gibt.

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Mit Mama, Papa, seinen Geschwistern oder Betreuerin Stephie – Raffael genießt das Leben. Schade findet er nur, dass es in echt keine Drachen gibt.

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Mit Mama, Papa, seinen Geschwistern oder Betreuerin Stephie – Raffael genießt das Leben. Schade findet er nur, dass es in echt keine Drachen gibt.

Pommes für alle

Was Raffael in den Sommerferien macht? „Wir fahren immer in die Slowakei – dort besuchen wir Oma und Opa. Und wir gehen zum Drachenfest!“ Dieses Wort allein löst sichtlich Hochstimmung aus – das Fantasy-Fest zu besuchen, sei ein großer Traum von ihm, immerhin liebt er diese Fabelwesen und kann auch im Detail erläutern, warum Feuerdrachen eindeutig die coolsten sind. In seiner Freizeit gönnt er sich auch gerne Hörgeschichten zum Thema. „Der Drachenreiter zum Beispiel“, sagt Raffael. „Ich schaue auch gerne Serien, vor allem, wenn Drachen darin vorkommen, wie in Spyro.“ Zudem liebt er die Sendung Universum oder andere Dokus, wo er etwas Neues über Tiere und die Natur lernen kann.

Was sein größter Wunsch ist? „Ich wünschte, es gäbe Drachen auf der Welt. Weil man sagt zwar, Komodowarane sind die letzten Drachen, aber die können kleine Kinder fressen, und Giftdrüsen haben sie auch. Da muss man aufpassen. Also schöner wären freundliche Drachen wie Ohnezahn.“

Und was Raffael allen Kindern zum Weltkindertag wünscht als repräsentative Stimme der neuen Generation? Er überlegt nur kurz, dann grinst er. „Pommes. Pommes für alle Kinder!“