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Lifestyle | 22.09.2021

Der Kunstfinder

Kunst will erzählen. Dass das heute digital geht, zeigt der Grazer Gottfried Eisenberger mit seiner App „Fynd.art“ und bringt damit Kunstwerke und Betrachter noch näher zusammen.

Fotos: © Fynd.art, Daniela Jakob Photography, Bernd Sieber

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Die Web-Applikation kann ab dem 24. September auf der von der STEIRERIN unterstützten „Epic Woman“-Ausstellung in der Bakerhouse Gallery in Graz getestet werden.

Wer kennt das nicht: Man steht bei einer Kunstausstellung gebannt vor einem Bild. Es spricht zu einem und doch versteht man es nicht. Auf dem winzigen Schild daneben sind bloß der Titel des Bildes und der Name des Künstlers vermerkt. Winzig klein und so puristisch an Informationen wie so manches Werk selbst. Und jetzt?

Mit der Frage „Was sehe ich da eigentlich?“ hat alles angefangen. Damals stand der Grazer Gottfried Eisenberger vor genau so einem Bild bei einer Kunstmesse in Los Angeles. Infos dazu hatte er keine und doch wollte er mehr zu dem Kunstwerk wissen – ganz ohne mühsames Verkaufsgespräch. Da kam ihm die Idee zur digitalen Hilfe – zu einem simplen wie genialen Kunstscanner. Einer Web-Applikation, die ganz ohne Anmeldungsverfahren Kunstwerke in 2D und 3D zuverlässig scannt, zuordnet und Informationen sowie Kurztexte der Künstler dazu abruft. „Fynd.art“ war geboren. Eine kontaktlose und digitale Art, Kunstausstellungen neu zu erleben. Das war 2018. Und heute?

STEIRERIN: 2018 haben Sie die Idee zu „Fynd.art“ realisiert. Seit damals hat sich viel getan. Was ist heute anders?
Gottfried Eisenberger: Unsere erste kleine Veranstaltung hatten wir im Sommer 2020 in der Bakerhouse Gallery in Graz. Bei einer Solo-Ausstellung von Josef Florian Krichbaum kam Fynd.art zum ersten Mal zum Einsatz. Damals hatten wir 200 Nutzer. Mittlerweile betreuen wir fast 20 nationale und internationale Kunstmessen mit teilweise mehr als 15.000 Besuchern und zahlreiche kleine Ausstellungen. Bei der World Art Dubai im vergangenen April hatten wir über vier Tage verteilt rund 7.000 Web-App-User und 50.000 Kunstwerk-Scans.

Dabei kommen Sie ursprünglich aus dem Leistungssport. Was verbindet Sie mit der Kunst?
Ich war 16 Jahre lang Schwimmer und habe neben zahlreichen Staatsmeistertiteln Österreich auch bei Welt-Universitätsspielen, Weltcups und Europameisterschaften vertreten. Studiert habe ich Wirtschaft an der University of Southern California und ein Fachhochschulstudium speziell für Leistungssportler in Österreich abgeschlossen. Mein Vater, eigentlich Jurist, ist unter dem Künstlernamen „Feromontana“ sehr erfolgreich, seine Bilder werden weltweit ausgestellt und verkauft, weswegen ich auch zu Hause laufend mit Kunst konfrontiert bin.

Kunst und Technik – wie passt das zusammen?
Der Kunstmarkt hat einiges aufzuholen in Sachen Digitalisierung. Bis vor einigen Jahren war das überhaupt kein Thema. Derzeit, besonders durch Corona, verändert sich aber alles sehr schnell. Mittlerweile ist es schwer, am laufenden Stand zu bleiben. Neue Apps, Online-Shops und Plattformen, aber auch KI & VR/AR-Innovationen verändern den Kunstmarkt rasant.

Und wie machen Sie mit „Fynd.art“ Kunst und Technik nun kompatibel?
Mit unserer Web-App bieten wir Besuchern von kooperierenden Ausstellungen mit einer Bilderkennungssoftware Informationen über die ausgestellten Kunstwerke und Künstler. Dazu scannen Besucher einfach ein Werk und alle verfügbaren Informationen, die von den Ausstellern eingetragen wurden, werden angezeigt. Ich bin ein Fan davon, Kunst live zu erleben – so wie viele andere auch. Und ich bin ein großer Fan von Transparenz und leicht zugänglichen Informationen. Leider lassen sich die beiden Dinge schwer kombinieren. Da setzen wir mit „Fynd.art“ an.

Welche zusätzlichen Features bietet die App noch?
Unsere App ist ohne Downloads, normal über den Web-Browser erreichbar – ganz ohne Download oder Anmeldung. Wir bieten nicht nur für Besucher nützliche Tools an, sondern auch für die Aussteller und Veranstalter. Neben Auswertungen, welche Kunstwerke und Künstler besonders beliebt waren, sorgen wir auch dafür, dass Besucher durch die zusätzlichen Informationen mehr Kunst kaufen und länger vor Ort bleiben. Derzeit arbeiten wir an einigen neuen innovativen Features. Aussteller sollen die Möglichkeit bekommen, ihre Kunstwerke zu archivieren und jederzeit über die Web-App abzurufen.  

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Die Web-Applikation kann ab dem 24. September auf der von der STEIRERIN unterstützten „Epic Woman“-Ausstellung in der Bakerhouse Gallery in Graz getestet werden.

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Die Web-Applikation kann ab dem 24. September auf der von der STEIRERIN unterstützten „Epic Woman“-Ausstellung in der Bakerhouse Gallery in Graz getestet werden.

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Die Web-Applikation kann ab dem 24. September auf der von der STEIRERIN unterstützten „Epic Woman“-Ausstellung in der Bakerhouse Gallery in Graz getestet werden.

So einfach die Idee zur App auch klingt, wie „einfach“ war letztendlich die Entwicklung? 
Der Weg war steinig. Wenn ich das ganze Projekt heute neu starten würde, würde ich wohl einiges anders machen. Am Anfang fehlte mir Wissen im IT-Bereich. Da musste ich mich auf Leistungen von Dritten verlassen. Am meisten Unterstützung kam in dieser Zeit sicher von meinem Vater, der trotz der anfänglichen Hürden immer an „Fynd.art“ glaubte.

Klingt nach einer besonderen Technologie, die „Fynd.art“ ausmacht?
Wir sind stolz auf unsere Bild­erkennungssoftware – in diesem Bereich gibt es nicht zuletzt wegen der Entwicklungen im Bereich der Gesichtserkennung unglaubliche Technologiesprünge, weswegen wir unsere Bilderkennung gerade komplett überarbeiten. Wir versuchen, die jüngsten Innovationen in diesem Bereich zu unserem Vorteil zu nutzen. Dadurch können wir unsere Kosten senken, aber auch die Genauigkeit des Scanvorgangs bei schlechten Lichtverhältnissen oder Spiegelungen in Galerien oder bei Messen verbessern.

Davon leben werden Sie natürlich auch wollen – wie verdienen Sie an der App?
Messen, die uns engagieren, bezahlen für unsere Dienstleistung. Wir erweitern aber gerade unsere Produktpalette und bieten bald auch ein Inventarsystem sowie die individuelle Bilderkennung für Künstler und Galerien an.

Welche Messen und Galerien sind das genau, mit denen Sie aktuell kollaborieren?
In Österreich arbeiten wir derzeit mit der Art Austria, der Salzburg International Art Fair, der Art at the Park und der Art Austria Highlights zusammen. Internationale Highlights sind etwa die Florence Biennale, die Discovery Art Fairs in Deutschland, die
World Expo in Dubai oder die World Art Dubai.

Damit haben Sie eine coronakonforme Art der Kunst-Ausstellung geschaffen. Hat die Pandemie Starthilfe zum Erfolg gegeben?
Die Pandemie hat uns einerseits mehr Zeit für die Entwicklung und die Implementierung von Feedback gegeben. Durch die Lockdowns hatten wir Zeit, das gesammelte Feedback von Messen einzubauen. Social Distancing half uns definitiv. Einige Events haben nur wegen uns eine Genehmigung erhalten und haben „Fynd.art“ in ihrem Covid-Präventionskonzept verankert.

Welche Ziele haben Sie sich mit „Fynd.art“ noch gesteckt?
Wir möchten unser Team erweitern und suchen derzeit Entwickler. Außerdem arbeiten wir an einem Restyling der Web-App und der Onlineplattform. Wir planen auch, unseren Namen von „Fynd.art“ auf „Scan.art“ zu ändern. So weiß jeder sofort, um was es geht und was wir anbieten.

Welchen Rat können Sie anderen Start-ups mitgeben?
Auch wenn anfangs wenig nach Plan läuft, nicht aufgeben. Vorbereitung, Flexibilität und gute Planung sind trotzdem das A und O.

 

 

 

 

 

 

 

Zur Person

Gottfried Eisenberger ist der Gründer der Web-Applikation „Fynd.art“, mit der er der Kunst während einer Ausstellung eine digitale Plattform bietet. Der Grazer kommt ursprünglich aus dem Leistungssport und studierte Wirtschaft an der University of Southern California.