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Lifestyle | 15.12.2021

Sicher schenken und vererben

Seinen Nachlass rechtzeitig zu verwalten erspart Unsicherheit und Streit. Das gilt besonders für große Werte wie Immobilien.

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© Shutterstock

Alles, was man rechtzeitig selbst in die Hand nehmen kann, sollte man auch für alle Seiten fair und verbindlich regeln,“ ist das Credo von Dieter Kinzer, Präsident der Notariatskammer in der Steiermark. Zwar sind die Themen Vererben und Verschenken durch den Gesetzgeber eingehend geregelt, trotzdem brennt das Thema unter den Nägeln. „Wenn man nicht höllisch aufpasst, driften Wunsch und Wirklichkeit bei Erbschaften und Schenkungen oft weit auseinander. Denn der Gesetzgeber hat zwar ein Regelwerk geschaffen, das aber alle Fälle über einen Kamm schert. Der individuelle Wille des Erblassers oder Geschenkgebers bleibt darin aber unberücksichtigt“, so Kinzer.


Fragen über Fragen

Grundsätzlich ist Vererben und Verschenken ein Thema, das immer dann in den Vordergrund tritt, wenn erhebliche Vermögenswerte vererbt oder an die nächste Generation weitergegeben werden. Die Fragen und strittigen Momente dazu sind vielschichtig: Was passiert mit einem Auto in einer Verlassenschaft und wie wird es bewertet? Was passiert mit Goldreserven im Safe oder mit der Münzsammlung? Sind diese steuerlich zu deklarieren? Wie werden diese Werte unter den Erben aufgeteilt? Wie teile ich eine Eigentumswohnung auf drei Erben auf und wie werden etwaige Pflegeleistungen im Verlassenschaftsverfahren berücksichtigt, die ein Teil der Familie für den Verstorbenen erbracht hat? Diese und noch unzählige andere Fragen führen oft zu Unstimmigkeiten und enden nicht selten vor Gericht. Was dann droht, ist nicht nur ein Streit um das Vermögen, sondern auch das Auseinanderbrechen ganzer Familien. Durch das Fehlen einer letztwilligen Verfügung können aber nicht nur Streit und Unsicherheit, sondern auch erhebliche wirtschaftliche Gefahrensituationen entstehen. Ein zentraler Vermögensbereich, der für den Erb- und Schenkungsfall ganz besonders beachtet werden sollte, sind die Immobilien. Dabei ist es oft höchst
kompliziert und daher für den Laien unmöglich, das rechtliche Umfeld richtig einzuschätzen und abzusichern.

 

"Die Weitergabe von Immobilien und
Vermögenswerten über mehrere Generationen
muss sorgfältig geplant und abgesichert werden."

 


Vorsicht bei Immobilien

Beispiele: Nach dem Ableben eines Mannes erbt mangels Testament (= gesetzliche Erbfolge) die Ehefrau ein Drittel des Hauses und jedes der zwei noch minderjährigen Kinder ebenfalls jeweils ein Drittel. Aufgrund der wirtschaftlichen Situation will die Witwe das Haus verkaufen, weil sie sich die monatlichen Zahlungen nicht mehr leisten kann. Diese Entscheidung liegt aber nicht alleine in den Händen der Witwe, da die minderjährigen Kinder im Verlassenschaftsverfahren unter dem Schutz des Pflegschaftsgerichtes stehen, das zu einem Verkauf seine Einwilligung geben muss. Ob es das tut, hängt aber nicht vom Wunsch der Mutter der Kinder ab, sondern vereinfacht ausgedrückt davon, ob das Gericht einen Vorteil im Verkauf für die minderjährigen Kinder sieht oder nicht. Probleme entstehen auch oft, wenn die vererbte Liegenschaft kein Haus, sondern eine gemeinsame Eigentumswohnung der Ehe- oder Lebenspartner ist – selbst dann, wenn die Kinder schon volljährig sind. Gemäß den gesetzlichen Bestimmungen geht das Eigentum an dem Hälfteanteil des Verstorbenen automatisch auf den überlebenden Partner über und dieser muss den  Kindern des Verstorbenen einen gewissen Ausgleichsanspruch in Geld ersetzen. Wenn dieses Geld nicht vorhanden ist, kann es eng werden. Zwar kann es Erleichterungen für den überlebenden Partner geben, wenn die Wohnung dem dringenden Wohnbedürfnis gedient und dieser auch einen Pflichtteilsanspruch nach dem Verstorbenen hat. Die Erfahrung zeigt aber, dass diese gesetzliche Regelung bzw. überhaupt die gesetzliche Erbfolge oft nicht den individuellen Bedürfnissen entspricht. Übrigens: Wenn die verstorbene Person Alleineigentümerin der Eigentumswohnung war und drei Kinder hinterlassen hat, können maximal 2 Kinder die Wohnung ins Eigentum übernehmen.

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Dieter Kinzer, Präsident der Notariatskammer für Steiermark © Marija Kanizaj

Die Patchwork-Familie

Besonders problematisch kann es werden, wenn noch ein außereheliches Kind oder ein Kind aus einer vorigen Ehe in einem anderen Familienverbund lebt, aber natürlich genauso erbberechtigt ist. Dieses hat ebenfalls Anspruch auf einen gewissen Anteil am Haus oder der Wohnung. In Zeiten von Patchworkfamilien heutzutage ist das fast schon ein Regelfall.

Es sind diese Momente und Situationen, in denen ein Notar mit einer eingehenden Beratung und dem fairen Ausgleich aller Interessen schon vor dem Erbfall für Klarheit sorgen kann. Testamente, Legate und Schenkungen auf den Todesfall sind Instrumente, durch die das persönliche und wirtschaftliche Umfeld rechtzeitig und nach dem Willen des Erblassers geregelt und für alle Beteiligten abgesichert wird.


Ausgleich der Interessen

Und wie ist sichergestellt, dass der Notar auf die Interessen aller Beteiligten achtet? Dieter Kinzer hebt an dieser Stelle die Berufsvorschriften für Notare hervor: „Der Notar muss schon von Berufs wegen auf den Ausgleich der Interessen im Sinne der ganzen Familie und der Erbberechtigten aus früheren oder außerehelichen Beziehungen achten.“ Denn ein Streitverfahren nutzt – gerade im Zuge der Belastungen bei einem Todesfall – niemandem. Und schließlich soll ja eine sichere und gerechte Vorsorge für alle Familienmitglieder getroffen werden.


Kostenlose Erstberatung

„Der Weg zu einer ersten Beratung in einem Notariat ist unkompliziert“, verweist Dieter Kinzer auf die Serviceorientierung seines Berufsstandes in allen Regionen der Steiermark.
Nähe zu den Klienten und emotionale Kompetenz sind dabei von entscheidender Bedeutung. Daher wird ein erstes Gespräch zur Orientierung über die anstehenden Fragen und Probleme in der Regel auch kostenlos geführt. Innerhalb von nur 20 Minuten werden die Vermögenssituation und die Erbsituation durchleuchtet und mögliche Gefahrenmomente aufgezeigt. Danach kann die Entscheidung über das weitere Vorgehen von den Interessenten getroffen werden. Für Termine stehen die Notarinnen und Notare in allen 75 (ab Anfang 2022 sogar 82!) steirischen Notariaten gerne zur Verfügung.

Die Kontakte zu den Notariaten finden sich online auf notar.at und natürlich auch in diesem Ratgeber!


Dieser Artikel ist Teil unseres STEIRERIN Vorsorge-Ratgebers. Zusätzliche Infos und mehr zum Nachlesen findest du HIER.