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Lifestyle | 17.12.2019

Vom Froschkönig zur Krimiheldin

Bilderbuchkarriere: Die junge Leobnerin Lisa-Lena Tritscher stand kürzlich mit Cornelius Obonya vor der Kamera und drehte den TV-Krimi „Der letzte Kirtag“. Die Ausstrahlung folgt Frühjahr 2020.

Fotos Christoph Liebentritt/liebentritt.photography, Superfilm/Ingo Pertramer/Klaus Pichler, Felix Vratny

Vielseitiger Vollprofi ohne Starallüren: Lisa-Lena Tritscher ist Schauspielerin, Model und produziert selbst Theaterstücke. Mit der STEIRERIN sprach sie über ihre ersten Schauspiel-Erfahrungen im Kinderzimmer, Vorbilder und ihren persönlichen Zugang zu Nachhaltigkeit.

STEIRERIN: Wie sind Sie zur Schauspielerei gekommen?
Lisa-Lena Tritscher: Ich habe schon als Kind mit den Nachbarskindern Theaterstücke in meinem Zimmer inszeniert. Einmal habe ich das Nachbarsmädchen grün angemalt, weil sie den Froschkönig gespielt hat; da hatten wir anschließend den Auftritt einer aufgebrachten Mutter zu Hause. Dann ging es mit Schultheater weiter. Studiert hab ich allerdings zuerst Germanistik und Dramaturgie. Irgendwann wurde mir aber klar, dass mich die Arbeit hinter den Kulissen auf Dauer nicht glücklich machen würde. Ich habe meinen ganzen Mut zusammengenommen, bin zu meinem allerersten Schauspiellehrer gegangen und hab ihm vorgespielt. Er musste mir versprechen, mir ehrlich seine Einschätzung zu sagen. Er gab mir den Tipp, etwas Lustiges zu spielen, und hat mit mir einen Monolog einstudiert, mit dem ich an der Schauspielschule vor-gesprochen habe  – und aufgenommen wurde!

Sie sind bisher oft auf der Bühne gestanden – wird man Sie nun öfter in Film und Fernsehen sehen?
Das Theater begleitet mich schon mein ganzes Leben, meine Liebe zum Film hab ich erst später entdeckt. Mittlerweile liebe ich beides; am besten abwechselnd. Leider ist das Leben kein Wunschkonzert, die wenigsten Schauspieler können es sich aussuchen oder leisten, nur eines zu machen. 2018 hab ich begonnen, eigene Theaterstücke zu produzieren und damit auf Tour zu gehen. Ein Stück von A bis Z selbst zu machen, ist eine großartige Erfahrung. Man lernt die unterschiedlichen Positionen bei Film und Theater ganz anders zu schätzen und nimmt sein Glück selbst in die Hand, anstatt zu warten, bis jemand anruft und man engagiert wird. Ich mag es bei meinen eigenen Stücken, alles bis ins kleinste Detail zu kennen und über alles, angefangen von Licht und Kostüm bis hin zum Bühnenbild, Bescheid zu wissen. Der Film ist da natürlich Luxus, für jede Position gibt es jemanden und man „darf“ sich voll und ganz auf seine Aufgabe als Schauspieler konzentrieren. Das ist schon großartig. Vergleichen kann man Bühne und Film nicht. Wenn mich jemand nach Kuchen oder Torte fragt, will ich auch beides.

Wie war die Zusammenarbeit mit Cornelius Obonya?
Für mich war es eine einzigartige Erfahrung, nicht nur weil er ein toller Schauspieler ist. Er ist absolut nicht eitel und war bereit, seine langjährigen Erfahrungen zu teilen. Die Bodenständigkeit und Herzlichkeit, die er ausstrahlt, ist selten. Dass man sich gut versteht, ist wichtig, wenn man so eng zusammenarbeitet. Für mich ist es die erste Hauptrolle in dieser Größenordnung, Cornelius hat da schon ein paar Drehtage mehr am Buckel. Es ist natürlich ein großes Geschenk, von so einer Persönlichkeit lernen zu können. Was den Humor betrifft, waren wir sofort auf einer Wellenlänge, da ist er ein Kindskopf und kann über alles lachen.

 

Wer sind Ihre Vorbilder?
Eine Mischung aus Juliette Binoche und Sophie Rois. Beide sind unglaublich tolle, starke Frauen und Schauspielerinnen, die nicht nur perfekte Spieltechnik, sondern auch eine einzigartige Persönlichkeit in sich vereinen. Eine Portion Verrücktheit und Rückgrat ist etwas, das ich an Frauen in dieser Branche sehr bewundere. Man muss sich trauen, den Mund aufzumachen, auch wenn das nicht immer jedem passt. Ich lerne gerade, dass man nicht von jedem gemocht wird, wenn man eine eigene Meinung vertritt. Das ist schwer für mich.

Wofür engagieren Sie sich?
Menschlichkeit, Nächstenliebe, Umweltschutz. Ich lebe fast mein ganzes Leben schon vegetarisch und versuche, fast alles Secondhand zu kaufen und Plastik zu vermeiden. Es ist unsere verdammte Aufgabe, die Erde zu schützen, auf der wir leben. Das betrifft auch den Umgang mit anderen Menschen. Diejenigen zu unterstützen, denen es nicht so gut geht, empfinde ich als eine Pflicht. Ich koche immer wieder für die Gruft der Caritas und sammle Spenden, die ich dann dort hinbringe.
Wenn Sie nicht Schauspielerin geworden wären, was wäre Ihr Beruf? Wenn ich nicht Schauspielerin wäre, würde ich vermutlich schreiben. Geschichten zu erfinden oder als Schauspielerin  Geschichten zu erzählen, hat für mich große Parallelen. Ich bin allerdings ein Rudeltier und erst im Austausch so richtig kreativ. Ich bewundere die Arbeit eines Autors, aber das stundenlange Brüten im stillen Kämmerchen schreckt mich dann doch eher ab.

Ihr Lieblingsplatz in der Steiermark?
Nationalpark Gesäuse und Ausseerland, denn ich brauche Berge und Seen. Ich bin in Eisenerz in die Schule gegangen. Da war der erste Weg nach Schulschluss zum Leopoldsteinersee oder weiter ins Gesäuse, wo Freunde von mir ein Haus haben, das bis heute meine zweite Heimat geblieben ist.

 

 

Und wo fühlen Sie sich zu Hause?
Zu Hause ist für mich eher ein Gefühl als ein Ort. Wichtig ist, dass mein Hundemädchen dabei ist.

Welche Rolle würden Sie gern einmal spielen?
Ich liebe Tschechov und würde gern meine Diplomrolle „Elena“ in Onkel Wanja noch mal spielen – oder eine steirische Actionheldin. Und wenn ich ganz unverschämt sein soll, das „Mammon“ im „Jedermann“ wär natürlich der Wahnsinn.

Ihre nächsten Projekte?
Als nächstes Projekt steht eine Wiederaufnahme meiner ersten Theater-Eigenproduktion an. „Der Bär und der Heiratsantrag“ frei nach Tschechov. Dabei trage ich wirklich bis zur kleinsten Socke die Verantwortung. Das ist schon ein tolles Gefühl. Danach mache ich mit meiner Kollegin Maria Astl, mit der ich 2018 das Ensemble Club 3 gegründet habe, unsere dritte Eigenproduktion.

Neuer TV-Krimi

„Der letzte Kirtag“ ist ein TV-Krimi nach der Romanvorlage von Herbert Dutzler, in der Lisa-Lena Tritscher und Cornelius Obonya als ungleiches Ermittler-Duo auftreten. Weitere Teile nach der Romanvorlage sind in Planung. Regie führte Julian Pölsler, der auch für das Drehbuch verantwortlich ist und koproduziert.

Die Ausstrahlung ist im Frühjahr 2020 auf Servus TV geplant.