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Lifestyle | 28.04.2022

Räume nachhaltig gestalten

Nachhaltiges Bauen & Wohnen wird zu einer immer wichtigeren Thematik. Die STEIRERIN hat Experten zu den top ökologischen Wohntrends 2022 befragt.

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© Unsplash

Nach dem Öko-Trend in der Lebensmittelindustrie und dem in der Gesellschaft immer wichtiger werdenden Thema „Gesundheit“, zuletzt noch befeuert durch die Pandemie, wird immer mehr nun auch auf die „Wohngesundheit“ geachtet und nach Bauweisen, die dies fördern, gefragt. Beliebte Anlaufstelle für alle Fragen rund um das wohngesunde, nachhaltige und ökologische Bauen – und das bereits seit mehr als 30 Jahren – ist das „Das Haus der Baubiologie“ in Graz. Baubiologe Günter Schweyer spricht über die wachsende Nachhaltigkeits-Welle im Wohnbereich.

 

Baubiologe Günter Schweyer
© Haus der Baubiologie

 

Das Haus wird aktiv
Die Klimadebatte und die steigenden Energiepreise führen zu einem Umdenken. Nach der Entwicklung des Passivhauses – also maximale Minimierung der Wärmeverluste – geht es heute in die Richtung „Aktivhaus“ – ein Haus, das mehr Energie erzeugt, als es verbraucht. Die technischen Entwicklungen in der Nutzung der Sonnenenergie mit immer leistungsfähigeren Speichermöglichkeiten, neuerdings auch Salzwasserspeicher, kombiniert mit gut gedämmten thermischen Hüllen, bringen uns immer näher an eine autarke Insellösung.

Autark leben
Autarkie ist überhaupt ein großes Thema rund um das Eigenheim. Angefangen von der Tiny-House-Bewegung bis hin zu den Selbstversorgerhöfen mit Permakultur. Ein weiterer Trend ist die Nutzung regionaler ökologischer Rohstoffe – in der Steiermark, mit ihren ausgedehnten Wäldern, nimmt hier der Anteil der Holzbauten stetig zu. Holz gilt als CO2-neutral, bindet es doch während seines Wachstums das CO2 in seinen Zellen und gibt es erst nach seinem meist sehr langen Einsatz als Wand, Decke oder Dach bei der thermischen Verwertung wieder ab.

Sparen – nicht nur Geld
Der Trend geht 2022 aufgrund der Teuerungen im Bauwesen eindeutig in Richtung Ressourcen sparen. Ein Einfamilienwohnhaus zu bauen ist Luxus geworden – 3.500 Euro/m2 sind Realität. Noch dazu verbraucht das Einfamilienwohnhaus die meisten Ressourcen, vom Bauland und Oberflächen- beziehungsweise Volumsverhältnis bis hin zur Haustechnik. Kleinere nachhaltige Wohnformen, wie ein verdichteter Flachbau oder ein Reihenhaus, sind gefragt, denn dies spart bei der Errichtung und den Betriebskosten. Die Sanierung von alten Häusern ist eine wichtige nachhaltige Ressource, die künftig mehr Bedeutung bekommen wird. Neben dem Trend „Smart Home“, wo alles, von der Raumtemperatur über die Lüftung bis zur Beleuchtung, via intelligentes digitales Hausnetzwerk gesteuert wird, gibt es auch die Schiene „Lowtec“, so einfach wie möglich!

Eine Verlängerung unseres Selbst.
Wir sprechen bei den uns umgebenden Wänden auch von unserer 3. Haut. Unsere 2. Haut, die Kleidung, können wir bei Unbehagen leicht auswechseln, unser Haus kann dies nicht so leicht. Deshalb sollte man bei den einen umgebenden Bauteilen auf „Hautqualität“ achten, so Schweyer. Das bedeutet einen guten Feuchteausgleich: unbehandelte Naturmaterialien, wie z. B. Holz und Lehm, haben die Eigenschaft, Feuchte aufnehmen zu können und bei Bedarf wieder abzugeben. Gerade bei den Oberflächen in unseren Räumen ist hier auf diese Eigenschaften zu achten.

Für ein wohngesundes Innenraumklima sind unter anderem folgende Kriterien zu beachten: Reiz- und Schadstoffe reduzieren, für ausreichend Frischluft sorgen, die Vermeidung von Wärmebrücken (Schimmelbefall), neutral oder gutriechende Materialien verwenden (immer der Nase nach!), elektromagnetische Felder und Funkwellen reduzieren, für eine gute Wärmedämmung sorgen, Akustik und Schallschutz beachten, harmonische Proportionen und Formen verwenden, naturnahe Lichtverhältnisse schaffen und auf die Farbgestaltung achten.

Nachträglich gestalten.
Die eigenen vier Wände lassen sich auch nachträglich im Sinne Wohngesundheit adaptieren: Ökologische Innenraumfarben sind frei von Lösungsmitteln und Konservierungsstoffen. Oberflächenveredelung mit Lehmputzen oder Tonspachtelputzen. Echte Parkettböden, geölt statt lackiert, sind viel mehr als nur das Foto von einem Holzparkett unter einer Kunststoffschicht. Massivholzmöbel statt billiger kunststofffurnierter Bauplattenmöbel, gute flimmerfreie Beleuchtung mit verschiedenen Stimmungsakzenten, nachträgliche wasserführende Flächenheizung ist auch bei geringer Fußbodenaufbauhöhe mit Trockenestrichelementen möglich. Wohnraumlüftungen sorgen für genügend Frischluftaustausch und filtern Pollen und Staub aus der Luft. Als bekannteres Mittel gilt aber auch die Gestaltung der Lebensräume nach geomantischen Prinzipien wie zum Beispiel Feng Shui.

 

Wohnpsychologin Sabine Feichtinger
© Haus der Baubiologie

 

Sabine Feichtinger über die Wechselwirkung von Mensch & Wohnraum

Bei der Beschäftigung mit Wohnpsychologie erkennen wir, dass das Bauen eines Hauses ein höchst kognitiver Prozess ist, während das darauffolgende Wohnen etwas sehr Emotionales ist, erklärt die Raumpsychologin. Die Wohnpsychologie betrachtet den Menschen in seiner Ganzheit und baut diese Brücke. So gelingt es durch die wohnpsychologische Begleitung beim Hausbau, diese Ebenen zusammenzuführen, Bedürfnisse der Wohnenden herauszuarbeiten und damit entscheidende Veränderungen bewusst herbeizuführen.

Harmonie & Individualität
Unser Zuhause soll für Familien das harmonische Zusammenleben fördern, möglichst ohne Konflikte zu provozieren. Dies gelingt, wenn es neben Räumen der Gemeinschaft ebenso individuelle Rückzugsäume für alle Familienmitglieder gibt. Entsprechen die Räume nicht den Bedürfnissen der Bewohner, dann wohnen sie in einer nicht förderlichen, sondern sie eher einschränkenden Umgebung. Dabei erfüllt das Wohnen ein Grundbedürfnis des Menschen. Folgen wir dem Ursprung des Wortes, dann kommen wir schon zum Wesentlichen: das Wort „Wohnen“ entstand aus dem gotischen „wunian“ und bedeutet „zufrieden sein“, „zum Frieden gebracht und in diesem bleiben“, also „sein“. Fragen wir heute Wohnende, so suchen sie mehrheitlich Schutz, Sicherheit, Ruhe, Geborgenheit. Sie wollen daheim „bei sich sein“, das Wohnen ist dann ein Ort der Kraft und des Selbstausdrucks, hier finden Verwurzelung und persönliches Wachstum statt.

Ein Zukunftsausblick
Es wird künftig mehr denn je gefordert sein, nach dem „Zero-Waste“-Prinzip zu handeln: Vermeide, was du nicht brauchst, verringere, was du brauchst, verwende es wieder, recycle und lass den Rest verrotten. Das Prinzip der Nachhaltigkeit: ein verantwortungsvoller Umgang mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen, ein achtsamer Umgang mit unserer Mutter Erde. Die Verwendung regional verfügbarer ökologischer Baustoffe reduziert nicht nur lange Transportwege, sondern sorgt auch für die Förderung regionaler Baukultur und Handwerkskunst, so der Baubiologe. Die Renaturierung versiegelter Flächen oder aber die Begrünung von Dachflächen und Fassaden wird nicht nur für ein kühleres Mikroklima im städtischen Bereich sorgen, sondern auch den Grundwasserspiegel harmonisieren. Unsere Häuser werden autarke, sich selbst mit Energie versorgende, sich den Lebensumständen anpassende Organismen werden. In ihnen wird nicht nur gewohnt und gelebt, sondern auch gearbeitet, ihre Raumgestaltung wird eine nachhaltige Nutzung erlauben.

 

www.hausderbaubiologie.at

5 Tipps von der Wohnpsychologin zur Hausplanung aus wohnpsychologischer Sicht:

 

  1. Lösen Sie sich von Modetrends und hinterfragen Sie, was Ihnen persönlich tatsächlich entspricht.

  2. Formulieren Sie klar Ihre Bedürfnisse beim Wohnen.

  3. Kommunizieren Sie diese mit Ihren Mitwohnenden.

  4. Erheben Sie die Wohnbedürfnisse Ihrer Kinder durch ihre Entwicklungsphasen hindurch.

  5. Denken Sie an Ihre eigenen zukünftigen Lebensphasen und die sich verändernden Bedürfnisse.

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Egal ob Wohnung oder Haus –
die eigenen Wohnbedürfnisse zu erkennen und umzusetzen schafft
ein dauerhaftes und somit nachhaltiges Wohl- und Wohngefühl

© Unsplash

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