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Lifestyle | 22.04.2020

Tierärzte auf Rädern

Seit fünf Jahren gibt es mobilVet in Graz, um Tieren Hausbesuche statt Tierarztpraxis zu ermöglichen. Wir haben mit dem ersten mobilen Tierarzt Stefan Moser und Assistentin Melanie Potocnik gesprochen.

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Das mobilVet-Team mit Redaktionshund Bella © Thomas Luef

STEIRERIN: Wer beansprucht einen mobilen Tierarzt?

Stefan Moser: Zu uns kommt man im Groben aus drei Gründen: wenn die Tiere sichtbaren Stress in der Ordination haben, weil die Tierbesitzer nicht selbstständig kommen können und weil es manchen schlicht lieber ist, entspannt auf der Couch auf den Termin zu warten anstatt in einem Wartezimmer.

Melanie Potocnik: Häufig gibt es im Haushalt mehrere Tiere. Wenn ich mit drei Katzen in drei Boxen zum Tierarzt muss, vielleicht auch noch mit Kindern, ist das sehr aufwendig. Diesen Stress, den Tier und oft auch Besitzer in der Praxis haben, kann man zu Hause vermeiden.


Für euch ist ein Hausbesuch vermutlich auch angenehmer, wenn die Tiere entspannter sind?

Moser: Es ist ein schönes Arbeiten ohne Druck. Natürlich gibt es aber auch Tiere, die sich zu Hause ganz anders verhalten, denn hier sind sie die Chefs. Wir haben gelernt, Tiere beim ersten Blickkontakt einzuschätzen. Wir wissen schon, wenn wir zur Tür reinkommen, was bei der Untersuchung auf uns zukommt.

Potocnik: Wir beobachten sehr lange, bevor wir auf das Tier zugehen. Wenn es ängstlich ist, untersuchen wir auch mal auf der Couch. Da versuchen wir, uns auf das Tier einzustellen.


Können Sie alle Behandlungen zu Hause vornehmen?

Moser: Einiges können wir nicht machen, etwa Eingriffe in Vollnarkose oder Röntgen. Dafür haben wir aber ein gutes Kooperationsnetzwerk, wohin wir im Falle überweisen. Alles weitere – Impfungen, Vorsorgeuntersuchungen, Harn- und Zelluntersuchungen – können wir vor Ort machen.

Potocnik: Seit Jänner haben wir einen fixen Stützpunkt in Andritz, wo wir nach Terminvereinbarung auch Chirurgie sowie Zahn- und Mundhygiene anbieten.

 

Das mobilVet-Team im Einsatz
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Melanie Potocnik mit Redaktionshund Gustl

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Das mobilVet-Team mit Redaktionshund Bella

Jetzt wird es ja Frühling. Gibt es für Tierbesitzer etwas Spezielles zu beachten?

Moser: Im Frühling geht es immer um den Beginn der Parasiten- und Zeckensaison. Unsere Devise ist, so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich zu geben. Ein Tier, das nicht hinausgeht, braucht keinen Zeckenschutz. Was jetzt auch eine Rolle spielt, ist der Fellwechsel. Der kann bei manchen Tieren sehr intensiv sein, wobei man auch unterstützen kann.

Beobachten Sie auch Trends bei Haustieren?

Moser: Bei Hunderassen sind Trends sehr stark. Moderassen bringen aber oftmals Probleme mit sich. Weil sie in zu hoher Zahl zu schnell gezüchtet werden, ist die Nachfrage von seriösen Züchtern nicht bedienbar. Französische Bulldoggen sind dadurch zum Beispiel irrsinnig krankheitsanfällig. Ein weiterer Trend ist auch, dass viele nicht mehr nur einen Hund oder eine Katze haben, sondern gleich mehrere.

 

"Es ist nicht nachweisbar, dass Tiere Covid-19 übertragen können.", Stefan Moser

 


Das tut den Tieren sicher auch gut, wenn sie nicht alleine sind.

Moser: Bei Hunden klar, bei Katzen nicht unbedingt. Wir merken oft, dass wenn an einem Ort zwei Katzen waren und eine davon stirbt, die andere sich völlig anders entwickelt. Manchmal kann es für ein Tier sogar Stress bedeuten, den man erst erkennt, wenn das andere nicht mehr da ist. Wenn den Tieren genug Liebe vom Besitzer geschenkt wird, ist gegen Einzelhaltung nichts zu sagen. Es sollte das Ziel jedes Tierbesitzers sein, sich entsprechend mit seinem Tier zu beschäftigen.


Die jetzige Corona-Situation ist herausfordernd, manche Menschen geben ihre Tiere aus Angst ins Heim. Kann Covid-19 denn über Tiere übertragen werden?

Moser: Ich glaube nicht, dass wirklich so viele Menschen ihre Tiere weggeben. Tatsächlich ist es bisher nicht nachweisbar, dass Tiere das Virus übertragen können. Es gibt also keinen Grund, seine Haustiere ins Heim zu bringen. Eine wichtige Adresse diesbezüglich ist die Weltorganisation für Tiergesundheit, OIE, sie liefert stets die neuesten Infos zu diesem Thema. Wir selbst sind weiterhin für Sie erreichbar, aber was gesundheitlich möglich ist, wird nach hinten verlegt. Dabei versuchen wir, bei unseren Besuchen möglichst alleine mit dem Tier zu sein und Kontakt zu den Besitzern zu vermeiden.