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Lifestyle | 03.02.2020

Gründerinnen, seid mutig …

… und meldet euch zur „Arena der Gründerinnen“. STEIRERIN, SFG und Steiermärkische Sparkasse suchen gemeinsam die Frauen, die schon heute beginnen wollen, die Zukunft der Steiermark zu gestalten.

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SFG-Geschäftsführer Christoph Ludwig (l.) und Vorstandsmitglied Steiermärkische Sparkasse Oliver Kröpfl © Marija Kanizaj

Ideen von heute, Gründerinnen von morgen und Konzerne der Zukunft … in heimischen Start-up-Ideen steckt großes Potenzial. Und dieses Potenzial soll mit der „Arena der Gründerinnen“ geweckt werden. STEIRERIN, SFG – Steirische Wirtschaftsförderungsgesellschaft und die Steiermärkische Sparkasse bitten mit dieser brandneuen Plattform heimischen Unternehmerinnen in spe die Chance, ihre Idee zu präsentieren und damit Cash sowie mediale Unterstützung zu gewinnen.

Im Interview erklären SFG-Geschäftsführer Christoph Ludwig und Steiermärkische-Vorstandsmitglied Oliver Kröpfl, warum gerade Frauen so wichtig sind für das Start-up-Ökosystem, welche Grundvoraussetzungen Start-ups erfüllen sollten und warum man unbedingt Mut zum ersten Schritt haben sollte.

Wie sieht die Start-up-Szene der Steiermark im Allgemeinen aus?

Christoph Ludwig: Mittlerweile hat sich das Start-up-Ökosystem in der Steiermark sehr gut entwickelt. Im Österreich-Vergleich haben wir Oberösterreich überholt und sind hinter Wien die Nummer 2.

Oliver Kröpfl: Aus meiner Sicht ein absolut positives Faktum ist die sehr gute  Zusammenarbeit zwischen den verschiedensten Institutionen, die die Szene betreuen. Von der SFG und der Wirtschaftskammer über Unternehmen bis hin zu Inkubatoren wie dem Science Park in Graz – diese Player widmen sich aus den verschiedensten Perspektiven dem Thema und kooperieren überdurchschnittlich gut miteinander.

Ist es heutzutage leichter, ein Unternehmen zu gründen, als noch vor einigen Jahrzehnten?

Kröpfl: Wenn das Geschäftsmodell passt, glaube ich, dass man heutzutage besser und schneller gründen und expandieren kann als noch vor 30 Jahren. Alleine die Kommunikations- und Werbemöglichkeiten sind in einer digitalen Welt mit viel weniger finanziellem Input umsetzbar.

Ludwig: Digitalisierung gibt jungen Unternehmen große Chancen in die Hand.

Welche Aspekte wären noch ausbaufähig?

Ludwig: Der Zugang zu Risikokapital ist sicher ausbaufähig. Genau aus diesem Grund gilt es, hier Aktivitäten zu setzen.

Wie weiblich ist die steirische Start-up-Szene?

Ludwig: Bei rund 45 Prozent aller Unternehmen, die in der Steiermark gegründet werden, sind Frauen mit dabei. Das ist ein guter Wert, der auch in den letzten Jahren im Steigen begriffen ist. Man sieht, dass Frauen hier sehr aktiv sind.

Kröpfl: Im Gegensatz zu anderen Bereichen in der Wirtschaft, die schon etablierter sind und Konzernstrukturen haben, habe ich das Gefühl, dass der Frauenanteil in der Start-up-Szene im Vergleich deutlich besser ausgeprägt ist. Ich bin sehr froh darüber, dass es dadurch zu einer schrittweisen Angleichung in der Gesamtwirtschaft kommt.

Gründen Frauen anders?

Ludwig: Ich nehme schon wahr, dass Frauen anders gründen als Männer – oft bedachter sind, vielleicht weniger die Technik in den Vordergrund stellen, sondern mehr die Usability wie Design und Kreativität, Servicegrad und Nutzbarkeit. Im Allgemeinen gilt: Bei Teams mit einer gewissen Unterschiedlichkeit in der Teamstruktur erhöht sich die Wahrscheinlichkeit des Erfolges.

Kröpfl: Mein Eindruck ist, dass Frauen noch mehr Wert auf kooperatives Wirtschaften legen. Markt bedeutet natürlich immer auch Wettbewerb. Trotzdem gelingt es Frauen oftmals besser, in den Teams, die sie dann aufstellen und organisieren, den Teamgeist zu erwecken und beizubehalten.

Warum sind Start-ups für die heimische Wirtschaft so wichtig?

Ludwig: Im Schnitt schafft ein Start-up 6,5 Vollzeit-Arbeitsplätze. Daran sieht man schon den wirtschaftlichen Wert und die wichtige Wertschöpfung für das Land.

Kröpfl: Viele große, etablierte Unternehmen in der Steiermark waren zu Beginn Start-ups, zum Teil sogar EPUs. Das sind heute Weltkonzerne mit Tausenden Mitarbeitern. Start-ups können also auch die Konzerne der Zukunft sein.

Ludwig: In Österreich haben wir eine Gründerquote von 7 Prozent, in der EU liegt sie bei 14,8 Prozent. Man sieht, dass hier noch viel Potenzial schlummert. Und dieses Potenzial gehört aufgeweckt.

Stichwort „Förderung“: Wie unterstützt die SFG innovative Start-ups?

Ludwig: Auf den unterschiedlichsten Wegen. Neben der klassischen Beratung bieten wir Förderungen in allen möglichen Bereichen, wir vergeben Risikokapital, wir haben 14 eigene Impulszentren über die ganze Steiermark verteilt im Eigentum der SFG, in denen wir auch für Start-ups geeignete Büroräumlichkeiten anbieten sowie die Unterstützung von Cluster, Netzwerken und Kompetenzzentren für Start-ups. Darüber hinaus hat die SFG sogar ein eigenes Gründe-rinnen-Coaching auf Initiative von Wirtschaftslandesrätin Barbara Eibinger--Miedl gestartet.

 

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© Marija Kanizaj

An welche Gründerinnen wendet sich die SFG ganz besonders?

Ludwig: Wir wollen natürlich erste Anlauf- und Beratungsstelle für alle Gründerinnen sein, da wir mit unserem Know-how einen guten Überblick verschaffen können. Von besonderem Interesse sind für uns natürlich die Bereiche entlang unserer Cluster-Schwerpunkte – sprich Gründungen im Bereich Mobilität, Medizin, Umwelt, Kreativwirtschaft, Werkstoff und Digitaltechnologien.

Welche Schwerpunkte werden bei der Steiermärkischen Sparkasse im Bereich Gründungen gesetzt?

Kröpfl: Es gibt in unserem Gründercenter zwei essenzielle Elemente. Der eine Bereich ist das Finanzieren, aber noch wichtiger aus meiner Sicht ist im Vorfeld das Beraten. Und das ist bei uns kostenlos für jeden, auch wenn man nicht bei uns Kunde ist.

Woran erkennt man, ob eine Idee zukunftsfähig ist oder nicht?

Kröpfl: Am Grad der Innovation. Extrem wichtig ist dabei, dass der Aspekt der Innovation nicht nur auf den technischen Fortschritt limitiert wird. Im Wesentlichen sollte bei einer Unternehmensgründung immer im Vordergrund stehen, was konkret der Mehrwert für Kunden ist. Aus dem leitet sich die Frage ab, wie ich in den Markt überhaupt hineinkomme. Danach kommt gleich die Frage der wirtschaftlichen Machbarkeit. Die schönste Idee, die ökonomisch nicht darstellbar ist, verhungert relativ zügig. Dabei stellt sich die Frage der Finanzierbarkeit.

Welche Chancen haben Gründer in der Steiermark?

Ludwig: In den ersten drei Jahren überleben 75 Prozent aller Gründerinnen und Gründer und in den ersten fünf Jahren zwei Drittel. Das ist ein hoher Wert. Wobei auch gesagt werden muss, dass Scheitern ja auch nicht immer das endgültige Aus einer Idee sein muss.

Scheitern kann also gut sein?

Ludwig: Ich glaube, Scheitern darf nicht nur negativ interpretiert werden. Man kann daraus viel für die Zukunft lernen. Viele der erfolgreichsten Unternehmer sind schon gescheitert. Das beste Beispiel dafür ist Josef Zotter und seine Schokoladenmanufaktur. Die SFG war der erste Kapitalgeber, die ihm nach seinem Scheitern eine Förderung zur Verfügung gestellt hat und wie man sieht, zählt er heute zu DEN Vorzeigebetrieben in der Südoststeiermark und setzt neue Maßstäbe mit seiner Tätigkeit.

Was hat Sie dazu bewegt, an der Ini-tiative „Die Arena der Gründerinnen“ mitzuwirken?

Kröpfl: Mein Eindruck ist, dass manchmal gerade weibliche Gründerinnen ihre eigenen Ideen tendenziell unterbewerten. Daher hoffe ich, dass es uns durch diese gemeinsame Aktivität mit der SFG und der STEIRERIN gelingt, Frauen zu erreichen, die wir damit ermutigen, den wichtigen ersten Schritt zu machen.

Ludwig: Mir hat die Idee besonders gut gefallen, da ich viel Potenzial in der weiblichen Gründerszene sehe. Und all das, was einer potenziellen Gründerin hilft, am Markt auch erfolgreich auftreten zu können, gehört unterstützt – und das mit Herzblut.