Loading…
Du befindest dich hier: Home | Lifestyle

Lifestyle | 13.10.2021

Richtig finanzieren

Eine Immobilie gehört wohl für die meisten zu den größten finanziellen Anschaffungen im Leben. Guter Rat ist daher bei der Finanzierung gefragt. Gerhard Fabisch, Vorstandsvorsitzender der Steiermärkischen Sparkasse, dazu im Gespräch.

Bild 2109_ST_WO_Finanz.jpg
© Shutterstock

STEIRERIN: Ist aktuell ein guter Zeitpunkt, sich eine Immobilie zu finanzieren?
Gerhard Fabisch: Die Schaffung von Wohnraum ist aktuell sehr gefragt. Das zeigt auch die Tatsache, dass wir im Vorjahr einen Höchststand an Neu-Finanzierungen diesbezüglich hatten. Dafür gibt es zwei Gründe: Einerseits die günstigen Zinsen. Andererseits hat sich durch die Pandemie und die damit verbundenen Maßnahmen das Bewusstsein für ein schönes Daheim verändert. 

Wie lange wird die Niedrigzinsphase noch anhalten?
Prinzipiell ist es so, dass sich niemand einen Kredit nimmt, nur weil die Zinsen niedrig sind. Der Investitionswunsch steht im Vordergrund und dabei hilft ein niedriger Zinssatz. Wie lange das niedrige Zinsniveau noch andauert? Das ist eine Frage, die man nicht mit Sicherheit beantworten kann. Die allgemeine Meinung des Marktes ist, dass sie noch lange andauern wird. Und wenn es zu einem Steigen des Zinssatzes kommt, wird dies auch im Sinne der Konjunktur eher langsam geschehen. 

Wann ist eine variable Verzinsung zu empfehlen, wann ist ein Fixzinssatz von Vorteil?
Ein fixer Zinssatz gibt Sicherheit. Für diese Sicherheit gibt es aber einen Aufschlag. Viele Kunden unterschätzen aber, dass man – zum Beispiel durch ein Erbe oder Karriereschritte – den Kredit oft schneller abzahlt, als die ursprüngliche Kreditlaufzeit vorsieht. Bei der Entscheidung, ob fixe oder variable Zinsen, sollte man sich daher genau anschauen, wie lange ein Kredit läuft und wie hoch die Wahrscheinlichkeit von steigenden Zinsen ist. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit des Splittings – ein Teil fix, ein Teil variabel. Das kann ab hohen Summen wie zum Beispiel 500.000 Euro auch Sinn machen. 

Wie wichtig ist das Eigenkapital?
Generell empfiehlt die Nationalbank eine Eigenmittelquote von 20 Prozent der Investitionssumme. Wenn man ein sehr hohes Einkommen hat, kann man auch mit weniger Eigenmitteln arbeiten. Die Banken sind verpflichtet, darauf zu achten, wie hoch die Kreditbelastung im Verhältnis zum monatlichen Einkommen ist, damit das Engagement auch in der vereinbarten Zeit bedient werden kann. Vereinfacht kann man sagen, die monatliche Rate sollte nicht höher als 40 Prozent des monatlichen Nettoeinkommens ausmachen.

Bild 2109_ST_Fabisch.jpg
Gerhard Fabisch, Vorstandsvorsitzender der Steiermärkischen Sparkasse, www.sparkasse.at © C. Strobl

Vielen ist nicht bewusst, dass beim Erwerb eines Eigenheimes auch Nebenkosten anfallen. Wie hoch sind diese im Durchschnitt?
Die Nebenkosten betragen im Durchschnitt 5 bis 10 Prozent des Wertes der Immobilie – darunter fallen etwa Kosten für die Grund­erwerbssteuer, die Eintragung ins Grundbuch, die Eintragung der Hypothek der Bank, die Schätzkosten und auch die eventuellen Maklerkosten. 

Was passiert, wenn man zum Beispiel aufgrund eines Jobverlustes oder Krankheit einmal eine Zeit lang den Kredit nicht zurückzahlen kann?
Der erste Rat ist, sofort mit der Bank Kontakt aufzunehmen. Alle Banken sind bemüht, dass die Kunden ihre Immobilie behalten können, und versuchen daher, mit Überbrückungslösungen den Engpass zu meistern. Nicht nur in solchen Fällen ist es von Vorteil, auf eine Bank vor Ort zu setzen. Durch die regionale Nähe besteht einfach mehr Interesse daran, zu helfen, als bei einer Bank, die im Ausland sitzt.

Inwiefern unterstützt die Steiermärkische Sparkasse beim Wunsch nach einem Eigenheim?
Wir haben spezielle Wohnbauberater, die im Bereich Immobilien und Finanzierungen wahre Experten sind. Die Finanzierung eines Eigenheims ist eine große Entscheidung, daher ist es uns als Sparkasse wichtig, diesen Prozess vertrauensvoll zu begleiten. Darüber hinaus haben wir zum Beispiel mit s REAL eine Tochtergesellschaft, die eine Vielzahl von Immobilien anbietet, und mit Schauersberg Immobilien eine Tochtergesellschaft, die unter anderem selbst Immobilienprojekte realisiert. Im Großen und Ganzen bieten wir bei der Steiermärkischen Sparkasse ein großes Immobilien-Rundum-Paket.

Was sind Ihre persönlichen Tipps zur Finanzierung eines Eigenheims?
Eine gute Finanzierung ist mehr als nur ein Zinssatz, daher sollte man auf gute Beratung seitens eines Experten auf keinen Fall verzichten.

Zinssatz – von fix bis flexibel

Vor allem bei langfristigen Finanzierungen spielt der Zinssatz eine wichtige Rolle. Denn er ist entscheidend für die Ratenhöhe – und damit für die effektive Rückzahlungssumme. Fixe Zinsen bleiben über eine gewisse Kreditlaufzeit gleich, während sich variable Zinsen laufend ändern. Beide Modelle haben ihre Vor- und Nachteile. Fixe Zinsen bieten zum Beispiel den Vorteil von optimaler Planbarkeit. Variable Zinsen sind günstiger als fixe Zinsen.