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Lifestyle | 30.11.2020

„Wir sind widerständig“

Die „widerständigen Mädchen der Frauenbewegung“ bleiben nicht stumm: mit den Omas gegen Rechts im Kampf für eine bessere Welt.

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Die Omas gegen Rechts auf einer Demonstration © beigestellt

Die pensionierte Psychotherapeutin Monika Salzer postet zur schwarz-blauen Regierungsbildung auf Face-book: „Wir Omas müssen Widerstand leisten.“ Aus einer simplen Meinungsäußerung entstand eine ganze Bewegung. Die Omas gegen Rechts sind eine zivilgesellschaftliche Plattform, die sich für den Schutz der Demokratie und gegen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus einsetzen. Mit ihren bunten Strickhauben beteiligen sie sich u. a. an Donnerstagsdemos und Veranstaltungen von Fridays for Future und suchen die Kommunikation mit PolitikerInnen. Ilse Wieser ist eine der Sprecherinnen der Omas gegen Rechts Graz. Das Motto: „Dass ältere Frauen in Wirklichkeit widerständige Mädchen sind, mit ein paar Jahrzehnten mehr. Wir sind alt gewordene Feministinnen, wir waren immer schon laut.“ Daher heißt es Widerstand leisten, indem man auf die Straße geht und den Mund aufmacht, laut ist: für Schutz und Stärkung der Demokratie, für Gleichberechtigung und Menschlichkeit. Ältere Frauen werden normalerweise nicht gehört. „Sie spielen in der Familie eine große Rolle, aber politisch nicht.“ In Graz fand sich die Gruppe 2018. Kritik gilt vor allem der schwarz-blauen Regierungsbildung und auch der Stadtregierung.

Widerstand heißt Nein. Die selbstgestellte Aufgabe der Omas gegen Rechts ist es, für die nächsten Generationen eine lebenswerte, gute Welt zu schaffen, gleich welchen Geschlechts und welcher Herkunft. Menschen zu ermutigen, weiterzudenken und aktiv zu werden. Und die Abwärtsspirale zu benennen und einzubremsen: Rassismus, Hass, Sexismus, die Klimakatastrophe. „Widerstand heißt Nein zu sagen – zu schauen, was dieses Nein bedeutet und wie man es argumentieren kann.“ Die Omas leisten gewaltfreien Widerstand, „sind aufrührerisch für den Frieden – denn friedlich zu sein heißt nicht, nichts zu tun. Friedvoll zu sein heißt manchmal auch Kampf.“

 

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© beigestellt

Tatendrang. Etwa 20 Frauen sind in Graz in Arbeitsgruppen aktiv, nehmen Termine wahr, suchen das Gespräch mit PolitikerInnen und dem Bürgermeister. „Wir bleiben in Kommunikation und bleiben höflich, aber wir sind sehr kritisch gegenüber der Frauen- und Umweltpolitik und dem Mangel an Vergangenheitsbewältigung.“ Zu viele Straßen in Graz tragen die Namen von Kriegsverbrechern, hinzu kommen viele Denkmäler. Die Frage nach dem Umgang mit diesen sei schwierig – doch die Diskussion darüber sollte nicht abgewürgt werden. „Wir wollen nicht die Vergangenheit ausradieren, aber wir wissen, dass man mit Denkmälern jemanden würdigt. Die Zusatztafel „Das war ein Nazi“ würdigt ja trotzdem, sie ist keine kritische Tafel.“ Ein weiterer Schwerpunkt ist die Flüchtlingsfrage: Es brauche richtige Betreuung und eine gute Basis für Integration. Am 20. November gibt es dazu einen Filmeabend mit Podiumsdiskussion im Kitz Royal, um die Themen Flüchtlinge, Integration und Verwurzelung zu durchleuchten.

Omas und keine Omas. Ilse Wieser selbst hat weder Enkel noch Kinder, lebt ein lesbisches Leben und ist nicht in Pension – sehr weit entfernt von der Definition einer Oma also. „Die meisten von uns sind zwar biologische Omas, aber das ist keine Voraussetzung. Tatsächlich sind viele meist so stark familiär verpflichtet, dass sie seltener zu unseren Treffen kommen können.“ In Graz gibt es etwa 150 Frauen und einige Männer im E-Mail-Verteiler.

Ältere Frauen bleiben (nicht) stumm. „Das Klischee der alten Frau ist, dass sie lächerlich gemacht wird, wenn sie laut wird. Wir sind aber eine Generation, die sich das nicht gefallen lässt.“ Mit dem Versuch, lächerlich gemacht zu werden, müsse man lernen umzugehen. Dadurch wird man nicht entwürdigt, denn „wir haben Rückgrat, wir sind kämpferisch und wir bleiben laut.“ Trotz kleinen Pensionen ginge es ihnen grundsätzlich gut. Daher sei es wichtig, die Jungen zu unterstützen. „Man muss politisch wach sein, sich zuständig fühlen. Sich in der Pension nur zurückzulehnen und gar nichts zu tun, das finde ich schändlich. Man hat doch so viel Zeit.“ Dass ältere Frauen meist gesellschaftlich stumm gemacht werden, habe viel mit einer Generation zu tun, wo nur Männer die Macht hatten. Doch Frauen, die immer schon laut und widerständig waren, bleiben es im Alter und machen Mut!