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Lifestyle | 10.03.2021

Lost & Found

Vergessen und verfallen – in ihrem neuen Buch „Lost Places in der Steiermark“ nehmen Helmuth Weichselbraun und Georg Lux ihre Leser mit auf eine spannende Reise in die Vergangenheit.

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Fotograf Helmuth Weichselbraun (l.) und Autor Georg Lux. © fotoquadr.at/Helmuth Weichselbraun

Lost Places sind Orte und Bauwerke, die im Kontext ihrer ursprünglichen Nutzung in Vergessenheit geraten sind. Dem Verfall preisgegeben, strahlen sie einen morbiden Charme aus, der immer wieder Interessierte und Historik-Fans anzieht. Dazu zählen auch Autor Georg Lux und Fotograf Helmuth Weichselbraun. „Ein Lost Place ist für uns ein vergessener Ort mit einer beinahe in Vergessenheit geratenen Geschichte, die es wert ist, in Erinnerung gerufen zu werden – vielfach als Mahnung, die bis in die Gegenwart reicht.“

„Lost Places in der Steiermark“ ist ihr bereits viertes Buch, das im Styria Verlag erscheint, in dem sie sich diesen vergessenen Orten widmen. Die Ansprüche an sich selbst sind dabei immer hoch: „Die Beschreibung der Plätze muss, so unser Anspruch, über die rein fotografische Dokumentation hinausreichen. Wir verstehen unsere Bücher als ,Reiseführer gegen das Vergessen‘. Wo es gefahrlos möglich ist, laden wir unsere Leser ein, unseren Spuren achtsam zu folgen.“

Für das neueste Werk erforschte das Duo nun die Steiermark. Das Ergebnis: atemberaubende Fotos von verfallenen Schlössern, Industrieruinen und verlassenen Hotels. Mit einer augenzwinkernden Leichtigkeit und hintergründigen Fakten präsentieren Lux und Weichselbraun eine spannende Spurensuche zu längst vergessenen Orten. Und auch einen Tipp für alle Leser geben sie gerne preis: „Halten Sie die Augen offen! Die Welt ist voller Lost Places.“

Sie wollen mehr wissen? Dann schauen Sie einfach einmal auf den Blog der beiden Lost-Places-Experten unter www.erlebnis.net/unterirdisch.


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© fotoquadr.at/Helmuth Weichselbraun

Klangdom
Nahe Pischelsdorf

Beeindruckend. Eine ganz besondere Atmosphäre bietet eine ausgediente Radarkuppel des Bundesheeres nahe Pischelsdorf. Etwa zweieinhalb Kilometer vor der Ortschaft am Rastplatz K.U.L.M. an der Wechselstraße (B54) steht auf freiem Feld die außer Dienst gestellte und innen begehbare riesige Radarkuppel, die zum „Klangdom“ umfunktioniert wurde. Die Installation geht auf den Künstler Richard Frankenberger zurück, der zum Zeitpunkt der Errichtung Obmann des Kulturvereins K.U.L.M. war. Die Kuppel ist frei zugänglich und ist nicht nur als Fotomotiv beliebt.


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© fotoquadr.at/Helmuth Weichselbraun

Kohlebergbau
Weststeiermark

Gigantisch. Gleich zwei gigantische Bagger erinnern in Voitsberg und Bärnbach an den stillgelegten Kohlebergbau. Beide Ungetüme sind Überbleibsel des Kohleabbaus in Oberdorf bei Bärnbach, der Mitte des 18. Jahrhunderts begann und vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg florierte. Anfang der 1970er-Jahre sattelte man um auf Tagbau, der leichter, ungefährlicher und billiger war. Im September 2004 wurde der Großtagbau Oberdorf aus wirtschaftlichen Gründen stillgelegt – Kohle war nicht mehr konkurrenzfähig. Zurück blieben mit den beiden Schaufelradbaggern zwei stumme, aber riesige Zeugen. Der größere Schaufelradbagger – mit dem Namen Leopold – verbringt seine Pension seit 2004 in der Nachbargemeinde Voitsberg.


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© fotoquadr.at/Helmuth Weichselbraun

Schloss Schrattenberg
Scheifling

Vergangene Schönheit. Das Barockschloss Schrattenberg galt als einer der prächtigsten Adelssitze in der Steiermark, bis es 1915 ausbrannte. Einst hatte es 52 Zimmer mit 360 Fenstern, in denen auch der ein oder andere prominente Besuch zu Gast war. 1760 zum Beispiel der österreichische Erzherzog Joseph, der 1782 als Kaiser Joseph II. noch einmal kam. Uneingeladen schaute 1797 auch Napoleon Bonaparte vorbei. Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde aus dem Schloss ein militärisches Genesungsheim. Die Soldaten sollten die letzten Bewohner sein. 1915 wurde die Schönheit von Schrattenberg ein Raub der Flammen. Die Brandursache konnte nie geklärt werden. Die Ruine ist heute in Privateigentum. Ohne Genehmigung gilt: „Betreten verboten!“


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© fotoquadr.at/Helmuth Weichselbraun

Dom des Waldes
Hebalm

Naturverbunden. Der 1999 auf der Hebalm errichtete Dom des Waldes ist über die nähere Umgebung hinaus längst in Vergessenheit geraten. Die Idee stammt von den Künstlern Anne und Peter Knoll, deren Arbeiten stets das Spannungsfeld zwischen Natur und Mensch widerspiegeln. Als Vorlage diente der Dom von Mailand mit seinen vielen Türmchen und Spitzen. Ein begehbarer Holzsteg zeichnet zwischen Fichten den exakten Umriss des 11.700 Quadratmeter großen Doms von Mailand nach. Zur „Ökotektur“ gehören außerdem die fünf Portale des Gotteshauses, vereinfacht in Lärchenholz ausgeführt, aber in der Größe dem Original entsprechend. Nach einer Renovierung 2020 plant man, dem Dom des Waldes mit Veranstaltungen wieder neues Leben einzuhauchen.


Lost Places in der Steiermark
Georg Lux & Helmuth Weichselbraun

Styria Verlag, € 27,–
Franz. Broschur, 192 Seiten
ISBN 978-3-222-13662-7
www.styriabooks.at
Styria Verlag
Erscheinungstermin: 16.03.2021