Loading…
Du befindest dich hier: Home | Lifestyle

Lifestyle | 30.03.2022

Unentgeltliche Übertragung von Liegenschaften

Die Tendenz zur Vermögensvorsorge in Immobilien hat stark zugenommen. Doch dabei gilt es so einiges zu beachten!

Bild shutterstock_1450729775_RGB.jpg
© Shutterstock

Liegenschaften dienen in der Regel der langfristigen Vermögensbindung – entweder zur Versorgung des eigenen Wohnbedarfs, als betrieblich genutzte Liegenschaften oder auch als Veranlagungsobjekte im Rahmen der Vermietung und Verpachtung. „Gerade in Zeiten, wo man am Sparbuch statt Zinsen zu erhalten Verwahrungsentgelte zahlt, hat die Tendenz zur Vermögensvorsorge in Immobilien stark zugenommen“, weiß Friedrich Möstl, Landesstellenpräsident der Kammer der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Steiermark. Von einer unentgeltlichen Übertragung spricht man im Falle einer Schenkung unter Lebenden oder bei Erwerben von Todes wegen (Erbanfall, Schenkung auf den Todesfall, Legat, Abgeltung eines Pflichtteilanspruchs, Erbteilung, Erlöschen des Fruchtgenussrechtes).

Achtung: Werden bei schenkungsweisen Übertragungen auch Darlehen oder andere Verpflichtungen (z. B. Leibrente) mit übertragen, so spricht man von einer gemischten Schenkung. Wenn das Darlehen oder die Verpflichtung mehr als 50 % des Wertes der Liegenschaft beträgt, so liegt keine unentgeltliche Übertragung, sondern eine entgeltliche Veräußerung (Verkauf) vor. Bei Verkauf einer Liegenschaft erfolgt eine Besteuerung des Überschusses mit Immobilienertragsteuer (30 %).

Grunderwerbssteuer
Obwohl es in Österreich keine Schenkungs- und Erbschaftssteuer gibt, fallen bei einer unentgeltlichen Übertragung von inländischen Grundstücken Steuern in Form der Grunderwerbsteuer (GrESt) und der Grundbucheintragungsgebühr an. Ausgelöst wird das durch den Eigentumsübergang des Grundstückes durch Schenkung oder Erbschaft. Unter dem Begriff „Grundstück“ versteht man hier nicht nur Grund und Boden, Gebäude und Wohnungen, sondern auch Rechte auf diese (z. B. das Baurecht) und auch das mit dem Grundstück fest verbundene Zubehör (z. B. fest verbaute Einrichtungsgegenstände). Da man bei einer Schenkung oder Vererbung eines Grundstückes in der Regel keinen aktuellen Wert hat, wird als Bemessungsgrundlage bei einem Erwerb von Todes wegen oder bei Erwerben innerhalb des Familienverbandes der sogenannte „Grundstückswert“ als Steuerbasis herangezogen.

 

Tipp: Auf der Internetseite des BMF wurde ein Berechnungsprogramm zur Ermittlung des Grundstückswertes implementiert: https://service.bmf.gv.at/service/allg/gwb

Bild moestl_RGB.jpg
© KSW

Friedrich Möstl

Landesstellenpräsident der Kammer der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Steiermark


Bei den unentgeltlichen Erwerben sowie Erwerben im Familienverband kommt nachfolgender Stufentarif zur Berechnung der Grunderwerbsteuer zur Anwendung:

  • Grundstückswert für die ersten € 250.000,– = 0,5 % Steuersatz
  • Grundstückswert für die nächsten € 150.000,– = 2 % Steuersatz
  • Grundstückswert darüber hinaus = 3,5 % Steuersatz

 

Sollte das Grundstücksvermögen in einer Personen- oder Kapitalgesellschaft gehalten werden, so löst die Schenkung oder Vererbung der Gesellschaftsanteile ebenso eine Grunderwerbsteuerpflicht aus, sofern mindestens 95 % der Gesellschaftsanteile übertragen werden. Der GrESt-Satz beträgt in diesem Falle aber nur 0,5 %.

Achtung: Bei unentgeltlichen Betriebsübertragungen gibt es eine Reihe von Befreiungen und Sonderbestimmungen. Kontaktieren Sie dazu jedenfalls Ihre/n Steuerberater/in, um diese vor der Übertragung zu besprechen.

Von der Grunderwerbsteuer befreit ist auch die Übertragung von Wohnungen oder Teilen einer Wohnung an Ehegatten/Ehegattin oder an eingetragene(n) Partner/Partnerin, sofern das der Deckung des Wohnbedarfs dient. Das Gleiche gilt auch im Todesfall, für die Vererbung der gemeinsamen ehelichen oder partnerschaftlichen Wohnung. Befreit sind aber nur 150 m2 der gemeinsamen Wohnung. Alles, was darüber hinausgeht, unterliegt wieder der Grunderwerbsteuer.

Zusätzlich zur GrESt ist auch bei unentgeltlichen Grundstücksübertragungen eine Eintragungsgebühr von 1,1 % fällig. Die Bemessungsgrundlage dazu ist bei Übertragungen von Liegenschaften im Familienverband der dreifache Einheitswert. Diese Werte können Sie bei Ihrem Finanzamt anfordern oder von Ihrem/Ihrer Steuerberater/in erhalten.

 

Beratung planen
Die meisten unentgeltlichen Übertragungen erfolgen im Familienverband, sodass Sie diese Steuerbelastungen nicht vom Erwerb von Liegenschaften abhalten sollen. „Jedenfalls empfehle ich Ihnen, mit den Rechtsberatern Ihres Vertrauens, natürlich speziell mit Ihrer Steuerberaterin/Ihrem Steuerberater, Schenkungen und auch Erbschaften rechtzeitig zu planen und die steuerlichen Übertragungskosten für die Übertragung einzuplanen und gegebenenfalls zu optimieren.“


Dieser Artikel ist Teil unseres STEIRERIN Vorsorge-Ratgebers. Zusätzliche Infos und mehr zum Nachlesen findest du HIER.