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Lifestyle | 22.02.2021

Kein Platz Bodyshaming

Mit ihrer „Lebe einzigartig“-Kampagne setzt sich Dragqueen Samantha Gold für eine mobbingfreie Zukunft ein.

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Vorkämpfer*in: Samantha Gold alias Bernd Heinrich setzt sich für Body Positivity ein. © Samantha Gold

Jeder Körper ist einzigartig – egal ob er westlichen Schönheitsidealen entspricht oder nicht. Mit ihrer Kampagne gegen Body­shaming macht Dragqueen Samantha Gold auf ein Thema aufmerksam, das viel zu viele von uns betrifft, und möchte eine Community erschaffen, die sich gegenseitig stützt anstatt kritisiert.

Die Kampagne. Die steirische Samantha Gold alias Bernd Heinrich startete mit der Wahl zur Miss Tuntenball  2015 eine internationale Drag-Karriere, die sie unter anderem an die Hamburger Reeperbahn und zuletzt in die Pro7-Show „Queen of Drags“ brachte. Die „Plus Size Queen“, die sich oft für ihren Körper rechtfertigen musste, forderte im Herbst online Betroffene von Bodyshaming auf, ihre Geschichten zu teilen. Mit der überragend positiven Resonanz wurde nun gemeinsam mit einer Studierendengruppe des Bachelorstudien­gangs Informationsdesign an der FH Joanneum Graz eine Dokumentation produziert. Hier erzählen Menschen ganz intim und emotional über ihre persönlichen Schicksale. Samantha will so auf die Problematik und negativen Auswirkungen von Bodyshaming aufmerksam machen. Durch die Kampagne soll Mobbing ein Gesicht gegeben werden: Die vermummten Personen auf den Fotos reflektieren die verletzende Gesellschaft, der Teufel symbolisiert die negativen Gedanken, die zu Depression, Selbstverletzung bis hin zum Suizid führen können.

Persönliche Geschichte. Bernd hatte immer schon mit Gewichtsschwankungen zu kämpfen und musste bereits als Kind vieles einstecken. „Ist klar, dass der Dicke ein Speckweckerl kauft“ ist nur ein Beispiel. „Nach außen habe ich mich gewehrt, insgeheim habe ich viel nachgedacht und Diäten gemacht, um den Idealen zu entsprechen.“ Als Drag Queen, hieß es, sei Samantha zu fett, zu monströs, zu unbeweglich, um Karriere machen zu können. „Mir wurde geraten, ich solle mich mit Dicken-Witzen präsentieren und mich selbst schlechtmachen, um andere zu unterhalten.“ Ihre Bekanntheit nutzt Samantha jetzt, um ein gesellschaftliches Umdenken zu bewirken. „Ich will als Vorbild vorangehen und darauf aufmerksam machen, dass niemand für seine Einzigartigkeit diskriminiert werden soll.“

Julias Geschichte. Auch Kampagnen-­Teilnehmerin Julias Erfahrungen mit Body­shaming reichen weit zurück. Schon Mitschüler*innen beschimpften sie als fett und hässlich. Bei Ärzten heißt es, sie sei selbst schuld, wenn sie krank sei, und würde jung sterben, wenn sie nicht abnimmt. „Ich will weitergeben, dass jeder so schön ist, wie er oder sie sich fühlt, und das allen anderen egal sein muss. Es ist dein Körper und nur du entscheidest!“

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Kampagnenfoto mit Julia, der verletzenden Gesellschaft und unserem inneren Teufel. © Samantha Gold

Schwerwiegende Folgen. Kaum jemand wird nicht aufgrund seines oder ihres Körpers „geshamed“. Man hinterfragt seine Erscheinung und zweifelt an sich selbst. Dabei hat niemand das Recht, den Körper jemand anderes zu beurteilen. Über Instagram erhält Samantha viele Nachrichten persönlicher Geschichten, die teilweise sehr tragisch sind. Zukünftig soll Bodyshaming keinen Platz mehr haben: „Darum zeige ich bei meiner Aktion den Teufel als Sinnbild für etwas Schlechtes, das aus unserer Gesellschaft vertrieben werden muss.“

Warum wir shamen. Viele Menschen, die andere aufgrund ihres Äußeren mobben, tun dies aus Selbstschutz, meint Samantha. Sie versuchen, selbst keine Angriffsfläche zu bieten, und projizieren ihre negative Energie auf andere. Die Kraft von Bodyshaming auf die Psyche wird dabei unterschätzt: Alltägliche Floskeln und Witze sind gang und gäbe, fühlen sich aber an wie Stiche ins Herz. Es sei wichtig, ein Bewusstsein für den Schmerz zu schaffen. Man muss Missstände ungefiltert präsentieren, damit sich eine Gegenbewegung in der Gesellschaft festigt.

In die Heimat. Privat hat Bernd gemeinsam mit seinem Mann Johannes die letzten Jahre in Hamburg verbracht. Nach vielen TV-Drehs und dem erfolgreichen Engagement in der Hamburger Community und international sind die beiden in die steirische Heimat zurückgekehrt und haben sich mit crearteum den Traum der eigenen Kreativagentur erfüllt. Auch Samantha soll natürlich weiterhin aktiv sein und neben kreativen Engagements eben auch Projekte wie die Bodyshaming-Kampagne vorantreiben. „Abschließend kann ich nur noch mal sagen: Lebe einzigartig! Glaube immer an dich selbst und mach immer, was du willst. Lass dich nicht unterkriegen und hör nicht auf andere.“