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Lifestyle | 13.01.2021

Lust zu spielen?

Für „Mama Lustspiel“ sind Sextoys Spielzeuge für Große, die nicht nur das Sexualleben ordentlich anheizen, sondern auch Beziehungen neu formen können. Erfahrungen aus 25 Jahren im Erotikshop.

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Mama Lustspiel: „Man muss sich ja nicht gleich aufs Kreuz hängen – aber man kann mal was ausprobieren.“ © Thomas Luef

Eine interessante Branche für ein Familienbusiness: Im Praktikum bei Beate Uhse war für Sohn Christian Weswaldi schnell klar: „Das können wir auch!“ Mit Mutter Brigitte Ruprechter eröffnete er vor 25 Jahren einen eigenen Erotikshop in Leibnitz. Mittlerweile hat sich das ikonische Mutter-Sohn-Duo in der Grazer Jakoministraße 25 und 12 das „Lustspiel“ eingerichtet, einen Männershop mit Sexkino und den Ladys-Shop mit aufregenden Separees für erotische Stunden. Wer bei „Mama Lustspiel“ im Laden steht, wird top beraten und erhält einwandfreie, vom befreundeten Arzt bejahte Produkte. Gleichzeitig muss man sich auf triefende Ehrlichkeit einstellen, wie man sie nur von einer echten Mama kennt: Wenn das Dessous nicht richtig sitzt oder sie die Harmonie eines Paares anzweifelt, macht Ruprechter den Mund auf. Wichtig, sagt sie, denn viel zu oft werden Kunden nicht richtig beraten. Wer zwielichtig wirkt oder sich nicht benimmt, darf nicht rein: „Wer ein Arschloch ist, der geht – egal ob Doktor oder Verkäuferin.“ So entsteht ein angenehmes Shoppingerlebnis für Frauen und Pärchen und absoluter Wohlfühlcharakter mit einem Thema, bei dem sich viele noch schwertun, darüber zu sprechen. Wenn sich jemand mit Sex und Toys auseinandergesetzt hat, dann Mama Lustspiel.

STEIRERIN: Sie sind seit 25 Jahren im Geschäft – was hat sich seitdem verändert?
Brigitte Ruprechter: Sehr viel! Am Anfang gab es nur katastrophale Gummitoys, dann kamen Plastiktoys in allen Farben. Heute ist vieles aus Silikon oder Naturskin und hat USB zum Aufladen anstatt Batterien. Die Sachen wurden sehr hochwertig. Silikon nimmt keine Bakterien auf, man braucht es nur mit einer Arztseife zu reinigen; Plastik musst du jedes Mal desinfizieren, das Desinfektionsmittel verursacht oft Allergien – Brennen, Juckreiz, Rötungen –, da hört sich der Spaß dann auf. Ich habe fast schon alles aus Silikon und Naturskin.

Was ist momentan so der Renner?
Vibratoren, immer. Momentan sind es Vibratoren und Liebeskugeln mit Fernbedienung. Die Frau führt die Kugel ein, er hat die Fernbedienung mit 10 Metern Reichweite und kann drücken. Beim Aufsteirern letztes Jahr sind sehr viele Pärchen mit Liebeskugeln rumgelaufen. Für Fernbeziehungen gibt es Apps zum Steuern: Er kann in Wien sein und du in Graz – ein Knopfdruck und es geht rund.

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© Thomas Luef

Welche sexuellen „Trends“ beobachten Sie?
Die SM-Szene wird immer stärker. Speziell die Jungen wissen schon ganz genau, was sie wollen, und kommen gezielt für Handschellen, Peitschen, Analstoppel. Man merkt, wenn das beide mögen, passt auch das Sexualleben: Die Pärchen gehen ganz anders miteinander um, sehr lieb. Obwohl sie im Rollenspiel vielleicht mal die Sklavin ist und er der Dom, würde er nie primitiv gegenüber ihr sein. Wenn man sonst oft schaut, wie manche Männer reden, wird mir schlecht

Werden mehr Partner- oder Singletoys verkauft?
Eigentlich mehr Vibratoren, auch Strap-ons für Lesben. Ein neuer Trend ist, dass auch Hetero-Männer Analtoys kaufen. Der Mann kommt von hinten zu seiner Prostata, die ziemlich gleichwertig mit dem G-Punkt der Frau ist. Dafür gibt es auch eigene Prostata-­Vibratoren.

Wie wichtig ist Sex für die Beziehung?
Mit Sex fängt jede Beziehung an – wenn der nicht stimmt, ist es vorbei. Gefühle werden durch Sex, Innigkeit, Zärtlichkeit ausgetauscht. Wenn die dann aber irgendwann verloren gehen, was bleibt noch? Das Sexualleben darf man nicht aufgeben, man kann es mit Spielzeug und Massageölen wieder aufpeppen; oft reicht schon ein kleines Höschen. Und dafür gibt es dann den Erotikshop.

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© Thomas Luef

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© Thomas Luef

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© Thomas Luef

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© Thomas Luef

Wie kann frau das Sexleben wieder anheizen?
Klar, wenn er saumüde heimkommt, hilft es auch nicht, wenn ich im Dessous herumhüpfe. Der Zeitpunkt muss schon passen. Aber man kann sich sehr wohl mal herrichten, es ein bisschen romantisch machen. Viele sagen, Spielzeug ist pervers – das ist es überhaupt nicht. Du stellst auch das schöne Geschirr raus, wenn Freunde auf Besuch kommen – und in der Beziehung nimmt man halt mal ein Spielzeug her.

Kommen Kunden auch extra für Ratschläge?
Viele. Bis ich mit den Leuten an der Kassa bin, weiß ich zu 95 % ihre Lebensgeschichte, egal ob Mann oder Frau. Viele wissen nicht, was sie wollen, aber wir kommen meistens auf einen Nenner. Oft kommen sie auch gleich zu zweit daher und fragen nach. Schön, oder?

Ist Sex irgendwo immer noch ein Tabu­thema?
Ja. Für mich ist nichts pervers, das in einem gewissen Rahmen ist. Ich kann Brust und Penis sagen, es sind immerhin Körperteile. Wir haben immerhin nicht nur Sex, damit wir uns fortpflanzen, sondern auch damit wir Spaß haben, oder? Das ist ja auch das, was uns zusammenhält.

Welchen Tipp geben Sie einer Frau, die ihre Sexualität finden will?
Sie soll sich nie jemandem hingeben, wenn kein Gefühl da ist. Sie soll nicht etwas machen, das sie nicht will. Sie soll sich immer selbst treu bleiben, das ist das Allerwichtigste im Leben – vor allem in der Sexualität. Sonst kommt es nämlich so weit, dass sie, wenn sie den falschen Partner hat, nie einen Höhepunkt erlebt, sich nie fallen lassen kann. Und mit dem Partner reden – das ist das Um und Auf.