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Lifestyle | 09.11.2021

Lichtblicke im Leben

Der Verein Lichtblick erreicht mit kleinen Gesten große Wirkung. Ein Gespräch über die Freude am Helfen, Menschen als soziale Wesen und warum Ehrenamt Ehrensache ist.

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In Planung: der Einsatz bei den Barmherzigen Brüdern in der Marschallgasse in Graz © Thomas Luef

Ein freundliches Lächeln, ein einfühlsames Gespräch – gerade im Krankenhaus können diese kleinen Gesten oft große Wirkung haben. Ältere Patienten, ohne Begleitung in der Ambulanz, finden sich in dieser fremden Umgebung teils nur schwer zurecht. Lichtblicke bieten hier ehrenamtliche Mitarbeiter, die durch kommunikative Zuwendung den Menschen in dieser belastenden Situation helfen.
Für diese helfenden Momente sorgen die Mitglieder des gemeinnützigen Vereins Lichtblick. Erkennbar an einem Button auf einem weißen Mantel unterstützen sie die wartenden Patienten und geben Orientierung. Sie sind Ansprechpartner, Begleiter, Zuhörer, Auskunftsgeber, Beistand und Gesprächsvermittler.
Entstanden ist der Verein 2011 aus der Idee heraus, die Vernetzung von ehrenamtlicher Tätigkeit in der Steiermark zu unterstützen. Der ehrenamtliche Ambulanzdienst hat sich eher zufällig ergeben. „Man ist auf uns zugekommen und hat gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, diese Arbeit in den Ambulanzen zu übernehmen“, erinnert sich Nicole Prutsch, Mitbegründerin der ersten Stunde, zurück. Da mussten die Mitglieder nicht lange überlegen. Mittlerweile sind die rund 40 „Lichtblicker“ in mehreren Abteilungen des LKH Universitätsklinikum Graz sowie am LKH Südsteiermark und LKH West-steiermark im Einsatz. Derzeit in Planung ist auch eine Kooperation mit den Barmherzigen Brüdern in der Marshallgasse in Graz. „Die Freude daran, anderen zu helfen, strahlt doppelt ins eigene Herz zurück“, kennt kennt auch Kollegin Monika Maninger die positiven Aspekte für einen selbst. „Viele unserer Mitglieder haben eine persönliche Hintergrundgeschichte – waren selbst früher im Krankenhaus beruflich tätig oder kennen die Situation aufgrund zu pflegender Angehöriger.“ Natürlich gibt es aber nicht nur schöne Erlebnisse bei der Arbeit im Krankenhaus. „Wir treffen auf verletzte, verwirrte oder auch sehr kranke Menschen. Das ist emotional sehr fordernd. Und es kommt auch vor, dass man für die angebotene Hilfe keinen Dank bekommt. Sogar im Gegenteil.“

 

„Ehrenamt muss man selbst
erleben, sonst ist das wie gemaltes Feuer –
zwar schön anzuschauen,
aber wärmen tut es einen nicht.“

Nicole A. Prutsch, Verein Lichtblick

 

Gegenseitige Unterstützung. Die Supervisionsarbeit innerhalb des Vereins ist daher ein wichtiges Element, genauso wie regelmäßige Schulungen für den Umgang im Krankenhaus. „Ein Krankenhaus ist eine sehr sensible und komplexe Schnittstelle. Es gelten strenge Hygiene- und Kleidervorschriften“, erklärt Maninger. „Essenziell ist auch zu wissen: Was darf ich als ehrenamtlicher Mitarbeiter und was nicht? Hilfe durch pflegerische Leistung ist zum Beispiel nicht erlaubt.“ Das war auch schon vor der Coronapandemie der Fall. Auch wenn Covid wieder eine eigene Herausforderung für sich war. „Während dieser Zeit waren die Vorschriften verständlicherweise noch strenger. Manche Mitglieder wollten trotzdem arbeiten. Dennoch entschieden wir uns dafür, unser Ehrenamt für einige Zeit auszusetzen. Wir wollten auf keinen Fall riskieren, dass sich jemand während der Tätigkeit im Krankenhaus ansteckt.“  Jetzt ist der Einsatz zum Glück wieder möglich. Während dieser Auszeit haben sich die Mitglieder intensiv untereinander ausgetauscht und sich gegenseitig Halt gegeben. „Das ist ein weiterer schöner Aspekt des Ehrenamtes. Man gibt sich auch innerhalb der Gruppe viel Kraft.“

 

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Monika Maninger (l.) und Nicole Prutsch vom Verein Lichtblick © Thomas Luef

Ehrenamt ist Ehrensache. Wäre die Welt ein besserer Platz, wenn jeder ein Ehrenamt ausführen würde? Bestimmt! Davon ist Prutsch überzeugt. „Erstens funktioniert unser Sozialstaat nur durch Ehrenamt. Zweitens ist der Mensch ein soziales Wesen und braucht das Mitei-nander, um sich selbst zu definieren. Und drittens macht Ehrenamt einfach etwas mit einem. Es reicht aber nicht, davon erzählt zu bekommen und das toll zu finden. Ehrenamt muss man selbst erleben, sonst ist das wie gemaltes Feuer – zwar schön anzuschauen, aber wärmen tut es einen nicht.“ Die engagierte Steirerin geht sogar noch einen Schritt weiter und würde sich ein verpflichtendes Ehrenamt für Menschen in Führungspositionen wünschen. „Ich glaube, das würde unsere Welt zu einem noch lebenswerteren Ort machen.
Den Schritt Richtung Ehrenamt trauen sich manche nicht zu, im Glauben, dass die bekannteren Tätigkeitsfelder wie Freiwillige Feuerwehr, Betreuung älterer Personen und Co. nichts für sie sind. Dabei hat Ehrenamt so viele Facetten. „Man sollte einfach überlegen, was man gerne macht, und dieses Hobby dann für andere einsetzen. Ich kenne zum Beispiel eine Dame, die eine große Leidenschaft für Gartenarbeit hat. Diese Passion nutzt sie nun, um sich in Graz-Eggenberg ehrenamtlich um den Rosengarten zu kümmern. So kann sie ihre Liebe zu Pflanzen nutzen, andere in Form von Führungen daran teilhaben lassen und bekommt gleichzeitig Anerkennung für ihr Hobby.“ Denn es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken soll.

www.vereinlichtblick.at