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Lifestyle | 28.12.2021

Hilfe, die unter die Haut geht

Mit der ungewöhnlichen beruflichen Kombination aus Ärztin und Tätowiererin verhilft Frederike Reischies Brustkrebspatientinnen nach einer Rekonstruktion zu einem völlig neuen Lebensgefühl.

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© Beigestellt

Zur Person

Dr. Dr. Frederike Reischies ist nach langjähriger Ausbildung sowohl Ärztin als auch staatlich geprüfte Tätowiererin und hat in der Schnittstelle zwischen Medizin und Tätowieren ihre Berufung gefunden.

 

Healing Colours

Praxis für medizinische und ästhetische Tätowierungen

Leonhardplatz 3

Tel.: 0670/602 20 24

[email protected]

www.healing-colours.com

 

Kontakt auch über das Brustgesundheitszentrum Süd in Weiz unter der Leitung von Dr. Irene Thiel, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe


Frau Reischies, Sie sind Ärztin und Tätowiererin. Wie kam es zu dieser doch eher recht ungewöhnlichen Berufskombination?

Frederike Reischies: Nach meinem Medizinstudium habe ich an der plastischen Chirurgie in Graz zu arbeiten begonnen, wo ich auch meine ersten Kontakte mit Brustkrebspatientinnen hatte. Den Weg, den die Patientinnen von der Brustkrebsdiagnose über mehrere Zyklen Chemotherapie und Bestrahlung bis zu rekonstruktiven Operationen erlebten, war bewundernswert. Mit der Rekonstruktion war der medizinische Part aber abgeschlossen. Die Brustwarze fehlte oder war eher schlecht als recht während der Operation mittätowiert worden. Da dachte ich mir: Das muss doch einfach besser gehen!

 

Inwiefern spielte ihre Leidenschaft für die Kunst bei der Idee, Brustwarzen professionell zu tätowieren, mit hinein?

Kunst war schon immer eine große Passion von mir. Schon in den Anatomiekursen auf der Uni habe ich Körperteile immer schon gemalt. Als ich dann auf Fotos unglaubliche Ergebnisse von künstlichen Brustwarzen sah, die von Farbrealismus-Künstlern aus dem Tattoobereich gemacht wurden, war ich tief beeindruckt. Also habe ich kurzerhand selbst versucht, Brustwarzen zu zeichnen, und dachte mir: Wenn ich es zeichnen kann, kann ich es auch tätowieren.

 

Der Weg zur professionellen Tätowiererin war dann aber ein langer.

Ja, und das ist auch gut so. Meine Ausbildungen habe ich über einige Jahre von Wien bis Kanada absolviert. Praxiserfahrung konnte ich bei Create Tattoos & Art in Graz sammeln. Das war mit zwei Kindern und dem Hauptjob als Chirurgin natürlich eine sehr fordernde Zeit, es hat sich aber gelohnt.

 

Auf was achten Sie besonders bei Ihrer Arbeit mit Patientinnen?

Das ist eine sehr individuelle Angelegenheit. Das Wichtigste ist, die Patientin zu fragen, was sie will, denn jede Brust ist anders. Mein medizinischer Hintergrund hilft mir extrem bei der Beratung. Gemeinsam besprechen wir vor dem Spiegel die Farbe, Form, Größe und Platzierung der Tätowierung.

 

Was bedeutet es für eine Frau, wieder eine optisch schöne Brustwarze zu haben?

Man kann mit einer medizinischen Tätowierung einen extremen Boost an Lebensqualität erreichen. Viele meiner Patientinnen berichten mir, dass sich ihr Leben dadurch sehr zum Positiven verändert hat. Plötzlich haben sie wieder Freude daran, Unterwäsche einkaufen zu gehen. So ein Feedback macht mich einfach unglaublich glücklich und ist der Beweis dafür, dass sich die Mühe gelohnt hat.

 

Warum ist gerade eine so kleine Sache wie eine Brustwarze so wichtig, um sich wieder vollkommen zu fühlen?

Wahrscheinlich, weil wir es von klein auf so gewohnt sind – egal ob Mann oder Frau. Brüste ohne Brustwarzen sind daher etwas Befremdliches und man fühlt sich unvollständig. Außerdem ist es meist der erste selbstbestimmte Schritt, der nach einem langen Weg an vorbestimmten Behandlungsschritten gesetzt wird. 


"Danke, Sie haben mir ein neues Lebens-gefühl geschenkt."

Rosemarie, Mastektomie rechts, Tätowierung 2020

 

"Ich fühle mich wie verwandelt, wie neugeboren, achtsamer."

Karin, Mastektomie beidseits, Tätowierung 2021

 

"Nach der Tätowierung hatte ich vor dem Spiegel Tränen in den Augen."

Gerlinde, Mastektomie links, Tätowierung 2021