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Lifestyle | 28.06.2022

Reden wir, aber richtig!

Kommunizieren bedeutet in Verbindung sein. Dazu braucht es mehr als bloß miteinander zu reden. Es braucht Wertschätzung und vor allem braucht es Struktur. Kommunikationstrainerin Irmgard Wallner erklärt, wie Reden mit Leichtigkeit gelingt.

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© Shutterstock

Wussten Sie, dass bis zu 80 Prozent der Konflikte, die in einem Gespräch entstehen, auf Missverständnissen beruhen? Reden ist also nicht gleich Kommunikation. Für die braucht es nämlich viel mehr, um bei seinem Gegenüber gut anzukommen, verstanden zu werden und eine Verbindung aufzubauen. Beruflich wie privat. Für ein wertschätzendes Gespräch braucht es Vorbereitung, Aufmerksamkeit, eine positive innere Haltung und die Fähigkeit zuzuhören. Das Grundprinzip einer gelungenen Kommunikation ist also immer das gleiche und dieser konstruktive Austausch lässt sich trainieren. Mittlerweile tut das die Grazer Kommunikationstrainerin von „Sprache verbindet“, Irmgard Wallner, online und seit der Pandemie von ihrer neuen Wahlheimat, Südfrankreich, aus. Mit ihrem Webinar zum Thema gewaltfreie und wertschätzende Kommunikation hilft sie Menschen, sich wieder neu zu verbinden und gerade nach der langen Phase der Coronapandemie wieder miteinander zu reden, aber richtig.

 

STEIRERIN: Sie sind Kommunikationstrainerin und wissen, worauf es beim Gespräch ankommt.
Irmgard Wallner:
Reden ist noch nicht kommunizieren. Kommunizieren bedeutet, eine Verbindung zu seinem Gegenüber aufzubauen. Es braucht jemanden, der von sich spricht, und jemanden, der zuhört. Gelungene Kommunikation besteht aus drei Elementen: Bewusstheit – also innere Klarheit, was man überhaupt will –, bewusstes Sprechen und bewusstes Zuhören.

Wir reden oft einfach darauflos, dabei braucht ein Gespräch eine Strategie?
Wir reden oft darauflos, das ist der springende Punkt! Unüberlegt, automatisch. Häufig wird nicht einmal geschaut, ob der/die andere gerade aufnahmebereit ist. Und dann passieren Urteile, Vorwürfe, Bewertungen, Interpretationen. Eine Kommunikations-Methode bietet Klarheit und Struktur und einen Leitfaden. Man kann es natürlich auch spontan angehen. Spätestens, wenn es um etwas Herausforderndes geht und mir gutes Gelingen wichtig ist, macht es Sinn, strukturiert zu sprechen.

Wie erlerne ich diese Methode für wertschätzende Kommunikation?
Lesen Sie Bücher zum Thema Kommunikation, besuchen Sie Webinare und sehen Sie sich Videos an, um Sprach-Fallen und Wahlmöglichkeiten kennenzulernen. Und dann: spielerisch an die Kommunikation herangehen, ausprobieren, reflektieren und Erfahrungen sammeln. Übungsabende und begleitende Trainings sind weitere Möglichkeiten, um aktiv dranzubleiben.

 

Irmgard Wallner, Kommunikationstrainerin aus Graz, bietet gratis Webinare und begleitende Online-Trainings rund um gewaltfreie und wertschätzende Kommunikation an.
© Danila Amodeo

 

Aber warum scheitern oft Gespräche?
Oft wird nur etwas anders verstanden, als es gemeint war, vielleicht weil es auch nicht gut ausgedrückt war. Dann findet kein Zuhören mehr statt, jeder redet nur noch darüber, was man wie sieht. Steigt man hier nicht aus, steigt der Druck. Jede/r möchte gehört und verstanden werden. Die Folgen: man unterbricht, wird lauter, Verletzungen und Vorwürfe passieren.

Wie finde ich die richtigen Worte?
Wenn ich ernst genommen werden möchte, ist es zunächst wichtig, dass ich mich selbst wichtig und ernst nehme. Dass ich mir das selbst wert bin und mir bewusst mache: Was ist das Thema? Was sind die Fakten? Sachlich hinterfragt, worauf man im Gespräch Wert legt und was man gerne von seinem oder seiner Gesprächspartner:in hätte – aber bitte ohne Generalisierungen (immer, jedes Mal, nie …).

Was kann ich tun, sollte sich mein Gegenüber doch angegriffen fühlen?
Wenn man etwas gesagt hat, was als Angriff aufgenommen wurde, gilt es, das selbst wahrzunehmen, zu entspannen und den Druck herauszunehmen. Bedauern Sie es, dass Sie etwas Falsches gesagt haben, weil Sie ja eine andere Absicht hatten – nämlich die des Miteinanders. Fragen Sie nun den anderen, was seine Absichten sind, lenken Sie den Fokus auf etwas anderes, auf die Zukunft. Fragen Sie: Wie wollen wir es machen?

Im Beruf kommunizieren wir anders. Wie gelingen schwierige Gespräche mit Vorgesetzten in der Praxis?
In der Beziehung zu Vorgesetzten sind drei Bedürfnisse elementar: Sicherheit, Respekt, Selbstbestimmtheit. Schätzen Sie die Zeit Ihres Vorgesetzten und gehen Sie daher vorbereitet ins Gespräch. Kommen Sie auf den Punkt und zeichnen Sie mit Fakten ein Bild der Situation. Bitten Sie nun um konkrete Lösungen oder Vorschläge, danach geben Sie bewusst den Ball ab. Und bleiben Sie innerlich frei, egal wie er/sie sich entscheidet.

Und mit meinem Partner?
Stoppen Sie das Gespräch rechtzeitig, wenn es zu hitzig wird, und nehmen Sie sich eine kurze Auszeit, um sich klar zu werden, was die Absicht ist. Wenn es unterschiedliche Meinungen zu einem Thema gibt, fragen Sie sich: Müssen wir zu diesem Thema eine gemeinsame Entscheidung treffen? Lautet die Antwort nein, können sich beide entspannen! Dann kann man sich einig sein, dass man „zweinig“ ist. Ansonsten gilt es, gemeinsam daran zu arbeiten und sich klar zu machen, welche Bedürfnisse des anderen berücksichtig werden sollen.

 

7 Kommunikations-Tipps vom Profi

  1. Begegnen Sie Menschen im Alltag bewusst.

  2. Fragen Sie sich vor einem wichtigen Gespräch, was Ihr Ziel ist.

  3. Bereiten Sie Gespräche vor.

  4. Sprechen Sie erst, wenn Sie die volle Aufmerksamkeit haben.

  5. Hören Sie gut zu.

  6. Vergewissern Sie sich, ob Sie Ihr Gegenüber richtig verstanden haben und ob auch er/sie sich richtig verstanden fühlt.

  7. Ganz oft am besten: einfach still sein und aufmerksam zuhören.