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Fotos: Shutterstock, Heimo Binder, sexmed.at, Thomas Luef

Lifestyle | 16.02.2022

3x3=Sex

Liebe, Lust und Leidenschaft – um die schönste Nebensache der Welt ranken sich viele Mythen. Wir haben drei ExpertInnen je drei Tabufragen gestellt und spannende Antworten erhalten.

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Manfred Rupp
Geschäftsführer der AIDS-Hilfe Steiermark

Alle Angebote der Aids-Hilfe Steiermark, die heuer ihr 35-Jahr-Jubiläum begeht, haben das Ziel, die Kompetenz für sexuelle Gesundheit zu fördern.

www.aids-hilfe.at

DIE STEIRERIN: Können HIV-positive Frauen gesunde Kinder bekommen?
Manfred Rupp:
Ja! Eine wirksame Therapie unterdrückt HIV im Körper unter die Nachweisgrenze. So können HIV-positive Menschen das Virus – auch während Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit – nicht auf das Baby übertragen. Jede Schwangere wird bei der Mutter-Kind-Pass-Untersuchung auf HIV getestet. Bei einer HIV-Diagnose wird mit der medikamentösen Therapie begonnen, um eine Infektion des Kindes auszuschließen. HIV-Positive unter Therapie stellen somit in gar keinem Lebensbereich eine Infektionsgefahr dar!

Müssen Latexallergiker*innen auf Kondome verzichten?
Rund 2 Prozent der Bevölkerung in Österreich reagiert allergisch auf Latex. Die gute Nachricht: Nein, man muss nicht auf Präservative verzichten. Auf dem Markt gibt es viele „www.mein-kondom.de“ latexfreie Produkte namhafter Hersteller, die den gleichen Schutz vor Geschlechtskrankheiten und ungewollten Schwangerschaften bieten wie herkömmliche Kondome. Die Lösung dabei sind latexfreie Kondome aus Polyisopren oder Polyurethane. Vorteil: Sie sind extrem dünn und gelten daher als gefühlsintensiver. Nachteil: Sie sind teurer, da ihre Produktion aufwendiger ist als bei konventionellen Kondomen.

Verbreiten sich Geschlechtskrankheiten wieder vermehrt?
Die derzeit meistverbreiteten Geschlechtskrankheiten oder STIs (Sexually Transmitted Infections) sind Chlamydien, Syphilis und Tripper (Gonorrhoe). Diese sind leicht übertragbar und hochinfektiös. Selbst Kondome und Femidome können das Risiko nur reduzieren. Daher ist es sinnvoll, sich bei häufigem Sexualpartner*innenwechsel regelmäßig testen zu lassen. Das ist in der AIDS-Hilfe Steiermark möglich. Wir bieten anonym und unkompliziert Testungen der 5 wichtigsten STIs (HIV, Syphilis, Tripper, Chlamydien und Hepatitis C) an.


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Irene Thiel
Gynäkologin und Leiterin des Brustgesundheitszentrums Süd in Weiz

Frauen in ihrer Lebenssituation bestmöglich zu unterstützen: So versteht Irene Thiel nicht nur ihren Job, sondern auch ihr Leben.

www.brustgesundheitszentrum-sued.at

Warum habe ich regelmäßig Schmerzen beim Sex?
Dies ist ein besonders wichtiges Thema, da besonders junge Frauen von Schmerzen beim Sex betroffen sind. Die Schmerzen können verschiedene Ursachen haben. Im Rahmen einer gynäkologischen Untersuchung kann man feststellen, ob es sich um eine Entzündung, hormonelle bedingte Scheidentrockenheit oder erhöhen Muskeltonus handelt. Manchmal kann es auch psychische Ursachen haben oder es liegt an der sexuellen Praxis selbst.

Ich hatte noch nie einen vaginalen Orgasmus. Ist alles in Ordnung mit mir?
Wichtig ist es, seinen Körper selbst zu erforschen, um die erogenen Zonen kennenzulernen. Was fühlt sich gut an? Was macht mir Spaß? Sowohl Klitoris als auch der G-Punkt lassen sich durch Vor- und Nachspiel oft gut stimulieren.

Kann Sex schaden?
Nicht wenn Praktiken, Frequenz und Umgebung den eigenen Bedürfnissen entsprechen und der Partner oder die Partnerin einfach passt. Sind diese Grundvoraussetzungen gegeben, ist Sex gesund und sollte vor allem Spaß machen.


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Aleš Svoboda
Sexualpädagoge Sexualmedizinische Praxis Graz

Bei Sexmed – Sexualmedizinische Praxis Graz ermöglichen Atmosphäre, Diskretion und der achtsame Umgang miteinander, sich zu öffnen und so gemeinsam sexuelle Problematiken zu lösen.

www.sexmed.at

Langeweile im Bett und/oder das schwindende Verlangen nach dem Partner – ist das der Preis für eine verlässliche und monogame Bindung?
Wo wir lieben, begehren wir nicht. Wo wir begehren, können wir nicht lieben. Eine beinah provokante These, die aber viele Paare betrifft. Dass der Mensch ein Lebewesen ist, das Abwechslung allgemein eher mag (braucht?) als eine monotone Welt um sich, würden wir vielleicht nicht unbedingt bestreiten. Da aber Langeweile kein Synonym für Verlässlichkeit oder Monogamie ist, kann zwar diese im Rahmen einer verlässlichen monogamen Beziehung vorkommen, sie muss es aber nicht, was wiederum viele Paare weltweit beweisen, wo die Sexualität auch nach vielen Jahren wunderschön, erfüllend ist. Da unsere Sexualität als die intimste Kommunikation verstanden wird, ist diese permanent zu pflegen – indem wir offen kommunizieren, indem wir die ganze Palette der Intimität, den ganzen Körper mit allen Sinnen, kennenlernen und genießen, Neues probieren, nicht nur das „Rein und Raus“, was häufig der Fall ist.

Kann Sex süchtig machen?
Gibt es etwas, was nicht süchtig machen kann? Wenn wir uns die internationalen Klassifikationssysteme der sexuellen Funktionsstörungen laut Weltgesundheitsorganisation anschauen, ist hier die Rede von einem gesteigerten sexuellen Verlangen, welches wiederum scheinbar ähnliche Mechanismen und Zeichen aufweist wie ein süchtiges Verhalten z. B. eines Alkoholikers und deswegen von manchen Sexualtherapeut*innen als Sexsucht bezeichnet wird. Im amerikanischen Klassifikationssystem gibt es die Sexsucht oder Hypersexualität nicht. Die fachliche Uneinigkeit war und bleibt ein Fakt. Ich würde aber nie behaupten, dass Sex nicht süchtig machen kann. Es gibt nämlich Personen, die sich als sexsüchtig bezeichnen, die darunter häufig leiden und sich daher an unsere Praxis wenden.

Ich habe als Frau Gewaltfantasien. Bin ich normal?
Auch Frauen und Mädchen haben sexuelle Gewaltfantasien. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich mit lockernden moralischen Maßstäben auch mehrere Frauen, die diese Fantasien haben, sich aber dafür schämen, dazu bekennen werden. Solange die Person unter diesen Fantasien nicht leidet oder sie nicht gegen den Willen einer anderen Person auslebt, ist es nicht problematisch.


Fotos: © Shutterstock, Heimo Binder, sexmed.at, Thomas Luef