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Lifestyle | 18.01.2022

Sich wieder schön fühlen

Mit nur 30 Jahren bekommt Elvina die Diagnose Brustkrebs. Wie sie neuen Mut findet und lernt, sich wieder schön zu finden.

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© Birgit Machtinger

Elvina fühlt sich wie in den Wechseljahren, sagt sie. Die Auswirkungen der Anti­hormontherapie geben ihr die typischen Symptome: Gewichtszunahme, Gefühlsschwankungen, Knochenschmerzen. „Ich werde alt“, lacht sie.


Brustkrebs

Bald ein Jahr ist es her, dass die berufliche Krankenschwester einen Knoten in ihrer Brust spürt. Die Diagnose Brustkrebs kommt wie ein Schock – so jung, ohne  familiäre Vorbelastung. Mental sei es vor allem unwirklich gewesen. „Man realisiert das nicht so. Man merkt erst, dass man krank ist, wenn zwei Wochen nach der Chemo die Haare ausfallen.“ Durch die Diagnose gehen Menschen anders mit ihr um, was das Gefühl des Krankseins noch verstärkt, sagt sie. „Wenn man als krank behandelt wird, fühlt man sich noch kranker.“


Stark sein

Die psychische Belastung mit der Krankheit ist hoch. Sie zu akzeptieren, mit den Veränderungen umzugehen. Dennoch, der einzige Weg sei durch: „Wenn du tagelang weinst, bringt das nichts, heilt das nichts. Du musst stark sein und versuchen, die positiven Dinge zu sehen, die nach der Krankheit kommen.“ Je mehr man sich auf die Nebenwirkungen konzentriert, desto wahrscheinlicher würden sie auch eintreten: Daher hieß es für Elvira, sich abzulenken und die Dinge zu tun, für die sie sich sonst keine Zeit genommen hätte. „Man darf sich selber nicht hängen lassen.“


© Birgit Machtinger


Feel Again

Über eine Brustkrebs-­Gruppe auf Facebook erfährt sie von „Feel Again“ und nimmt an einem Workshop in Graz teil. Hier bekommen Brustkrebspatientinnen einen Make-up-Kurs mit anschließendem Fotoshooting. Elvina wollte sich Schminktipps holen, aber sich auch mit Gleichgesinnten austauschen können. „Freundinnen verstehen nicht, was ich meine, wenn ich sage, meine Wimpern sind wieder da, aber sie sind nicht diesselben wie vorher. Betroffene können das mit mir teilen.“ Das Projekt bringt zum Lachen und hilft dabei, sich wieder wie ein Mensch zu fühlen, wie Elvina sagt – man fühlt sich endlich schön. „Ich habe lange nicht in den Spiegel schauen können.“ Man lernt, sich so anzunehmen, wie man ist. Dass Elvina lange keine Haare mehr hatte, war für sie kein großes Problem. Schwierig sei aber, wie andere Menschen einen anschauen. „In den Köpfen ist nicht drin, dass auch junge Menschen Krankheiten haben können.“


Selbstakzeptanz

Wenn ihr andere sagten, sie sähe hübsch aus, fühlte sich das oft komisch an. Durch den Workshop mit Feel Again konnte sie die Bestätigung annehmen. Zu sehen, auch andere Frauen seien sich unsicher, zeigte ihr, dass sie nicht alleine ist. Dass man Perücken tragen kann, wenn man möchte, aber es nicht muss, weil man schon okay ist,  so wie man ist. Mit anderen Betroffenen zu sprechen, tut gut: „Es fällt oft leichter, mit fremden Menschen offen zu sprechen, als mit denen, die nahestehen.“

 


© Birgit Machtinger

 

Fremdakzeptanz

„Ich würde es bevorzugen, wenn Leute nicht so starren, mich nicht so verurteilen würden.“ Das gesellschaftliche Stigma trifft hart. Die Krankenschwester wünscht sich, dass wir mit kranken Menschen nicht anders umgehen wie mit gesunden. Sie nicht immer auf ihre Krankheit ansprechen, sondern sie selbst teilen lassen, wenn  und wann sie das möchten. Und dass Projekte wie Feel Again mehr Unterstützung erhalten, damit noch viel mehr Frauen sich wieder fühlen lernen.


Das Projekt "Feel again"

Seit 2018 bieten Make-up-Artistin Catharina Flieger und Fotografin Birgit Machtinger monatlich kostenfreie Workshops für an Krebs erkrankte Frauen an. In einem 3-stündigen Make-up-Kurs lernen sie, wie sie die äußerlichen Folgeerscheinungen der Chemotherapie kaschieren können. Den Abschluss macht ein professionelles Fotoshooting. „Feel Again“ möchte dazu beitragen, das Selbstbewusstsein der Betroffenen zu stärken, und ihnen den Raum geben, einen Tag lang ihre Sorgen hinter sich zu lassen.

www.feelagain.at