Loading…
Du befindest dich hier: Home | Lifestyle

Lifestyle | 21.12.2016

Achtsam durchs Leben

Innehalten, sich besinnen auf das, was gerade ist, sich selbst oder auch die Außenwelt bewusst wahrnehmen. Achtsamkeit bedeutet, nicht wertend, konzentriert und wirkungsvoll im Augenblick zu sein. Das ist heilsam, sagen Experten, muss man aber trainieren.

Themen:

Innehalten, sich besinnen auf das, was gerade ist, sich selbst oder auch die Außenwelt bewusst wahrnehmen, ohne zu werten: Achtsamkeit klingt nach einem simplen Rezept. Für manch einen möglicherweise sogar ein wenig esoterisch. Und doch ist Achtsamkeit, also das gezielte Aussteigen aus dem unbewusst ablaufenden Modus der Bewertung, ein probates Mittel, um mit schwierigen Situationen klarzukommen, aus akutem Stress auszusteigen, ja sogar, um Depressionen vorzubeugen. Achtsame Menschen sind offen und neugierig, sie beurteilen weder Gedanken noch Empfindungen. Sie nehmen sie nur wahr. Studien bestätigen, dass Achtsamkeitstraining die innere Anspannung reduziert und dadurch viele Beschwerden lindern kann. Achtsamkeitsbasierte Therapien werden auch in Graz eingesetzt, als Prävention und in der Reha, erzählt Primaria Susanna Anhaus. Sie ist Fachärztin für Neurologie, Fachärztin für Psychiatrie, Verhaltenstherapeutin und ärztliche Leiterin der APR Graz – der Ambulanten Psychosozialen Rehabilitation. Reha ist intensiver als das, was man „Kur“ nennt, hier zielen die Therapien nicht auf körperliche Gebrechen, sondern die psychische Gesundheit und Leistungs­fähigkeit. Die APR Graz ist eine Tages­klinik. Seit 2015 bietet sie für bis zu 60 Personen eine 6-wöchige psychiatrische Rehabilitation bzw. eine weitmaschige, berufsbegleitende Betreuung über ein Jahr. „Letzteres ist eine Art Coaching, bei dem wir verschiedene gesundheitsfördernde Maßnahmen setzen. Reha als Prävention und Unter­stützung im Arbeits-Alltag.“

Raus aus den Emotionen

Zu den gesundheitsfördernden Maßnahmen gehört auch die Schulung der Achtsamkeit. „Achtsamkeit ist ein heilsames Gegenkonzept zum permanenten Multitasking unserer Zeit“, erklärt Anhaus. Aber nicht so einfach, wie es klingt. „Allein nicht bewertend zu sein ist schon ein Kunststück. Denn unsere Grundtendenz ist ja die, zu sagen: Es geht mir nur gut, wenn alles so ist, wie ich es will. Im Modus der Achtsamkeit nehme ich die Dinge, die Welt, so wahr wie sie ist.“ Achtsamkeit wird im Rahmen der Reha daher geübt. „Wer immer wieder übt, kurz auszusteigen, wird zunehmend bewusster. Ist weniger getrieben von den unbewussten Emotionen und damit auch freier und selbstbestimmter“, erklärt Susanna Anhaus und fügt an: „Das ist für uns alle wichtig.“ Es dient der Prävention psychischer Beschwerden wie etwa Burn-out.

Autopilot- versus Achtsamkeitsmodus

„Unser Gehirn produziert permanent Gedanken, bis zu 20.000 pro Tag! Jeder Gedanke vernebelt uns den Blick für die Gegenwart. Immer, wenn wir in Gedanken sind, sind wir nicht im Modus der Achtsamkeit, sondern im Autopilotmodus“, erklärt auch die Psychotherapiewissenschaftlerin Lisbeth Jerich, die die Ursachen von Burn-out erforscht. „Dieses ist das Gegenteil des Achtsamkeitsmodus: Wir sind unbewusst, haben einen engen Blickwinkel und reagieren gemäß unserer automatisierten Denk- und Verhaltensmuster. Sehr häufig sind diese gegen uns selbst gerichtet, sodass es wichtig ist, solche Situationen zu erkennen und durch eine achtsame innere Haltung aus dem Auto­pilotmodus aussteigen zu lernen. „Mindness“ heißt auch das Gesundheitsprogramm, das Jerich im Balance Resort Stegersbach umsetzt. „Ich biete dort derzeit ganz exklusiv ein 7-stufiges psychisches Gesundheitsprogramm zur Förderung eines neuen „Selbst-Bewusst-Seins“ an und ergänze damit klassische Wellnessangebote, die in erster Linie darauf abzielen, unser körperlich-seelisches Wohlbefinden zu fördern.“

Achtsamkeit muss geübt werden

Hier drei Übungen, die sich in jeden Alltag integrieren lassen:

  • Bekanntes neu entdecken. Sie wählen dafür eine alltägliche Situation, die zur Routine zählt, und beginnen, sie zu betrachten, Details zu beachten. Wie ist der Rücken dieser Zahnbürste beschaffen? Die Oberfläche des Waschbeckens? Welche Form hat der Griff der Duscharmatur? Achten Sie während der gewohnten Tätigkeit (z. B. Zähneputzen) auf Dinge, die Sie normalerweise nicht beachten.

  • Runter vom Gas. Bei dieser Achtsamkeitsübung geht es darum, die Durchführung gewohnter Tätigkeiten bewusst zu verlangsamen. „Bremsen“ Sie für ca. zehn Minuten Ihre Bewegungen, Ihr Tun. Am besten abends zu Hause. Gehen Sie langsamer durch die Wohnung als üblich, setzen Sie sich langsamer hin – was auch immer Sie tun, verrichten Sie es langsamer als gewohnt.

  • Wandeln bei Kerzenschein. Wie wäre es, einen Abend nur bei Kerzenlicht zu verbringen? Alles erscheint in einem neuen Licht. Räume, Dinge, Gesichter sehen im Kerzenlicht verändert aus. Trauen Sie sich einen Abend bei Kerzenlicht zu? Kommt da vielleicht sogar Adventstimmung auf?