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Lifestyle | 13.05.2021

Mamasein ist kein Wettkampf

Die Initiative „Von Mama zu Mama #Oststeiermark“ macht darauf aufmerksam, was Mamas täglich leisten – und zeigt, was sie alles sein können, wenn sie nur wollen.

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Fotos: Patrick Feiner Photography, Marlin Wolf, David Wilfling

Das Motto war von Anfang an: Mamasein ist kein Wettkampf, sondern eine wunderbare Gemeinsamkeit. „Und das haben wir uns bis heute behalten.“ Sarah Bauernhofer aus Sinabelkirchen ist die Initiatorin des Netzwerks „von Mama zu Mama #Oststeiermark“ und setzt sich tagtäglich für Mütter und Frauen in der Region ein. Sie weiß: Mamas haben im Alltag mit vielen Hürden zu kämpfen: Druck von der Gesellschaft, wenig Unterstützung, Bodyshaming – und das alles neben der eigentlichen Erziehungs- und Betreuungsarbeit. Mit viel Einfühlungsvermögen, Kreativität und Durchsetzungskraft macht sie auf die Vielfalt vom Mamasein aufmerksam.

Gestartet als Facebookgruppe im Jahr 2015 und eigentlich als Joglland-­Mama-Vermittlung, begann die Initiative immer weiter zu wachsen, erzählt Bauernhofer. Zuerst sei es darum gegangen, eine Möglichkeit zu bieten, Kontakte während der Karenz zu knüpfen, sich auszutauschen oder vielleicht einmal zusammen mit den Kindern etwas zu unternehmen. Die Nachfrage schien von Anfang an groß zu sein. „Wir haben uns zum Wandern getroffen, zum Picknicken, zum Wichteln und mittlerweile sind einige innige Freundschaften aus der Sache entstanden.“ Irgendwann wurde das Ganze dann auf die Oststeiermark ausgeweitet und die Idee für weitere Aktionen mit mehr öffentlichem Interesse entstand. „Unter dem Titel ,Schön sein für den guten Zweck‘ konnten sich Mamas in einem Frisiersalon ,aufhübschen‘ lassen und so viel Geld geben, wie sie wollten beziehungsweise konnten“, erzählt Bauernhofer begeistert. „Da war dann wirklich von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends Betrieb und wir haben so viele positive Rückmeldungen bekommen.“ Von diesem Erfolg beflügelt kamen Bauernhofer sofort neue Ideen, um Mamas in der Region zu stärken.

 

Sarah Bauernhofer mit ihrem Mann Benedikt und den Kindern Laura und Bastian.  © Marlin Wolf


Berufung gefunden

Im Jahr 2019 wurde das Ganze dann ein nachhaltiges Projekt mit einem Kochbuch für den guten Zweck. Hierfür wurden 100 Familien geshootet, die ihr Lieblingsrezept präsentieren durften. Eine Aktion, die „komplett durch die Decke“ ging und über 4.500 verkaufte Exemplare zur Folge hatte. So wurde aus der ursprünglichen Facebookgruppe ein offizieller Verein. Sarah Bauernhofer hat sich mittlerweile wieder selbstständig gemacht und in dieser Arbeit nicht nur ihren Beruf, sondern auch ihre Berufung gefunden. Das Netzwerk sei für sie zudem ein Ausgleich. „Ich habe sowieso, seit ich klein bin, eine soziale Ader, einen Hang zur Kreativität und auch die Energie, anderen damit zu helfen – also mache ich das auch“, sagt sie mit einem Lächeln. Weitere Aktionen und sogar ein Podcast seien bereits in Planung. „Manchmal möchte ich aber auch einfach nur Mama sein – auch das ist wunderschön und vollkommen in Ordnung.“

Mit zwei Kindern wisse Bauernhofer nur zu gut, wie schwierig es sei, den Anforderungen der Gesellschaft gerecht zu werden. Ob eine Mutter zu viel oder zu wenig arbeite, wie viel Zeit sie mit den Kindern verbringe und ob sie ihre „Pflichten“ erfülle – alles werde beurteilt und das Wort „Rabenmutter“ viel zu schnell in den Mund genommen. Ständig sehe man sich dem Urteil der anderen ausgesetzt, und das könne enormen Schaden anrichten – vor allem das „Perfektsein“ nach außen. Bauernhofer wünscht sich, dass Mütter dabei unterstützt werden, emotional unabhängiger zu werden und sich nicht selbst zu viel Druck aufzuerlegen. Auch die finanziellen Nöte müssen enttabuisiert werden. „Gerade am Land redet man dann nicht über finanzielle Probleme, man ist still, schämt sich und kriegt keine Hilfe“, beanstandet Bauernhofer. „Das muss sich dringend ändern.“
Im Laufe der Initiative sei sie eine Ansprech- und Vertrauensperson für viele geworden und habe nun einen viel größeren Handlungsspielraum als noch zu Beginn. „Es fing an mit der Organisation von Lebensmittelgutscheinen, der Bezahlung von Rechnungen von Strom oder ganzen Mieten“, erzählt Bauernhofer. „Einmal haben wir sogar einen Führerschein für eine Mama finanziert und in einem anderen Fall eine Wohnung eingerichtet.“ Auch mit den Behörden und regionalen Institutionen sei man mittlerweile gut vernetzt. So habe zum Beispiel einmal ein Fall von Kindesmisshandlung aufgedeckt werden können. Die Bedeutung dieses Netzwerks werde also immer größer.

Starke Mamas
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Empowerment:

Das Netzwerk zeigt mit starken Aktionen auf.

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Projekte stärken Mamas

Nach wie vor sei es in der „aufgeklärten Zeit heute“ leider für viele eine Selbstverständlichkeit, dass eine Mama nach Hause zu den Kindern gehöre. „Das Stigma ist noch da, aber wir haben einfach so eine Vielfalt an Themen, dass mittlerweile alle sehen können, wie vielfältig wir sind.“ Das zeige sich an den unterschiedlichen Projekten der „von Mama zu Mama #Oststeiermark“-Initiative. Vom Kochbuch bis zur Brustkrebskampagne, vom finanziellen Support bis hin zu aufrüttelnden Videos über Body­shaming und Vorurteile. „So viele Frauen werden nach der Geburt analysiert und sollen möglichst schnell einen sowieso völlig unsinnigen Beautystandard erreichen“, erklärt Bauernhofer. Sie bekäme unzählige Nachrichten von Frauen, die von anderen Frauen oder sogar vom eigenen Partner für ihr Aussehen geschimpft würden. Bei dem Thema – und noch bei vielen anderen – müsse man viel lauter werden. „Wir wollen polarisieren, wir wollen sichtbar sein und wir wollen zeigen, was wir draufhaben. Ohne uns dreht sich das Rad nicht weiter – das ist Tatsache.“ Besonders wichtig ist für Bauernhofer zu betonen: „Wir wollen Mamas sein, aber wir wollen nicht NUR Mamas sein. Wir sind auch Freundin, Chefin, Model – alles, was wir sein möchten!“


Herausforderung: Corona

In der aktuellen Coronasituation habe sie wieder aufs Neue bemerkt, wie wenig Verständnis und Unterstützung für die Rolle der Mama vorhanden sei und wie wenig „familienfreundlich“ Betriebe oft wirklich seien. „Auch ich war überfordert mit meinemnKindern daheim und hab abends in der Badewanne geweint – natürlich, es geht uns allen so! Und es sollte möglich sein, darüber zu reden und zu fordern, dass sich etwas ändert.“ Mehr Offenheit möchte Bauernhofer auch bei Themen wie häusliche Gewalt. Sie appelliert daran, für Mamas – und natürlich auch Papas – bessere Rahmenbedingungen zu schaffen, beispielsweise beim Thema Kinderbetreuung, und setzt sich weiterhin tatkräftig für das Aufbrechen von Vorurteilen ein. So möchte sie auch in Zukunft Frauen und Müttern in der Region helfen. „Ich möchte zeigen, dass die 3-Kindes-Mutter am Feld in Fischbach gleich viel leistet wie die Alleinerziehende, die sich selbstständig gemacht hat. Beide haben völlig unterschiedliche Aufgaben und andere Herausforderungen zu bewältigen. Wichtig ist aber: Sie sind beide genau gleich großartig.“

 

 

 

Fotos Patrick Feiner Photography, Marlin Wolf, David Wilfling