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Lifestyle | 15.06.2022

Auch wenn man sie nicht sieht, sind sie da

Erstmals veranstaltet der Grrrls Kulturverein ein rein weibliches* Festival. Denn selbst in einer männerdominierten Musikszene ist das durchaus möglich – und musikalisch genial.

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© Larissa Zauser

Seit 2010 fördert der Grrrls Kulturverein Musiker:innen aus der heimischen Szene. Gegründet wurde der Verein aus einer Notwendigkeit heraus: Die Band der beiden Gründe-rinnen wollte einfach nicht gebucht werden. Also veranstalteten sie ihr eigenes Konzert mit vorwiegend Frauenbands. Etliche Konzerte und Auflegereien später hat sich der Verein einen Namen in der Grazer Szene gemacht und stellt mit der Grrrls DJ Crew DAS feministische DJ-Kollektiv der Stadt. Lilly Jagl und Kathi Wiesler sind seit 2016 im Vorstand und Mitorganisatorinnen des STERRRN* Festivals.

Am 22. und 23. Juni erwarten sie 200 bis 500 Gäste im großen Areal des Skulpturenparks, der spannenden Location für das Festival. Tickets gibt es gegen freiwillige Spende. „Wir wissen, dass Eintritt für manche eine Hürde ist“, sagt Lilly Jagl. „Wir möchten allen ermöglichen, auf das Festival zu kommen.“

 


Surfiger Garagenpop von DIVES beim ersten rein weiblichen Festival des Kulturverreins Grrrls © Martina Lajczak

 

STEIRERIN: Wie aufregend ist es, euer erstes Festival zu veranstalten?
Lilly Jagl: Wir machen zum ersten Mal etwas in dieser Größe und freuen uns sehr. Es ist total aufregend und total oag – aber so schön, dass wir das machen können. Man muss sich das trauen und zutrauen.

 

Wir sind es ja gewohnt, dass Festival-Line-ups hauptsächlich Männer vertreten.
Lilly: Bei vielen Festivals sind kaum weibliche* Musiker:innen vertreten. Es heißt dann, es gäbe keine coolen Frauenbands. Wir können sagen, das stimmt nicht: Wir hatten eher das Problem, dass es so viele gibt, dass wir Leuten absagen mussten.
Kathi: Unsere Musikacts sind alle in Österreich lebend, Performances kommen aus ganz Europa. Bei den Genres haben wir keine Grenzen gesetzt – von Hip-Hop über Punk, Elektro und Rock ist alles dabei. Musikalisch ist alles im subkulturellen Bereich, die Acts sind oft noch nicht so bekannt.

Wie ist das Line-up und Programm?
Lilly: Dives, Königin der Macht, Therese Terror sind einige der musikalischen Höhepunkte. Wir haben auch viele noch unbekannte Geheimtipps gebucht.
Kathi: Auf der Hauptbühne gibt es Musik und ein Programm mit Diskurs, Vorträgen und Diskussionsrunden. Auf der Pink Noise Newcomer Stage werden junge Talente präsentiert. Es gibt eine Lesebühne, eine Umstyling Station zum Dragking und zur Dragqueen, Workshops, Tanzperformances und vieles mehr.

Sind auch Männer vertreten?
Lilly: Es war uns total wichtig, dass nur FLINTA-Personen (= Frauen, Lesben, inter-, trans- und asexuelle Personen) die Bühne geboten wird. Wenige Ausnahmen gibt es zum Beispiel für die männlichen Mitglieder mit tiefer Stimmlage des Grrrls Chor oder Dragqueen Freya van Kant. Es soll aber so viel wie möglich in weiblicher* Hand bleiben.

Ist das Festival offen für Besucher:innen jeden Geschlechts?
Lilly: Es sollte Zuhörer:innen wurscht sein, ob ein Mann oder eine Frau auf der Bühne steht – deswegen sind auch alle Menschen eingeladen, zu kommen. Auf der Sterrrn-Website steht auch: Männer, die sich als Feministen identifizieren und unsere Vision mittragen, sind als Besucher oder Supporter willkommen.

Was ist eure Message mit Sterrrn?
Kathi: Dass das Argument nicht richtig ist, dass man rein mit FLINTA-Personen kein gutes Programm aufstellen kann. Divers zu sein ist keine Qualitätsminderung, sondern eine Bereicherung für alle Menschen.

Und zum Schluss: Mit Sterrrn ist das Gender-Sternchen gemeint, oder?
Lilly: Der Slogan des Festivals ist: „Selbst wenn du sie nicht siehst, sind sie da.“ Es ist eine Wortspielerei. Auch weil es in der Musikszene ja auch die Stars gibt – die Sternchen am Musikhimmel. Natürlich auch drei geknurrte R wie bei den Grrrls – kämpferisch und immer mit einem feministischen Augenzwinkern.

 


Rapperin KDM Königin der Macht © Videostill „Matryarkhat“