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Lifestyle | 14.09.2022

Finanzieren – aber wie?

Die neuen Kreditvergaberegeln sorgen noch für Unsicherheit. Was sich wirklich ändert und inwiefern das die Finanzierung der Wunschimmobilie beeinflusst, erklärt Gerhard Fabisch, Vorstandsvorsitzender Steiermärkische Sparkasse, im Interview.

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© Shutterstock

STEIRERIN: Seit 1. August gelten neue Vergabekriterien bei Krediten. Welche Punkte umfassen die Änderungen?
Gerhard Fabisch: Vereinfacht gesagt gilt nun unter anderem, dass die Kreditraten, die der Kunde zahlen muss, nicht höher als 40 Prozent seines monatlichen Einkommens sein dürfen und dass der Kreditvertrag die Laufzeit von 35 Jahren nicht überschreiten darf. Und der Kreditnehmer muss eine Eigenmittelquote von 20 Prozent aufweisen können. Der letzte Punkt ist wohl aktuell der meistdiskutierte in der Öffentlichkeit.

Stichwort: Eigenkapital. Wie ermittelt sich diese Eigenmittelquote und was genau wird als Eigenmittel gezählt?
Im Allgemeinen gilt: Die Summe aller Sicherheiten, die der Kunde anbietet, sind die Basis, und der gewünschte Kredit darf nicht mehr als 90 Prozent dieser Sicherheiten sein. Da sich die Nebenkosten auf circa 10 Prozent der Kaufsumme beziehen, ergibt sich die notwendige Eigenmittelquote von 20 Prozent. Als Eigenmittel zählen angespartes Kapital sowie Grundstücke oder Immobilien. Ist zum Beispiel ein Wertpapierdepot vorhanden, das man nicht für den Kauf auflösen möchte, kann es trotzdem in die Basis miteinbezogen werden, was sich positiv auf die Kreditwürdigkeit auswirkt.

Gerade junge Leute haben selten schon viel Eigenkapital angespart. Bleibt ihnen damit der Traum vom Eigenheim verwehrt?
Gerade das Kriterium der Eigenmittelquote stellt für junge Menschen und Familien oftmals eine Hürde dar. Gehen wir von einem Kaufpreis von 400.000 Euro aus, bräuchte man 80.000 Euro an Eigenmittel. Das ist bei vielen jungen Menschen
natürlich nicht verfügbar. Familiäre Unterstützungen oder Erbschaften erleichtern oft die geforderte Eigenmittelquote. Wenn diese Faktoren nicht vorhanden sind, braucht es Jahre des Ansparens, um eine Immobilienfinanzierung zu realisieren.

Merkt man aufgrund der neuen Kriterien schon einen Rückgang bei der Kreditnachfrage?
Nein. Immobilieninvestitionen sind normalerweise Prozesse, die man länger vorbereitet und gut überlegt. Aktuell sind die Leute eher vorsichtiger bei Bauprojekten aufgrund der steigenden Baukosten und der teils unsicheren Lieferketten. Die Kreditvergabekriterien sind eher selten für jemanden hinderlich.

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Gerhard Fabisch, Vorstandsvorsitzender Steiermärkische Sparkasse © Thomas Luef

Inwiefern spielen die steigenden Zinsen eine Rolle bei der Überlegung, sich einen Kredit zu nehmen?
Auch wenn die Zinsen leicht steigen, ist das Zinsniveau nach wie vor auf einem sehr niederen Niveau.

Variable oder fixe Verzinsung … was ist zu empfehlen?
Fixzinskredite waren bis vor einem Jahr noch zu besonders guten Konditionen zu bekommen. Im letzten halben Jahr sind sie aber bereits gestiegen – auf ein aktuelles Niveau von rund 3 Prozent. Variable Kredite beginnen jetzt zu steigen. Diese befinden sich aktuell auf einem Niveau von 1,75 Prozent. Die Wahl des Fixzinses macht nur Sinn, wenn man der Meinung ist, dass dieser Vorteil in kurzer Zeit verloren geht beziehungsweise die variablen Zinsen die fixen deutlich überholen.

Wie ist Ihre persönliche Prognose?
Ja, ich glaube, dass die Zinsen weiter steigen werden, aber ich glaube nicht, dass sie so stark steigen werden. Ich sehe daher die variablen Zinsen mittelfristig nicht höher als die jetzt schon fixen Zinsen. Wer sich dennoch absichern möchte, dem ist eine Teilung anzuraten – die eine Hälfte fix, die andere variabel.

Warum ist der Steiermärkischen Sparkasse die Immobilienfinanzierung im Privatbereich ein großes Anliegen?
In der DNA unseres Unternehmens ist die nachhaltige Prägung der Steiermark bereits seit rund 200 Jahren tief verwurzelt. Die Finanzierung von privatem Eigentum zählt hier dazu, denn es gibt einer Gesellschaft Stabilität. Es ist im Sinne jedes Immobilienbesitzers, seine Immobilie stets in einem guten Zustand zu halten, und es tut jedem Ort und jeder Stadt gut, wenn es dort viele Immobilien im Besitz von Privatpersonen gibt. Wir als Steiermärkische Sparkasse werden unsere Kunden als verlässliche Finanzpartnerin auch weiterhin unterstützen, damit ihre Wohnwünsche auch zukünftig in Erfüllung gehen.

Zum Abschluss eine persönliche Empfehlung von Ihnen an zukünftige Kreditnehmer?
Überlegen Sie sich den Erwerb von Eigentum gründlich, denn es wird wahrscheinlich die größte Investition im Leben sein. Entscheidend ist dabei vor allem die Lage – die ist im Nachhinein nicht mehr veränderbar. Und … reden Sie mit Menschen, die Erfahrung haben – mit Profis fürs Finanzieren und fürs Bauen.


Wohnen in Österreich

  • Eigentumsverhältnisse: 55 % Eigentum, 45 % Miete
  • Personen pro Haushalt: im Durchschnitt 2,2
  • Durchschnittliche Wohnnutzfläche: 102 m2 (45,5 m2 p. P.)
  • Knapp jede fünfte Person (21 %) wünscht sich mehr Platz
  • 49 % aller Mieter können sich Eigentum im Grunde derzeit nicht leisten

 

Quelle: Eurostat, Statistik Austria, Wohnstudie 2021 der Erste Bank, Sparkassen und s Bausparkasse